Fotokampagne für die Altenpflege
Gabis verrückte Geschichte

Münster -

Vor 40 Jahren wohnte Gabi Verbeke-Singer in einer Punk-WG. Heute lebt sie in einer Wohngruppe der Diakonie – und ist seit kurzem eins der Fotomodells für eine stadtweite Kampagne.

Samstag, 24.11.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 24.11.2018, 10:29 Uhr
Fotograf Uwe Jesiorkowski setzte Gabi Verbeke-Singer und Altenpflegerin Norah Iwuanoruo aus Nigeria gemeinsam zwischen Totenköpfen und Gespenstermasken für die stadtweite Kampagne in Szene. Foto: Oliver Werner

„Du bist geil drauf Alter, lass knacken“, sagt Fotomodell Gabi, als der Besuch an diesem Vormittag das Shooting in der Schulstraße verlässt. Die eh schon ungewöhnliche Verabschiedung wird umso erstaunlicher vor dem Hintergrund, dass Gabi Verbeke-Singer nicht nur 68 Jahre alt ist, sondern auch vor Totenkopfflaggen und Gespenstermasken posiert.

Das Surreale daran: Das Setting ist keineswegs nur für diesen Tag erdacht. Die Fotos werden vielmehr im regulären Zimmer der alten Dame in einer Wohngruppe der Diakonie geschossen. Doch eigentlich ist auch das nur ein Teil eines verrückten Gesamtgefüges.

"Mit Punks und einer Menge Ratten"

Dass Gabi, die jeden duzt und auch geduzt werden möchte, einmal Fotomodell werden würde, damit war – mit Verlaub gesagt – nicht unbedingt zu rechnen. In den 1970er- und 80er-Jahren wohnte sie in einer Punk-WG in der Kronenburg an der Hammer Straße.

„Mit Punks und einer Menge Ratten“, wie sie sich erinnert. Nur um im nächsten, etwas schwer fallenden Atemzug – Gabi hat mehrere Schlaganfälle hinter sich – zu präzisieren: „Eigentlich hatte ich Angst vor Ratten, aber irgendwann hatte ich dann zehn als Haustiere.“

Bei Gabi hat alles einen Namen

Gabi lebte im Hier und Jetzt, sie heiratete, stellte aber schnell fest, dass sie „kein Beziehungsmensch ist“, wie sie heute sagt. Den Namen ihres Ex-Mannes trägt die gebürtige Holländerin trotzdem noch. „Kostet ja Geld, den zu ändern“, sagt Gabi lapidar und zieht genussvoll an einem Hugo. So nennt sie ihre Zigaretten.

Überhaupt hat alles bei Gabi einen Namen. Susanne Middendorf etwa, Leiterin der Diakoniestation, ist die „Oberindianerin“. Auch sie ist an diesem Tag dabei: „Gabi erhellt einem den Tag“, sagt sie mit einem ehrlichen Lächeln. Und genau durch diese positive, offene Art wird Gabi demnächst einer ganzen Stadtgesellschaft bekannt.

Fotokampagne für die Altenpflege

Denn ihr Bild, auf dem sie gemeinsam mit der nigerianischen Altenpflegerin Norah Iwuanoruo zu sehen sein wird, wird eines der vier Motive einer groß angelegten Fotokampagne für die Altenpflege sein. 14 münsterische Träger sowie das Johanniter-Fachseminar seien dafür „ganz eng zusammengerückt“, um das Vorhaben mit einem Volumen im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich in die Tat umzusetzen. Damit will man unter anderem zeigen, was die Tätigkeit in der Altenpflege wirklich ausmacht. „Hier macht Arbeit Sinn, denn der Beruf ist äußerst vielseitig, nah am Menschen, und er bietet gute Perspektiven“, sagt Caritas-Vorstand Thomas Schlickum.

Hier macht Arbeit Sinn, denn der Beruf ist äußerst vielseitig, nah am Menschen, und er bietet gute Perspektiven.

Caritas-Vorstand Thomas Schlickum

Für so ein hehres Ziel gibt auch Gabi alles. Dabei ist sie eigentlich noch geschwächt, immerhin hat sie sich vor einiger Zeit nach einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Noch immer fällt ihr das Gehen schwer. Trotzdem ist sie an diesem Tag voll da. „Ich habe mir sogar die Haare gefärbt. Mit der Oberindianerin zusammen“, sagt Gabi und zeigt auf ihre Haare, wo bei genauem Hinsehen grüne, violette und weitere farbige Strähnchen zu sehen sind.

Ein Piraten-Totenkopf auf dem T-Shirt

Auch ihr schwarzes T-Shirt mit dem großen Piraten-Totenkopf darauf habe sie extra angezogen. Den Rest besorgt an diesem Morgen Uwe Jesiorkowski. Der Foto-Journalist setzt die ungleichen Pärchen der Kampagne in Szene. Und hat dabei stets einen lockeren Spruch auf den Lippen.

Zudem erhält jedes der Bilder, die im März kommenden Jahres unter anderem an 130 Plakatwänden der Stadt zu sehen sein werden, einen eigenen Slogan. Unter Gabis Foto wird stehen: „Hinter jeder Tür eine neue Geschichte.“ Treffender könnte die Beschreibung nicht sein – oder wie Gabi sagt: „Einfach geil.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6211547?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Keine Ruhe im Rattenhaus - Nachbarin reißt Geduldsfaden
Maßnahmen gegen die Ratten von nebenan: Das Grün vor dem Wohnzimmerfenster wurde zurückgeschnitten, die Löcher im Gemäuer wurden verfüllt.
Nachrichten-Ticker