Knochenfunde in der Innenstadt Knochen und eine mysteriöse Grube

Münster -

Bei Bauarbeiten an der Ludgerikirche ist ein rund 800 Jahre alter Friedhof freigelegt worden. Auf die Experten wartete eine Überraschung – und ein geheimnisvolles Puzzlestück.

Von Björn Meyer
In diesem Knochenlager fanden die Archäologen etwa 130 Schädel. Schon im 16. Jahrhundert soll es auf dem Friedhof einen Platzmangel gegeben haben, aus diesem Grund wurden wohl auch die sogenannten Lager angelegt. Archäologen der Stadt haben die Funde nun genau dokumentiert.
In diesem Knochenlager fanden die Archäologen etwa 130 Schädel. Schon im 16. Jahrhundert soll es auf dem Friedhof einen Platzmangel gegeben haben, aus diesem Grund wurden wohl auch die sogenannten Lager angelegt. Archäologen der Stadt haben die Funde nun genau dokumentiert. Foto: Stadt Münster

An der Ludgerikirche werden derzeit Fernwärmeleitungen verlegt, die an die Königsstraße anschließen. Durch diese soll die Heizung der Kirche spätestens in zwei Wochen mit Wärme versorgt werden. Da aber nicht nur das Gebäude, sondern auch das gesamte Areal um die Kirche unter Denkmalschutz steht, sind im Vorfeld der Arbeiten archäologische Untersuchungen von der Stadt als Untere Denkmalbehörde vorgenommen worden. Und diese haben für die Experten Überraschendes ans Tageslicht gebracht.

Dort wo der Baugraben für die Rohre verläuft, befand sich seit Ende des 12. Jahrhunderts, also seit der Fertigstellung der Kirche, ein Friedhof. Über Jahrhunderte, bis er gegen Ende des 18. Jahrhunderts schließlich aufgegeben wurde. Dass die Archäologen auf Knochen stoßen würden, war daher kaum verwunderlich. „Wir waren aber erstaunt, wie dünn die Bodenschicht des Friedhofs ist“, sagt Dr. Aurelia Dickers von der städtischen Denkmalbehörde.

Abwägen von Aufwand und Ertrag

Was sich für den Laien zunächst enttäuschend anhört, ist für die Experten das genaue Gegenteil. „Dass die Schicht nur etwa 60 Zentimeter hoch ist, weist darauf hin, dass in der Vergangenheit bereits Boden abgetragen wurde“, sagt Dickers. Das führt dazu, dass bei den aktuellen Untersuchungen die älteste und damit laut Dickers auch interessante Schicht des Friedhofs ans Tageslicht befördert wurde.

„Erst dadurch war klar, dass sich die Untersuchungen auch wirklich lohnen“, sagt die seit 2001 bei der Stadt angestellte Dickers, die betont, dass solches Unterfangen immer ein Abwägen von Aufwand und Ertrag seien. In diesem Fall aber möchten die Archäologen mehr wissen. Anthropologische Untersuchungen der Knochen sollen folgen.

Knochen und andere Spuren

Das allerdings kann dauern, zumal die Archäologen nicht nur ein paar Knochen gefunden haben. Rund 50 Einzelgräber, dazu zwei sogenannte Knochenlager haben die Mitarbeiter der Stadt freigelegt. „Aus einem davon haben wir etwa 130 Individuen, also Schädel geborgen“, macht Dickers das Ausmaß des Fundes deutlich.

Doch nicht nur Knochen haben die Archäologen entdeckt, sondern auch andere Spuren. Gerade, dunkle Linien im Boden zeigen die Lage der Särge, viel interessanter ist für das Team aber eine tiefliegende, trapezförmige Spur. Das, so Dickers, sei mit ziemlicher Sicherheit eine Vorratsgrube, was anhand der Tiefe des Fundes auf eine frühere Besiedelung schließen lässt. Ob aus der Zeit der sächsischen Siedlung Mimigernaford (ab dem 6. Jahrhundert), aus der Phase der römischen Kaiserzeit oder sogar aus der Eisenzeit, also vor Christi Geburt, das kann Aurelia Dickers nicht sagen.

Nur ein Puzzlestück

Gleichwohl habe man neben der Grube offenbar auch den Standort eines Grubenhauses ausfindig gemacht. Häufig seien die Gebäude zur Textilherstellung gewesen, erklärt Dickers. Doch Näheres wird man dazu erstmal nicht herausfinden: „Es ist nur ein Puzzlestück. Für alles weitere müssen wir dann auf Untersuchungen im Zuge zukünftiger Arbeiten hoffen.“

Bis dahin geht es nur um die gefundenen Knochen. Deren Zustand, so Dickers, sei überwiegend mittelmäßig, was letztlich eine Folge des offenbar Kalk entziehenden Bodens sei. Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, werden die sterblichen Überreste von der Pfarrgemeinde St. Lamberti in geweihter Erde bestattet.

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