Fan-Anlaufstelle der Preußen warnt vor rechtem Gedankengut
Wachsamkeit in der Fankurve gefordert

Münster -

Droht der Fankurve im Stadion angesichts der aktuellen politischen Situation in Deutschland ein neuer Rechtsruck? Das Gedankengut der „Neuen Rechten“ von AfD, Pegida und Identitärer Bewegung stellt jedenfalls eine beträchtliche Gefahr dar, wie der Historiker und Journalist Peter Römer meint. 

Mittwoch, 30.01.2019, 18:06 Uhr aktualisiert: 30.01.2019, 19:07 Uhr
Sie mahnen zur Wachsamkeit vor dem Gedankengut der „Neuen Rechten“: Fanport-Leiter Edo Schmidt (l.) und Historiker Peter Römer (Villa ten Hompel). Foto: Dirk Anger

„Alles, was gesellschaftlich im Fluss ist, hat Einfluss auf die Fankultur“, betont der Mitarbeiter am Geschichtsort Villa ten Hompel. Die „Neue Rechte“ sei schon tief eingesickert bei den Fans, aber das unterscheide sich von Stadt zu Stadt bisweilen deutlich. Fest steht für ihn: „Fußball und Fußballkultur spielen in gewissen Städten eine Rolle für die Mobilisierung.“

Auf Einladung des Fanports, der Anlaufstelle für Preußen-Fans, hat Römer am Dienstagabend in der Leokneipe in der Herwarth­straße die Entwicklung aufgezeigt. So tauchen die etwa Ende der 90er-Jahre weitgehend verschwundenen Hooligans, die das Recht des Stärkeren propagieren, nach Römers Beobachtung heute als Ordner am Rand von Demonstrationen der rechten Szene wieder auf.

Rechte Hooligans verhelfen rechter Politik zum Erfolg

Es gebe einen ganz großen Raum rechter Erlebniswelten über das Stadion hinaus, hat Römer festgestellt – abgesehen von Demonstrationen etwa bei Kampfsportevents. „Man braucht den Fußball nicht, aber man hat sich dort kennengelernt.“

Römer verzeichnet seit etwa fünf Jahren ein Zusammengehen der „Neuen Rechten“ mit Neonazis. Sie seien einst organisatorisch, konzeptionell und teils auch inhaltlich getrennt voneinander agierende Gruppen gewesen. „Extrem rechte Hooligans wirken bei diesem enger werdenden Zusammenschluss und den Erfolgen rechter Politik – teils unbewusst – mit“, so sein Fazit.

Nazis werden in Münster nicht geduldet 

Die Situation in Münster spielt an diesem Abend, der rund 50 Interessierte anlockt, am Ende eine kurze Rolle. Als die Scheiben in der kleinen Kneipe schon beschlagen, kommt eine entsprechende Nachfrage. „Eigentlich haben wir in Münster eine Atmosphäre, wo Nazis nicht geduldet sind“, antwortet Fanport-Leiter Edo Schmidt.

Er nimmt zugleich die Vereine in die Pflicht. Wo die zu schwach seien, habe man Probleme. Den Fans rät er bei rechtsradikalen Strömungen im Stadion: „Wer ein Problem erkennt, sollte direkt auf einen Ordner oder den Verein zugehen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6358593?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
„Fridays for Future“ plant neue Groß-Demo
Mehr als 20 000 Münsteraner nahmen im September an der Großdemonstration von „Fridays for Future“ teil.
Nachrichten-Ticker