„24 Stunden Münster“ gastiert im Kleinen Haus Früh am Morgen ins Theater

Münster -

Zahnbürsten und Zahncreme lagen im Zuschauer-WC des Kleinen Hauses bereit. Derlei Utensilien werden Theaterbesucher hier normalerweise nicht vorfinden. Doch wenn „24 Stunden Münster“ läuft, ist alles ein wenig anders und dieses ein aufmerksamer Zuschauerservice, wie der frische Kaffee ab 7 Uhr.

Von Maria Conlan
Amüsante, anrührende und aufschlussreiche Briefe von Münsteranern lasen Carsten Bender, Magnus Heithoff und Carolin Wirth morgens um 7 Uhr.
Amüsante, anrührende und aufschlussreiche Briefe von Münsteranern lasen Carsten Bender, Magnus Heithoff und Carolin Wirth morgens um 7 Uhr. Foto: Maria Conlan

Morgens um 5 Uhr saßen an Allerheiligen immerhin 20 Personen im Zuschauerraum und lauschten Schwester Barbara (Johanna Kollet) bei ihrer „Reise in die Ewigkeit“ und ihren Eindrücken vom Klosterleben, während sie Butterbrote fürs Publikum schmierte.

Das 6 Uhr-Stück „15 Grad Nieselregen windstill“ kam mit sehr wenig Licht aus. Das Publikum bekam akustisch Einblicke in das Lebenshobby eines münsterischen Ornithologen. Der O-Ton vom Band war nicht immer leicht verständlich. Carsten Bender, Hirzel Hirzelnsen und Manfred Kerklau schufen mit Vogelgeräuschen und Klangspielen eine passende Atmosphäre. Der dunkle Theatersaal und die frühe Stunde führten dazu, dass der eine oder andere Zuschauer kurz einnickte.

Heller wurde es ab 7 Uhr. Es agierten Carolin Wirth, Carsten Bender und Magnus Heithoff in „Post Scriptum“ und widmeten die nächste Bühnenstunde der aussterbenden Gattung Privatbrief, ob zur Zeit von Freiherr von Fürstenberg und Annette von Droste-Hülshoff, während des Zweiten Weltkriegs oder aus den 60er Jahren. Es waren kleine Zeitbilder von Münster, Reisen, Sehnsüchten. Carolin Wirth und Magnus Heithoff schlüpften anschließend in die Rollen der „Lehrerin und der Nachtwächterführer“. Sie tauschten sich aus über Vorzüge und Nachteile ihres Berufslebens.

Zu jeder Stunde änderte sich das Bild im Publikum – ein Kommen und Gehen. Ab 9 Uhr saß Münsters ehemaliger Zoodirektor Jörg Adler im Zuschauerraum, was einen guten Grund hatte: Seine Stimme erklang bei „Flucht und Heimat“ (Regie Philip Grüneberg), seiner DDR-BRD-Geschichte, während Mohanad Jackmoor die Zuschauer auf die Bühne zum Teetrinken einlud. Per Kopfhörer konnten sie einer syrischen Fluchtgeschichte lauschen.

Beim anschließenden Stück „Heimat und Flucht“ übernahm Grüneberg die Schauspielerrolle unter Jackmoors Regie. Es ging um prägnante Szenen aus dem Leben des Syrers Moe, der aus Saudi-Arabien flüchtete. Es war ein aufwühlendes Stück am Freitagmorgen bis zum Schluss mit den Rufen „Rechts stehen. Auf der rechten Seite stehen“. Zum Abschluss sang Götz Alsmann eine Hymne auf die „Jungfrau Monasteria“ – zu sehen auf YouTube.

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Die letzte Chance, bei diesem außergewöhnlichen Theatererlebnis dabei zu sein, gibt es vom 24. November 17 Uhr bis 25. November 17 Uhr im Pumpenhaus, entweder als Gesamtpaket oder stückweise.

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