64-Millionen-Euro-Projekt Gesamtschule Ost wird deutlich teurer

Münster -

Böses Erwachen beim geplanten Bau der neuen Gesamtschule in Münsters Osten: Die Kosten galoppieren davon. Die Stadt sagt, man habe kaum Einfluss darauf.

Von Dirk Anger
Immobiliendezernent Matthias Peck
Immobiliendezernent Matthias Peck Foto: Oliver Werner

Lange Gesichter in der Baukommission für die geplante Mathilde-Anneke-Gesamtschule in Münsters Osten: Um rund zwölf Millionen Euro wird der Schulbau einer aktuellen Kostenberechnung zufolge teurer, als es in der vom Rat abgesegneten Schätzung steht. „Das ist viel, das macht mir Bauchschmerzen“, erklärte der städtische Immobiliendezernent Matthias Peck am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung.

Gut 64 Millionen Euro werden jetzt für die größte Einzelbaumaßnahme der Stadt seit vielen Jahrzehnten veranschlagt. Zunächst war noch die Summe von 52,5 Millionen Euro für die neue sechszügige Gesamtschule mit bis zu 1600 Schülerinnen und Schülern vorgesehen.

Allerdings verwies Peck darauf, dass aus Sicht der Stadt nur 3,8 Millionen Euro Mehrkosten auch zu beeinflussen sind. „Die empfehle ich, die halte ich für sinnvoll“, so der Immobiliendezernent.

Wärmeschutzsimulation nicht bedacht

Allein 1,7 Millionen Euro zusätzlich werden mit Blick auf das Thermometer fällig: „Ohne aktive Belüftung und Kühlung halten wir die Temperaturgrenzen für Schulen nicht mehr ein“, lautet Pecks Folgerung nach einer entsprechenden Wärmeschutzsimulation. „Daran haben wir vorher in der Tat nicht gedacht.“ Künftig soll diese Simulation beim Neubau aller städtischen Gebäude vorgenommen werden, so die gewonnene Erkenntnis.

Weil die Holzbauweise von Anfang an kritisch beäugt wurde, hat der Immobiliendezernent prüfen lassen, ob die Kühlungsmaßnahmen auch bei anderen Baumaterialien notwendig geworden wären. Im Ergebnis spiele der Baustoff keine Rolle, heißt es. Die meiste Wärme entstehe durch die Menschen im Gebäude selbst.

Auch der Bau einer Interims-Mensa in Containerbauweise fällt mit einer halben Million Euro erheblich ins Gewicht. Denn die Schule wird frühestens mit einjähriger Verspätung zum Schuljahr 2021/2022 fertiggestellt. Bis dahin aber sollen die Schülerinnen und Schüler zusammen essen können. Damit wurde einer Bitte der Schulpflegschaft entsprochen.

Verzögerung wegen Trennung vom Planer

Die Verspätung ist darauf zurückzuführen, dass sich die Stadt vor Monaten vom technischen Gebäudeplaner getrennt hatte, der der Aufgabe nicht gewachsen gewesen sei, wie es heißt. Mehrere Hunderttausend Euro an Mehrkosten wurden dadurch ausgelöst. Auf den größten Batzen habe man als Stadt keinen Einfluss, betonte Peck, etwa gestiegene Baukosten (2,2 Mio. Euro) und eine höhere Sicherheitsrücklage auf Empfehlung des Projektsteuerers (2,9 Mio. Euro). Weil das Erdreich schadstoffbelastet ist, wie zwischenzeitlich festgestellt wurde, kostet dessen Entsorgung eine halbe Million Euro, die nicht eingeplant war. Die Brandschutzmaßnahmen für die Mensa mussten im Planungsprozess verschärft werden.

„Ich bin schon sehr verwundert“, erklärte die schulpolitische Sprecherin der CDU. „Einiges kann ich nicht nachvollziehen“, so Angela Stähler. Christoph Kattentidt von den Grünen bedauerte zwar die Mehrausgaben. „Aber im Detail kann ich nicht erkennen, was man anders machen könnte.“ Die Qualität der Bildung stehe an erster Stelle.

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