Stadion-Neubau Preußen Münster ist sprachlos

Münster -

Mit Blick auf die Zukunft herrscht beim SC Preußen Münster nach dem Scheitern der Stadion-Pläne in Bösensell große Ratlosigkeit. Dabei gibt es viele offene Fragen.

Von Dirk Anger, Ralf Repöhler
Stadion-Neubau: Preußen Münster ist sprachlos
Club-Präsident Christoph Strässer (r.) will in den nächsten Tagen zunächst eine gründliche Analyse vornehmen; mit im Bild Sport-Geschäftsführer Malte Metzelder. Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist dieser eine Anruf am Freitag, der die Entscheidungsträger des Fußball-Drittligisten SC Preußen Münster tief ins Mark trifft. Sendens Bürgermeister Sebastian Täger ist am anderen Ende – mit schlechten Nachrichten für die SCP-Verantwortlichen. Die fallen förmlich aus allen Wolken, als sie hören müssen, dass der Landwirt in Bösensell seine Flächen doch nicht für ein von den Preußen dort geplantes Bundesliga-Stadion für 35.000 Zuschauer zur Verfügung stellen will. Monatelang hat die Vereinsspitze alles auf diesen einen Standort gesetzt, zu 100 Prozent an Bösensell geglaubt – dann die Rote Karte genau am Tag vor dem so sehnlich erwarteten Heimspiel gegen 1860 München vor vollen Rängen.

SCP-Präsident Christoph Strässer müssen im ersten Moment Rücktrittsgedanken durch den Kopf geschossen sein. Schließlich hat er sein Schicksal an der SCP-Spitze stets mit der zwischenzeitlich geglückten Überführung der Profimannschaft in eine Kapitalgesellschaft verbunden – und dem Bau eines privat finanzierten bundesligatauglichen Stadions.

Preußen stehen mit leeren Händen da

Was Letzteres angeht, stehen die Preußen seit Freitag mit leeren Händen da. Bei Strässer und den anderen Vorstandsmitgliedern machen sich blankes Entsetzen und Enttäuschung breit.

„Ein Jahr umsonst gearbeitet", sagt ein Vorstandsmitglied resigniert am Rande des Samstagskicks an der Hammer Straße. Schließlich hatten die Preußen im festen Glauben an Bösensell andere Alternativen wie etwa im benachbarten Greven gar nicht mehr weiterverfolgt.

"

Wir müssen jetzt eine saubere und gründliche Analyse vornehmen.

SCP Präsident Christoph Strässer

"

Personelle Konsequenzen zieht die Vereinsführung nach dem Stadion-Desaster zunächst nicht. Im Gegenteil: Man verordnet sich selbst Ruhe – auch gegenüber nachfragenden Journalisten. „Wir müssen jetzt eine saubere und gründliche Analyse vornehmen“, sagt Club-Chef Strässer kurz angebunden. Mehr nicht, obwohl es viele offene Fragen zur neuen Situation gibt.

Die Verantwortlichen wollen aber offenbar unbedachte Äußerungen, die die Gräben zur Stadtverwaltung in Münster und dem schwarz-grünen Mehrheitsbündnis im Rathaus weiter vertiefen könnten, in diesen Stunden und Tagen vermeiden.

Wer trägt die Schuld?

Dabei gibt es der Fragen viele: Wer trägt die Schuld am Aus in Bösensell? War der Zeitplan zu optimistisch? Gibt es anderswo außerhalb Münsters einen neuen Anlauf? Oder ist es am Ende aus der blanken Not heraus doch das von den Fans gern als „Antikarena“ bezeichnete Stadion an der Hammer Straße, für das die Ratsmehrheit jetzt eine Sanierung in Aussicht gestellt hat?

In den sozialen Netzwerken schießen indes seit Freitagabend Spekulationen ins Kraut, nachdem unserer Zeitung über die Entscheidung in Bösensell, die eigentlich erst nach dem Heimspiel am Samstag bekannt gemacht werden sollte, berichtet hat. Einige Fans äußern die Vermutung, dass der Adler-Club in eine Falle getappt sei. Schließlich hätten sich die Stadt Münster und insbesondere Oberbürgermeister Markus Lewe für ein Stadion in Bösensell in Zusammenhang mit interkommunalen Gewerbegebiet stark gemacht, heißt es etwa sinngemäß bei Facebook. Jetzt habe man nichts.

Diskussion unter den SCP-Anhängern

Allerdings gehört zur Wahrheit, dass längst nicht alle Anhänger sich über einen Umzug hinter die Stadtgrenze gefreut hätten. Bei vielen Fans bleiben jedoch Unverständnis und Unglauben darüber, dass es in Münster – immerhin nach Köln die flächenmäßig zweitgrößte kreisfreie Stadt in Nordrhein-Westfalen – keinen geeigneten Standort für ein von den Preußen avisiertes und privat finanziertes Stadion geben soll.

Auch heißt es unter Neubau-Befürwortern immer wieder, dass die Sanierungskosten an der Hammer Straße mindestens so hoch seien wie die Kosten für die Infrastruktur an einem neuen Stadion-Standort. Mit verlässlichen, allseits akzeptierten Zahlen hat die Stadtverwaltung diese Vermutung bislang nicht entkräftet.

Die Preußen-Verantwortlichen haben den Ruf nach einem neuen Stadion immer wieder mit der notwendigen wirtschaftlichen Perspektive für den Profi-Fußball in Münster verbunden. Der Vorstand sieht diese an der Hammer Straße als nicht gegeben an. Und weiß sich dabei mit dem vermuteten Geldgeber für ein neues Stadion überein: Walther Seinsch, der Unternehmer sitzt im SCP-Aufsichtsrat, hat in der Vergangenheit immer wieder auf die fehlenden Rahmenbedingungen für eine Bundesliga-Perspektive an der Hammer Straße verwiesen.

Es herrscht Ratlosigkeit

Auch am Samstag bekräftigt ein Insider diese Sicht: „Wir finden so keine großen Sponsoren. Irgendwann geht's dann bergab.“ Doch wo es jetzt hingehen soll, ist den schweigsamen Verantwortlichen aktuell anscheinend auch nicht klar. Derzeit herrscht Ratlosigkeit, wie allenthalben zu spüren ist.

Da passt der Abschied des früheren Preußen-Kapitäns Adriano Grimaldi geradezu ins trostlose Bild in Sachen Stadion-Planung. Als Letzter der Löwen-Spieler verlässt er das Preußen-Stadion. Angesprochen darauf, dass sein ehemaliger Verein wohl kein neues Stadion bekommt, antwortet Grimaldi knapp: „Ich habe es gelesen. Da kann man nichts machen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6167129?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F