Als die Stadt in Aufruhr war Vor 100 Jahren: Kriegsende in Münster

Münster -

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Auch in Münster gab es damals Unruhen, ein Arbeiter- und Soldatenrat bildete sich. Doch rasch beruhigte sich die Situation dann auch wieder.

Von Martin Kalitschke
9. November 1918: Soldaten demonstrieren vor dem Schloss. Die rote Fahne wurde vermutlich nachträglich koloriert.
9. November 1918: Soldaten demonstrieren vor dem Schloss. Die rote Fahne wurde vermutlich nachträglich koloriert. Foto: Stadtarchiv Münster

Noch ist Deutschland Monarchie. Für einen Tag. Doch die Unruhen nehmen zu. Am 8. November 1918 springt der revolutionäre Funke auch auf Münster über. Wie in vielen anderen Städten bildet sich hier ein Arbeiter- und Soldatenrat, ein Hauch von Revolution weht durch die Stadt. „Münster bietet das Bild einer Stadt vor dem Sturm.

Auf allen Straßen ziehen militärische Sicherheitsabteilungen in Helm mit Gewehr durch die Stadt, zu Vieren oder zu Achten, unter Führung von Feldwebeln, Unteroffizieren oder Sergeanten“, heißt es an jenem Tag in Münsters Kriegschronik. „Viele Leute halten sich aus Furcht vor Zusammenstößen zu Hause. Die Straßen sind fast leer.

Eine Stadt zwischen Krieg und Frieden

Der sonst so belebte Prinzipalmarkt ist wie ausgestorben. Auf allen lastet der Druck der militärischen Katastrophe, die Wucht der Hiobsposten aus dem Reich und die Ungewissheit der Stunde.“

Münster vor 100 Jahren: Das ist eine Stadt zwischen Krieg und Frieden, Ordnung und Chaos, Angst und Hoffnung. Die große Politik wird woanders gemacht. Zum Beispiel in Berlin, wo Philipp Scheidemann (SPD) und der Sozialist Karl Liebknecht am 9. November 1918 die Republik ausrufen. Oder in einem Waggon in Frankreich, wo Deutschland am 11. November 1918 den Waffenstillstand unterschreibt. Doch die Schockwellen dieser Ereignisse bringen auch die Stadt im Herzen Westfalens in Bewegung.

Soldaten auf dem Prinzipalmarkt

9. November 1919: Das Stadttheater gibt Schillers „Räuber“. Kaserne und Straße machen derweil Revolution, wie es in der Kriegschronik heißt. „Gegen 9 Uhr verließen große Teile des Ersatz-Bataillons der Dreizehner die Aegidiikaserne und zogen in ungeordnetem Zuge zur Lotharinger- und Hörsterkaserne, wo das 22. Landsturmbataillon lag. Von den alten Mannschaften und Familienvätern dieses Bataillons ging jedoch niemand mit. Auf der Wache der Kaserne wurde ein Arrestant befreit.“

In der Sammlung des Stadtarchivs befinden sich Fotos aus diesen unruhigen Tagen. Sie zeigen Soldaten, die auf dem Prinzipalmarkt und vor dem Schloss demonstrieren, einer reckt eine rote Fahne in die Luft.

Der Krieg ist zu Ende

11. November 1918. Die Waffen schweigen, der Krieg, der mehr als zehn Millionen Menschen das Leben gekostet hat, ist zu Ende. „Heute Mittag um 12 Uhr sind nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes die Feindseligkeiten eingestellt“, meldet die münsterische Kriegschronik.

Die Demobilmachung wird eingeleitet, Ruhe und Ordnung sind nun oberste Bürgerpflicht. Und in der Tat, es scheint ruhig zu bleiben: „‚Die Soldatenbewegung geht hier, abgesehen von einigen Übergriffen undisziplinierter Elemente, im allgemeinen weiter ruhig vor sich“, heißt es in der Chronik.

Kriegsgefangene kommen frei

Am 16. November werden die nach Münster verschleppten Kriegsgefangenen in Sammellager verlegt, die Zustände sollen dort unhaltbar sein. Vier Tage später, am 20. November, verlassen 1000 englische Kriegsgefangene Münster in Richtung Holland.

Am 28. November erlebt die Stadt einen Truppendurchmarsch, die Soldaten, die nun niemand mehr braucht, werden bejubelt, als sie über den Prinzipalmarkt ziehen. Als am 1. Dezember ein weiteres Regiment eintrifft, läuten gar die Glocken. „Auf der Hammer Straße und Weseler Straße sowie am Hauptbahnhof standen Ehrenpforten“, heißt es in der Chronik. Am Bahnhof bricht derweil Chaos aus: Soldaten kehren heim, ehemalige Kriegsgefangene wollen heimkehren. Aber es ist Frieden, immerhin.

Zum Thema

Stadtarchivar Dr. Eduard Schulte hat von August 1914 bis Dezember 1918 die Kriegsereignisse in Münster dokumentiert. Die Chronik steht online unter www.muenster.de/stadt/kriegschronik1914/index.html

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