Jan Decorte zeigt im Pumpenhaus deutsche Erstaufführung von „Hamlet 0.2“ Sein oder Nichtsein – eine ständige Frage

Münster -

Der flämische Regisseur Jan Decorte setzt die Beschäftigung mit Shakespeares zerrissenem Dänen-Prinzen fort, die ihn seit vier Jahrzehnten umtreibt. „Hamlet 0.2“ (9. und 10. November) ist eine Verdichtung all der radikalen Interpretationen, die Decorte mit dieser ikonischen Figur gewagt hat. Eine moderne Hamlet-Maschine entsteht.

Die nächste Generation des flämischen Theater-Wunders deutet Shakespeares Hamlet neu.
Die nächste Generation des flämischen Theater-Wunders deutet Shakespeares Hamlet neu. Foto: Danny Willems

Zeitgenossen beschreiben ein geschocktes und zugleich entflammtes Brüsseler Publikum: Der erste „Hamlet“, den Regisseur Jan Decorte 1978 herausbrachte, gilt als Meilenstein in der flämischen Theatergeschichte. Mit einem radikal-minimalistischen Zugriff jenseits aller Werktreue-Begriffe nahm das „enfant terrible“ in dieser Shakespeare-Durchdringung vorweg, was erst viele Jahre später als „postdramatisches Theater“ Mode werden sollte.

Seitdem ist Decorte immer wieder zu seinem Lieblingsstoff zurückgekehrt, auch unter widrigen Bedingungen. 1981 etwa durfte er seine „Hamletmaschine“ nicht beim renommierten Festival in Avignon präsentieren – aus Brandschutzgründen, weil der eiserne Vorhang fehlte.

Mit Arbeiten wie „In the Castle“ (1984) oder später „Amlett“ (2001) hat Decorte den Fechtkampf mit der ewigen Frage „Sein oder Nichtsein?“ fortgesetzt – stets subjektiv und kompromisslos.

Der 1950 geborene Theatermacher, der zur gleichen Generation flämischer Revolutionäre wie Jan Fabre oder Jan Lauwers zählt, genießt in seiner Heimat einen durchaus schillernden Ruf als genialer Theaterzertrümmerer. Auch, weil er in seiner Karriere immer wieder Grenzgänge gewagt und sich beispielsweise als TV-Moderator oder Politiker versucht hat.

Mit „Hamlet 0.2“ präsentiert Decorte nun die Essenz seiner Beschäftigung mit der ikonischen Shakespeare-Figur, die er so oft überschrieben und gespielt hat. Zusammen mit seiner Frau und Muse Sigrid Vinks recycelt er verschiedene Versionen der Vergangenheit zu einer modernen Hamlet-Maschine. Zusammen mit den jungen Schauspielerinnen Ellis Meeusen und Lisah Adeaga, die für die nächste Generation des flämischen Theater-Wunders stehen, deuten sie die Urkonflikte der menschlichen Existenz neu, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Aufführungen sind am Freitag und Samstag (9. und 10. November) um 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Karten im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt oder online:   | localticketing.de

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