Bestattungskultur im Wandel Immer mehr Urnenbeisetzungen

Münster -

Die traditionellen Erdbestattungen gehen auf dem Zentralfriedhof und auf dem Waldfriedhof Lauheide zurück. Urnenbestattungen nehmen dagegen erheblich zu.

Von Gabriele Hillmoth
Markus Kortewille freut sich, dass die Restaurierung des großen Sandsteinkreuzes auf dem Zentralfriedhof zu Allerheiligen abgeschlossen ist. Am Donnerstag soll das Kreuz zum ersten Mal angestrahlt werden.
Markus Kortewille freut sich, dass die Restaurierung des großen Sandsteinkreuzes auf dem Zentralfriedhof zu Allerheiligen abgeschlossen ist. Am Donnerstag soll das Kreuz zum ersten Mal angestrahlt werden. Foto: gh

Es gibt heute nicht mehr den einen Ort und auch nicht mehr die eine Art der Beerdigung. Sarg, Urne, See oder Friedwald, individuelle Trauerfeiern, mit oder ohne kirchlichen Beistand: Die Bestattungskultur ist vielfältig geworden. Das zeichnet sich sowohl auf dem kirchlichen Zentralfriedhof in Münster ab als auch auf dem Waldfriedhof Lauheide. Die traditionelle Erdbestattung rückt zunehmend in den Hintergrund, dafür wächst die Zahl der Urnenbestattungen in erheblichem Maße.

Die Formen des Abschieds verändern sich, stellt Markus Kortewille fest. Der 44-Jährige ist seit dem Sommer Geschäftsführer der Zentralen Friedhofskommission des Zentralfriedhofs mit seinen insgesamt 32 000 Grabstätten auf einer Fläche von rund 14 Hektar. Träger sind die Dom­pfarre, der Evangelische Kirchenkreis Münster sowie die Gemeinden Heilig Kreuz, St. Joseph, St. Lamberti, Liebfrauen Überwasser und St. Mauritz.

Mehr freie Plätze auf dem Zentralfriedhof

Kortewille und sein Team verzeichnen zunehmend mehr freie Plätze auf dem Zentralfriedhof. Umgekehrt stehen diese Flächen für Grün, für neue Gestaltungsformen und für Wege zur Verfügung. Den Besuchern des Friedhofs soll nach und nach der Zugang zu den Gräbern erleichtert werden. „Wo es geht, planen wir neue Wege“, zeigt Kortewille Pläne für mehr Mobilität auf dem Zentralfriedhof auf, der in der Vergangenheit für seine engen Wege zwischen den Grabstätten bekannt war.

Schon lange ist es her, dass sich Münsteraner aus den Innenstadtgemeinden eine Grabstätte auf dem Zentralfriedhof reservieren ließen. Gräber wurden früher auf dem Innenstadtfriedhof verkauft und vererbt. Dass die Verstorbenen nur in den jeweiligen Grabfeldern ihrer Gemeinden beigesetzt werden, gehöre ebenfalls der Vergangenheit an. Heute würden zwar im Vorerwerb optional Grabstätten erworben, sagt Kortewille, doch Plätze gebe es genug.

60 Prozent aller Bestattungen sind Urnenbeisetzungen

Was nicht zuletzt mit der Urnenkultur zu tun habe. Kortewille berichtet, dass heute 60 Prozent aller Bestattungen Urnenbeisetzungen sind. Die Tendenz sei steigend. Der Pflegebedarf der Gräber und die Folgekosten spielten bei der Entscheidung eine Rolle, vermutet Kortewille. Etwas größer als auf den neueren Flächen ist nach Angaben der Verwaltung der Andrang auf dem historischen Teil des Zentralfriedhofs, wo sich noch viele Familiengrabstätten befinden. „Hier gibt es nur wenig freie Plätze.“

Anders als auf dem kommunalen Waldfriedhof Lauheide wird auf dem Zentralfriedhof kein Toter anonym beigesetzt. „Jeder Verstorbene hat das Recht auf seinen Namen“, betont Markus Kortewille. Ihm ist daran gelegen, mit jedem, der zu ihnen in die Beratung komme, „einen glücklichen Fleck für den verstorbenen Angehörigen zu finden“.

Pro Jahr rund 700 Bestattungen

Der Wandel in der Bestattungskultur zeichnet sich auch in der Grabgestaltung ab. Viele Menschen bevorzugten heute eine sachliche und schlichte Gestaltung der Gräber. Während auf dem Zentralfriedhof pro Jahr rund 700 Bestattungen durchgeführt werden, verzeichnet Felix Erhart, Betriebsleiter der sieben städtischen Friedhöfe, allein auf dem Waldfriedhof Lauheide 750 Bestattungen.

Der 32-Jährige begrüßt es, dass sich Menschen heute zu Lebzeiten mit dem Tod auseinandersetzten: „Man muss lernen, damit umzugehen.“ Ganz im Gegensatz zum Zentralfriedhof sind auf Lauheide 17 Grabarten zu finden, angefangen vom Baumurnengrab bis zum Aschestreufeld.

Knapp 75 Prozent aller Bestattungen auf dem Waldfriedhof sind Urnenbestattungen. Vor vier Jahren lag die Zahl bei 67 Prozent. Die Tendenz gehe auch in Lauheide zu kleineren Gräbern. Erhart ist überzeugt, dass trotz der Freiflächen der Platz benötigt werde. Er verweist auf die wachsende Stadt Münster und die damit höhere Zahl der Sterbefälle.

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