Thomas-Gemeinde Fliednerhaus steht unter Spannung: Fünf-Millionen-Euro-Neubau geplant

Münster -

Die evangelische Thomas-Gemeinde will am Fehrbellinweg im Geistviertel eine neues Gemeindehaus samt Kita und acht Wohnungen bauen: das Fliednerhaus. Eine Nachbarschaftsinitiative hält das Projekt für überdimensioniert.

Von Lukas Speckmann
Das neue Fliednerhaus am Fehrbellinweg (r.) soll über ein Foyer mit der Trinitatiskirche am Straßburger Weg (l.) verbunden werden.
Das neue Fliednerhaus am Fehrbellinweg (r.) soll über ein Foyer mit der Trinitatiskirche am Straßburger Weg (l.) verbunden werden. Foto: Danne/Foto: spe

Seit Jahren wird über einen Neubau des Fliednerhauses, des Gemeindehauses neben der Trinitatiskirche im Geistviertel, diskutiert. Nun will die evangelische Thomas-Gemeinde das ambitionierte Projekt verwirklicht sehen: Am Dienstagabend wurden die Pläne bei einer Informationsveranstaltung in der Kirche einer teilweise seit Jahren kritischen Öffentlichkeit vorgestellt.

Unstreitig: das Vorhaben ist stattlich. Etwa fünf bis fünfeinhalb Millionen Euro muss die Kirchengemeinde aus eigener Kraft aufbringen, um das alte, 1924 gebaute Fliednerhaus am Fehrbellinweg sowie einen benachbarten Kita-Pavillon abzureißen und einen erheblich größeren Neubau zu errichten. Die Architektin Diana Danne hat ein verklinkertes Flachdachgebäude entworfen, in dessen unteren Stockwerken das Gemeindezentrum und eine Vier-Gruppen-Kita untergebracht werden sollen.

Barrierefreie Wohnungen

In den beiden oberen, etwas zurückgenommen Etagen soll Wohnraum entstehen: acht barrierefreie Wohnungen mittlerer Größe. Für die Bewohner und das Kita-Team werden 16 Tiefgaragen-Stellplätze eingerichtet. An der Straßenecke zwischen Fliednerhaus und Kirche bleibt ein freier Platz als Ort der Begegnung, der allerdings auch vier Kurzzeitparkplätze für die Kita aufnehmen muss.

Pfarrer Martin Mustroph hofft auf ein „buntes Miteinander der Generationen“ und betont, dass das Gebäude nicht nur der Kirchengemeinde zur Verfügung stehen soll: „Wir hoffen, dass ein neues Zentrum den evangelischen Standort im Geistviertel stärkt.“ Langfristig möchte die Thomas-Gemeinde ihre beiden ehemals selbstständigen Standorte Jakobus (Aaseestadt) und Trinitatis (Geistviertel) erhalten und ausbauen – ein aktives, von ehrenamtlichem Engagement getragenes Gemeindeleben sei dafür die Voraussetzung.

Sorgen der Nachbarn

Die Anlieger sind skeptisch. Eine „Nachbarschaftsinitiative Trinitatis“, der nach Angaben ihres Sprechers Ulf Theilke knapp 100 Nachbarn angehören, hält das Projekt für überdimensioniert. Grundsätzlich begrüße man einen Neubau samt Kita und die damit verbundene Aufwertung des Viertels, betont Theilke. Das geplante Gebäude sei allerdings mit seinem Flachdach und den vier Geschossen zu massiv: „Wir möchten dafür Sorge tragen, dass sich das Vorhaben in die Umgebung einfügt.“

Die größte Sorge: In einem eher kleinteiligen Areal ohne Bebauungsplan könnte der Neubau die Maßstäbe verschieben. Überdies sei kein durchdachtes Verkehrskonzept erkennbar, was etwa den Hol- und Bring-Verkehr zur Kita anbelangt. Dass für den Neubau ein paar Bäume weichen müssten, steht außer Frage.

Die Initiative geht davon aus, dass sich das Bauordnungsamt ihrer Sicht anschließen werde. Pfarrer Mustroph hingegen hofft auf eine rasche Baugenehmigung und einen Baubeginn nach Ostern 2019. Das letzte Wort hat offenbar die Stadt. Die Gremien der Kirche haben das Finanzierungskonzept der Gemeinde jedenfalls genehmigt.

Unterschwellige Zukunftsängste 

Der öffentliche Spielplatz nördlich der Trinitatiskirche soll in jedem Fall langfristig erhalten bleiben. Die Kirchengemeinde, der der größte Teil des Spielplatzgeländes gehört, hat sich nach eigenen Angaben mit der Stadt Münster über einen Nutzungsvertrag von 30 Jahren Dauer geeinigt.

Der Konflikt um den Neubau des Fliednerhauses ist auch deshalb so brisant, weil auf beiden Seiten unterschwellig Zukunftsängste zu spüren sind. Da ist eine Kirchengemeinde, die durch eine spektakuläre Investition ihren nicht völlig ungefährdeten Gemeindestandort ausbauen und damit langfristig sichern will – Stichwort Kirchenschließung. Und da ist eine Nachbarschaft, die befürchtet, dass dieses Projekt allein durch seine Größe die gesamte Quartiersentwicklung negativ beeinflussen könnte – Stichwort Nachverdichtung.

Misstrauen überwinden

Das Dilemma: Um für die Kirchengemeinde überhaupt finanzierbar zu sein, muss der Neubau mit mehreren vermietbaren Wohnungen ausgestattet werden, und als Gemeindestandort ist er nur dann wirklich interessant, wenn er über ein großzügiges Raumangebot verfügt. Die Möglichkeiten, das Ganze deutlich kleiner zu bauen, sind anscheinend begrenzt.

Gibt es ein gemeinsames Interesse? Unbedingt: den Erhalt der Trinitatiskirche am Straßburger Weg – um der Gemeinde willen und um schlimmere Nachverdichtung zu vermeiden. Das ist keine schlechte Grundlage für eine Verständigung; wenn es denn gelingt, das mittlerweile entstandene Misstrauen zu überwinden. Lukas Speckmann

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6171748?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F