Uraufführung im Pumpenhaus: Label 33 zeigt „K“ von Kjersti A. Skomsvold Aufwärts Fallen ist möglich

Münster -

Sie hängt am Transfusionsständer und berichtet von ihrer Schwangerschaftsuntersuchung. Die Sonde tastet sich durch den Uterus, aber von einem Kind keine Spur. Und von einem Vater auch nicht. Der einzige Kandidat, der in Frage gekommen wäre, hat sich vom Balkon gestürzt. Eine Krankheit hatte die beiden einst zusammengeführt.

Von Helmut Jasny
Die Mathematikerin „K“ (Sarah Giese) muss sich mit Liebe und Verlust auseinandersetzen.
Die Mathematikerin „K“ (Sarah Giese) muss sich mit Liebe und Verlust auseinandersetzen. Foto: Martina Pott

Sie hängt am Transfusionsständer und berichtet von ihrer Schwangerschaftsuntersuchung. Die Sonde tastet sich durch den Uterus, aber von einem Kind keine Spur. Und von einem Vater auch nicht. Der einzige Kandidat, der in Frage gekommen wäre, hat sich vom Balkon gestürzt. Eine Krankheit hatte die beiden einst zusammengeführt. Bei ihr war es ein Schatten auf der Lunge, bei ihm ein Schatten auf dem Gemüt. Es sieht gerade nicht so gut aus für „K“, die Heldin aus dem Roman „33“ der norwegischen Autorin Kjersti A. Skomsvold.

Das neugegründete „Label 33“ hat aus dem Buch eine Solo-Performance gemacht, die am Donnerstag im Pumpenhaus uraufführt wurde. In der Titelrolle der K steht Sarah Giese auf der Bühne. In einer Kulisse aus Transfusionsständern durchpflügt sie die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin. Es geht um Liebe und Verlust, um das Leben und den Tod. Und um die Verwirrung, die all das im Kopf der Mathematikerin auslöst, die mit einem Buch bekannt geworden war, in dem sie beweist, dass aufwärts Fallen möglich ist.

Das von Sabeth Dannenberg und Jasper Schmitz inszenierte Stück zeichnet sich durch eine kluge Mischung aus Tragik und Komik aus. Giese hat als K wenig Erfreuliches zu berichten. Aber sie macht es mit eine Unbekümmertheit, die auf den Zuschauer trotz der düsteren Inhalte erfrischend wirkt. Ihr Spiel fängt vielfältige Stimmungen ein. Das reicht von Hysterie wegen des Selbstmordes ihres Geliebten bis hin zu mädchenhafter Koketterie, wenn sie bei einer Mathematiker-Konferenz hinter den Infusionsbeuteln hervorlinst und einen Kollegen abschätzt, ob er sich für einen One-Night-Stand eignet.

Kreativität legt die Gruppe auch beim Umgang mit den Requisiten an den Tag. Ein Weidenkorb wird erst zur Muschel, in der die Protagonistin Schutz vor der Welt sucht. Später dient er als Wiege, in der sie ein imaginäres Kind wiegt. Ein Blasebalg, den sie aus den Kulissen zieht, wird zu einem Hund an der Leine, dem sie den Namen „das Kind“ gibt und ihn dann wie ein Baby an die Brust drückt. In einer anderen Szene beobachtet sie das Publikum durch zwei Transfusionsbeutel, die an ihrem Kopf wie riesige Insekten-Augen wirken. Eine gelungene Inszenierung, originell in Szene gesetzt und charmant gespielt.

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