Stadt erstattet Anzeige
Nazi-Aufmarsch in Lauheide

Münster -

Rechtsextreme zogen am Volkstrauertag mit Fackeln über den Waldfriedhof Lauheide und ehrten ihre „Helden“. Die Stadt hat daraufhin Anzeige bei der Polizei erstattet. Nun liegt der Vorgang bei der Staatsanwaltschaft.

Donnerstag, 31.01.2019, 17:36 Uhr aktualisiert: 31.01.2019, 18:52 Uhr
Rechte Seiten veröffentlichten im Internet Bilder von ihrem Aufmarsch auf dem Waldfriedhof Lauheide. Foto: Pjer Biederstädt

Unbeobachtet von der Öffentlichkeit begingen am Volkstrauertag rund 50 Personen auf dem Waldfriedhof Lauheide ein „Heldengedenken“. Fotos, die anschließend auf mehreren rechts-nationalen Internet-Seiten veröffentlicht wurden, zeigen unter anderem einen Fackelmarsch über das Friedhofsgelände sowie eine Kranzniederlegung am „Ehrenmal der 329. Infanteriedivision“. Darauf machte in dieser Woche die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ aufmerksam.

Wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz hat die Stadt Münster Strafantrag bei der Polizei gestellt, das Verfahren ist inzwischen bei der Staatsanwaltschaft anhängig. Nach Angaben einer Polizei-Sprecherin gestalten sich die Ermittlungen jedoch schwierig. Sämtliche Personen, die an der „Heldenfeier“ teilnahmen, sind auf den rechten Internetseiten gepixelt worden.

Fackeln hinterließen Brandspuren

Wie die Stadt berichtet, wurde im Zusammenhang mit der Veranstaltung im vergangenen November die Bepflanzung am „Ehrenmal der 329. Infanteriedivision“ zurückgeschnitten, zudem hinterließen die Fackeln Brandspuren. Bei dieser Division handelte es sich um eine Eliteeinheit der Wehrmacht im Dritten Reich. Das Denkmal wurde 1961 – also lange nach dem Zweiten Weltkrieg – errichtet.

Der Friedhofsverwaltung liegen keine Erkenntnisse vor, dass es Veranstaltungen wie am Volkstrauertag in der Vergangenheit schon einmal gegeben hat.

Ortswahl kein Zufall

Berichte auf Seiten im Internet lassen darauf schließen, dass die rechtsextreme Partei „Die Rechte“ aus Hamm hinter der Versammlung steckt. Der Verfassungsschutz befasste sich in der Vergangenheit wiederholt mit dieser Gruppierung. Er stufte sie als „aggressiv-radikal“, „wesensverwandt mit dem historischen Nationalsozialismus“ und „Sammelbecken von Neonazis“ ein.

Dass die Versammlung auf dem Waldfriedhof Lauheide stattfand, ist kein Zufall. Abgesehen von dem Ehrenmal befinden sich hier die Ehrengräber von Fritz Schmidt und General Gerhard Glokke. Schmidt, NSDAP-Kommissar für die von Deutschland besetzten Niederlande, war unter anderem für die „Entjudung“ der niederländischen Wirtschaft zuständig. Glokke war die Organisation des Wehrbereichs Münster unterstellt.

Die Bezirksregierung hatte kürzlich die Stadt um die Überprüfung dieser Ehrengräber gebeten. „Die Aufarbeitung der Tatsache, dass sich auf Lauheide NS-Gräber befinden, läuft“, so eine Stadt-Sprecherin am Donnerstag. Über den Zeitrahmen lasse sich jedoch aktuell keine Aussage treffen.

Kommentar: Abstoßendes Schauspiel

Rechtsextreme ziehen mit Fackeln über den Waldfriedhof Lauheide, um ihre „Helden“ zu ehren – was für ein abstoßendes Schauspiel! Sie marschieren an den Gräbern von Zwangsarbeitern, Bombenopfern und ganz normalen Münsteranern vorbei – wie widerlich! Mit Kränzen ehren sie eine Division, die für Hitler kämpfte – unfassbar!

Hätten die Neonazis ihr „Heldengedenken“ nicht im Internet gepostet – wohl niemand hätte es bemerkt. Dass sie es getan haben, zeigt, dass es ihnen neben der Ehrung auch um Provokation ging. Frei nach dem Motto: „Seht her, wir entweihen Eure Friedhöfe – und Ihr könnt das nicht mal verhindern.“

Nun beschäftigen sich Polizei und Staatsanwaltschaft mit dem Aufmarsch. Doch damit allein ist es nicht getan. Die Geschichte umstrittener „Ehrengräber“ in Lauheide muss nun zügig aufgearbeitet werden – und zu Konsequenzen führen. Das gilt auch für ein Denkmal, das NS-Kampftruppen ehrt. Auf einem Friedhof, auf dem Zehntausende Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben, hat ein solches Monument nichts zu suchen.

Von Martin Kalitschke

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