Innovativer Zustelldienst im Südviertel
Leeze ersetzt Paketbulli

Münster -

„BoxFox“ heißt ein innovativer Paket-Zustelldienst, der im Februar im Südviertel startet. Ziel der Jungunternehmer Björn Paulus und Patrick Melcher ist es, die Zahl der Zusteller-Fahrten in Münster zu reduzieren.

Dienstag, 29.01.2019, 16:00 Uhr
Die Existenzgründer Björn Paulus (l.) und Patrick Melcher stellten am Dienstag ihr Projekt „BoxFox“ vor. Die Transporter der Paketzusteller wollen sie im Südviertel mit einem Lastenfahrrad ersetzen. Foto: kal

Mehr als drei Milliarden Pakete wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugestellt – sechs Milliarden sollen es Mitte des nächsten Jahrzehnts sein. Die Konsequenzen sind Tag für Tag zu beobachten: Transportfahrzeuge der Zustellfirmen quälen sich durch dicht besiedelte Wohnquartiere, stehen auf Straßen, Radwegen und Bürgersteigen. Die Empfänger werden oft nicht angetroffen, sie müssen auf eine erneute Zustellung warten – oder die Sendung irgendwo abholen.

Zwei Jungunternehmer wollen ab 11. Februar mit ihrem Start-Up „BoxFox“ zunächst im Südviertel dazu beitragen, dass die Zahl der Zustellfahrten abnimmt und Paketsendungen umweltfreundlich zu den Empfängern gelangen – per Elektro-Lastenfahrrad.

Vom Land und Bund gefördert

Patrick Melcher (30) aus Münster hatte die Idee für diesen Kiezboten, er hat dafür ein Gründerstipendiums des Landes NRW erhalten. Björn Paulus (30) von der Nordkirchener Parcelbox GmbH – eine Ausgründung des Dortmunder Fraunhofer-Instituts – wird mit dem Produkt Pickshare die Logistik-Infrastruktur beisteuern und BoxFox als Investor finanzieren. Bundes- und Landeswirtschaftsministerium fördern das bis zunächst 2021 angelegte Projekt, für das Münster vom NRW-Wirtschaftsministerium als Modellregion ausgewählt wurde.

Münsters Fahrrad-ABC: Von A wie Ampel bis Z wie Zeit

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    Alle Jahre wieder, zum Start des Wintersemesters, ist die Zeit der Frischlinge auf den Radwegen. Mit den neuen Studentinnen und Studenten erobern Tausende Neumünsteraner für sich die deutsche Fahrradhauptstadt. Für viele eine mitunter abenteuerliche Begleiterfahrung des Studienstarts. Hier für die Anfänger auf den Radwegen und alle Leezenliebhaber ein kleines Alphabet des Radverkehrs in Münster von unserer Redakteurin Karin Völker.

    Foto: dpa
  • A wie Ampel: Unbedingt beachten! Ampeln haben in Münster für Fahrradfahrer nicht bloß Empfehlungscharakter. Bei Rot also besser stehenbleiben. Erstens, weil alles andere gefährlich sein kann. Zweitens, weil als Strafe ein Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei und 100 Euro Strafe drohen. Sehr empfindlich fürs studentische Portemonnaie.

    Foto: Colourbox.de
  • B wie Bürgersteig: Er ist in Münster den Fußgängern vorbehalten. Es gibt ja auch meistens Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • C wie cholerische Anfälle: Sie sind trotz des hier verbreiteten gemäßigten westfälischen Temperaments bei diversen Verkehrsteilnehmern bisweilen zu beobachten. Gilt das Geschimpfe einem selbst, am besten die Ruhe bewahren.

    Foto: Colourbox.de
  • D wie Diskussionen: Sollte man als Fahrradfahrer besser mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht anfangen, erst recht nicht mit Polizisten. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Verkehrsregeln sind zwecklos.

    Foto: Colourbox.de
  • E wie E-Bike: Das Fahrrad mit Batterieverstärkung ist auf Münsters Radwegen schwer im Kommen. Vorsicht vor dem beachtlichen Tempo – wenn sportliche junge Menschen von älteren Herrschaften überholt werden, ist oft ein Akku im Spiel.

    Foto: Oliver Werner
  • F wie Fußgänger: Sie verdienen Rücksicht und Freundlichkeit – auch wenn es mitunter erscheint, die Fußgänger liefen prinzipiell auf Radwegen.

    Foto: Colourbox.de
  • G wie Geschwindigkeit: Tempo 30 in Wohngebieten gilt auch für Radler!

    Foto: Colourbox.de
  • H wie Hamburger Tunnel: Er ist während des Bahnhofsumbaus zentrale Verkehrsachse von und zum Gleis und Ort der friedlichen Koexistenz zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern.  Skeptiker staunen: Es funktioniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • I wie Irren: Es ist menschlich und kommt bei allen Verkehrsteilnehmern vor. Auch wenn das Fahrrad bewegungsfördernder und umweltfreundlicher ist als das Auto: Auch Autofahrer haben im Verkehr manchmal Recht.

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  • J wie Jugend: Das Radfahren in Münster ist keineswegs nur ihr Privileg. In Münster strampeln  auch viele über 80-Jährige noch durch die Stadt. Fahrradfahren ist hier eine generationsübergreifende Angelegenheit – mit vielen Geschwindigkeiten.

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  • K wie Klauen: Der Fahrradklau ist in Münster ein verbreitetes Übel, das die Stadt in der Kriminalitätsstatistik regelmäßig schlecht aussehen lässt. Ein wenig helfen solide Schlösser.

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  • L wie Ludgerikreisel: Für viele Radler ein neuralgischer Punkt. Die Polizei empfiehlt: beherzt auf der Mitte der Spur fahren. Autos kommen meistens auch nicht schneller vorwärts als Radler.

    Foto: Oliver Werner
  • M wie Meimel: Ein münsterischer Ausdruck für Regen – und zwar dessen langanhaltende Form, und damit einer der natürlichen Feinde des Fahrradfahrers. Trotz häufiger Meimelgefahr lässt man sich in Münster nicht so leicht aus dem Sattel vertreiben. Viele auch nicht durch Schnee und Frost: Es gibt hier extra Streufahrzeuge für die Radwege.

    Foto: Colourbox.de
  • N wie Nase: Sie hat der Radfahrer immer im Wind. Nicht ausgeschlossen, dass im Winter dabei mal eine Erkältung rauskommt. Aber was gibt es Schöneres, als im Frühling unter den blühenden Silberlinden auf der Promenade herzuradeln? 

    Foto: Colourbox.de
  • O wie Ordnungshüter: Die Kräfte von Stadt und Polizei schenken dem Radverkehr sehr viel Aufmerksamkeit, besonders zu Semesterbeginn. 

    Foto: Klaus Wiedau
  • P wie Parken: In Münster bisweilen auch für Fahrradfahrer nicht unproblematisch. Merke: Bürgersteige  gehören nicht zugestellt und immer merken, wo das Rad steht. Es soll Studenten geben, die ihre Leezen semesterlang gesucht haben.

    Foto: Colourbox.de
  • Q wie Quälerei: Kommt sogar im Fahrradparadies Münster vor – vor allem immer dann, wenn man Pannen hat.  Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke einen Fahrradladen, der helfen kann.

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  • R wie Rücklicht: Sollte unbedingt ebenso wie das Vorderlicht funktionieren. Wenn man nicht selbst kontrolliert, ob es brennt – die Polizei tut es ohnehin und verteilt gegebenenfalls Knöllchen.

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  • S wie Stau: Gibt es in Münster, speziell während der Semesterzeiten auch auf Radwegen. Hier hilft nur Geduld.

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  • T wie Trunkenheit: Auch wer sich noch mit 1,6 Promille Alkohol im Blut für fahrtüchtig hält: Lieber das Rad schieben! Denn auch Fahrradfahrer erwarten Alkoholkontrollen durch die hiesige Polizei. Kein Scherz: Im Extremfall werden Fahrradfahrverbote verhängt.

    Foto: Colourbox.de
  • U wie Unfälle: Sie passieren leider – trotz vieler Maßnahmen der Verkehrsplaner und Polizei immer noch zu häufig. Ein Helm kann manchmal das Schlimmste verhindern. 

    Foto: Colourbox.de
  • V wie Vorsicht: Auch defensive Radfahrer kommen ans Ziel, mitunter sogar schneller als die Draufgänger.

    Foto: Colourbox.de
  • W wie Waschanlage: Luxus, wenn man seinem Drahtesel mal was Gutes will. Gibt es tatsächlich speziell für Fahrräder – im Fahrradparkhaus am Bahnhof.

    Foto: Presseamt/Joachim Busch
  • X&Y sind die Unbekannten und stehen für das Unerwartete beim Radfahren – zum Glück ist das nicht nur der plötzliche Plattfuß. Es gibt auch den Flirt beim Warten an der roten Fahrradampel. . .

    Foto: Colourbox.de
  • Z wie Zeit: Wer in Münster Rad fährt, spart meistens kostbare Minuten. Faustregel: Je näher man sich im Stadtkern bewegt, desto größer die Zeitersparnis. Autofahrer kommen fast immer langsamer ans Ziel.

    Foto: Colourbox.de

Genauer: ein vier Quadratkilometer großer Bereich im Südviertel mit den Postleitzahlen 48151 und 48153. 24.000 Menschen leben hier in 17.000 Haushalten, ein Großteil ist zwischen 20 und 35 Jahre alt. Das seien die ideale Rahmenbedingungen für BoxFox, sagt Paulus. „In dieser Altersgruppe werden viele Pakete bestellt.“ Allein – die Zustellung führe immer wieder zu „Frust und Ärger“, sagt Melcher, der selbst im Südviertel wohnt. Schließlich sei man fast nie zu Hause, wenn die Zusteller anklingeln. Vom Bulli-Verkehr ganz abgesehen.

Anmeldung per WhatsApp

An dieser Stelle kommt BoxFox ins Spiel. Die Nutzer melden sich online oder per WhatsApp-Nachricht an und erhalten eine Kennnummer. Bestellen sie etwas im Internet, dann geben sie als Empfänger ihren Namen, die Kennnummer und die Adresse Hammer Straße 95 an. Dort befindet sich das „Mikrodepot“ von BoxFox. Die Paketdienste – DHL, Hermes, DPD und so weiter – liefern die Sendung an diesen „Hub“, von dort wird sie per Lastenfahrrad zum Empfänger gebracht.

Das fährt erst los, wenn der Empfänger per WhatsApp mitgeteilt hat, wann er definitiv zu Hause sein wird. „Wir wollen bei der Erstzustellung eine Quote von 100 Prozent erreichen“, sagt Paulus. Dafür müssen die Empfänger, je nach Uhrzeit, zwischen 1,49 und 2,49 Euro zahlen. Paulus und Melcher glauben, dass es im Südviertel viele Menschen gibt, die für eine umweltfreundliche und verkehrsentlastende Zustellung (oder Abholung) bezahlen wollen. Verläuft BoxFox erfolgreich, dann wollen sie es auf ganz Münster und auch darüber hinaus ausdehnen.

Im Internet ist Boxfox hier zu finden .

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