Comic-Erzählung Geschichte zum Leben erweckt

Münster -

Geschichtsbücher? Wie öde! Dieses Klischee hat der Münsteraner Historiker Dr. Ludger Grevelhörster widerlegt. Mit einer guten Idee und tatkräftiger Unterstützung von Moritz, Emil und Andreas.

Von Pjer Biederstädt
Die fachliche Grundlage der Comic-Erzählung ist Ludger Grevelhörsters „Kleine Geschichte der Weimarer Republik“, das im Jahre 2000 im Verlag Aschendorff erschienen ist.
Die fachliche Grundlage der Comic-Erzählung ist Ludger Grevelhörsters „Kleine Geschichte der Weimarer Republik“, das im Jahre 2000 im Verlag Aschendorff erschienen ist. Foto: Pjer Biederstädt

Geschichtsbücher lösen unter Jugendlichen in den seltensten Fällen Begeisterungsstürme aus. Trocken, verstaubt, öde – ihr Ruf hält sich hartnäckig. Dass historische Themen auch anders vermittelt werden können, hat der Münsteraner Historiker Dr. Ludger Grevelhörster nun unter Beweis gestellt.

Zusammen mit dem Zeichner Rüdiger Trebels hat der Münsteraner die Graphic Novel „Emil“ herausgebracht. Das Besondere: Die Zeitreise in die Weimarer Republik wird im Comicstil erzählt. „Wer Jugendliche für Geschichte begeistern will, muss neue Zugänge finden“, sagt Geschichtslehrer Grevelhörster, der in Münster über die Weimarer Republik promoviert hat.

Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Die Erzählung handelt von Moritz, der die Tagebücher seines Großvaters Emil findet. Der jugendliche Emil durchlebt dabei die Zeit von der Revolution 1918 bis zur Weltwirtschaftskrise und dem Vormarsch der Nationalsozialisten. Die Protagonisten Mo­ritz und Emil ermöglichten dem Autor den ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit – ein probates Mittel, um Jugendliche immer wieder in ihrer Lebenswelt abzuholen, wie Grevelhörster findet.

Genauso wie die kleinen Erklärpassagen, die mit Smartphone-Symbol die Recherche der Hauptfigur symbolisieren. „Die Aufgabe bestand ja darin, die spannungsreiche Geschichte der Weimarer Republik für Schüler ab der 9. Klasse anschaulich und verständlich zugleich darzustellen“, sagt Grevelhörster.

Comic auf 260 Seiten

Und der Schauplatz? Neben Kiel und Berlin ist Münster der Ort des Geschehens. „Hier kenne ich mich eben am besten aus“, begründet Grevelhörster die Wahl. Es wimmelt in dem 260-Seiten-Buch nur so von Münster-Bezügen: Stadthafen, Nordviertel, Prinzipalmarkt, Domplatz, Schiller-Gymnasium – der Wiedererkennungswert ist groß.

In der zweijährigen Schreibphase saß Grevelhörster zur Inspiration immer am selben Platz in einem Café. „Ich habe mir das Geschehen als Film vorgestellt“, sagt der 59-Jährige. Für seinen Mitstreiter Trebels hat er möglichst viele Bilder von früher aus Archiven zusammengesammelt, damit der für seine Zeichnungen einen Eindruck von Münster der 1920er-Jahre bekommen konnte. Für eine Seite des Buches, so Grevelhörster, hat der Illustrator im Schnitt drei Tage benötigt. So erklärt sich die lange Entstehungsphase des Buches von sechs Jahren.

Da das Buch Bildungszwecken dient, haben den größten Anteil der ersten Auflage die Landeszentralen für politische Bildung in NRW und Hamburg aufgekauft. Und auch über einen Nachfolger denken die Macher nach. „Es gibt die Überlegung, die Geschichte in die NS-Zeit weiterzuspinnen“, verrät Grevelhörster.

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Das Buch gibt es zum Preis von 22 Euro auch im Handel. Die ISBN lautet 978-3774306103.

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