Neues Versorgungszentrum wird eröffnet Aaseestadt: „Das Viertel ist nicht gut drauf“

Münster -

Im Aaseemarkt wird am Donnerstag (08.11.) das neue Versorgungszentrum eröffnet. Dennoch ist die Stimmung in der Aaseestadt nicht besonders gut. Viele Menschen fürchten sich vor den Folgen der geplanten Nachverdichtung, hat ein Ortsbesuch unserer Zeitung ergeben.

Von Martin Kalitschke
Im Aaseemarkt eröffnet heute das neue Versorgungszentrum seine Pforten. Auch wenn viele Anwohner froh sind, wieder einen Lebensmittelmarkt zu haben – die geplante Nachverdichtung im Quartier sorgt bei vielen Anwohnern für Verunsicherung.
Im Aaseemarkt eröffnet heute das neue Versorgungszentrum seine Pforten. Auch wenn viele Anwohner froh sind, wieder einen Lebensmittelmarkt zu haben – die geplante Nachverdichtung im Quartier sorgt bei vielen Anwohnern für Verunsicherung. Foto: Matthias Ahlke

Wer vom Kolde-Ring in die Aaseestadt abbiegt, steuert auf einen rundum erneuerten Aaseemarkt zu. Fünf Millionen Euro hat die städtische WBI hier investiert, der Lebensmittelmarkt ist fast drei Mal so groß wie zuvor, hinzu kommen ein Bäcker, ein Bistro, eine Lottoannahmestelle, ein Ärztehaus.

„Wir haben hier ein Stück Stadtreparatur betrieben“, sagt WBI-Geschäftsführer Peter Todeskino und erinnert daran, dass der Aaseemarkt noch vor ein paar Jahren ein ganz anderes Bild abgab. 1720 Quadratmeter ist das Versorgungszentrum, das am Donnerstag (08.11.) eröffnet wird, groß – „es könnte ein ganzes Stadtviertel versorgen“, sagt Todeskino.

Neubauten werden kommen 

Das wird in ein paar Jahren tatsächlich der Fall sein, denn die Aaseestadt, in deren Herzen der Aaseemarkt liegt, wird „nachverdichtet“ – drei ältere Häuser werden abgerissen, drei neue Gebäude mit zwei Etagen und sechs weitere Gebäude mit bis zu fünf Etagen sollen in den kommenden Jahren entstehen. Ist der neue, große Aaseemarkt ein Vorgriff auf künftige Entwicklungen? Todeskino antwortet diplomatisch: „Die Aufgaben sind klar verteilt, wir haben uns um den Aaseemarkt gekümmert, die Wohn- und Stadtbau ist für das Wohnen zuständig.“

Mittwochmittag in der Aaseestadt, strahlender Sonnenschein, ein paar Kinder spielen auf den Grünflächen, Senioren gehen spazieren. Gefällt ihnen der neue Aaseemarkt – und wie bewerten sie die bevorstehenden Baumaßnahmen? Die Anlieger sind misstrauisch, wollen sich zunächst nicht äußern, erst recht nicht ihren Namen nennen. Erst nach gutem Zureden lassen sie sich zu einer Einschätzung hinreißen.

„Ich freue mich auf den neuen Aaseemarkt“, sagt ein 83-jähriger Mann. „Aber unser Viertel ist im Moment gar nicht gut drauf.“ Wie meint er das? „Ich bin 83 Jahre alt, wohne seit 54 Jahren hier, war immer gut zufrieden. Und jetzt soll das Haus, in dem wir leben, abgerissen werden.“

Wird das Grün weichen müssen? 

„Die sollten alles so lassen, wie es ist“, meint eine 74-jährige Frau, die wie der 83-Jährige in der Mierendorffstraße wohnt. Auch ihr Haus soll abgerissen werden. „Ich habe hier mein ganzes Leben verbracht, als ich hier 1968 hinzog, kam mir das wie ein Ferienparadies vor. So viel Grün.“ Sie befürchtet, dass es enger wird im Viertel und dass sich die Atmosphäre ändert. „So schön wie jetzt werden wir es in ein paar Jahren nicht mehr haben.“

Tatsächlich ist das Projekt bereits auf dem Weg. „Wir bereiten gerade das Bebauungsplanverfahren vor“, sagt Wohn- und Stadtbau-Geschäftsführer Dr. Christian Jaeger. Zudem habe sein Unternehmen bereits den Bauantrag für einen ersten Ausweichbau an der Bonhoefferstraße gestellt. Er soll Ende 2020 fertig werden.

Häufige Umzüge sollen vermieden werden 

Weitere drei Ergänzungsbauten sollen von 2021 bis Ende 2022 entstehen, danach soll im Jahresrhythmus ein altes Gebäude durch zwei neue, kleinere ersetzt werden. Die Bewohner der Aaseestadt, von denen hier viele seit Jahrzehnten leben, versucht Jaeger zu beruhigen. „Unser Ziel ist es, dass jeder betroffene Mieter nur einmal umziehen muss“ – und nicht, wie zunächst befürchtet, von der alten Wohnung in einen Übergangsbau und dann zurück in die neue Wohnung. Außerdem sollen die Mieten bezahlbar bleiben, betont er.

Ob dieses Versprechen die verunsicherten Menschen in der Aaseestadt beruhigen wird, bleibt abzuwarten. Nur dies scheint sicher: Im Viertel wird in Zukunft deutlich mehr los sein als heute.

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