Investor informiert über Hansator Vorzeigeprojekt erntet wenig Sympathie

Münster -

Der Investor Landmarken AG hat im Rahmen einer Informationsveranstaltung sein Projekt Hansator vorgestellt. Der Komplex, der auf der Ostseite des Hauptbahnhofs entstehen soll, erntete jedoch nur wenig Sympathie.

Von Martin Kalitschke
„Hansator“ heißt der Komplex, den die Landmarken AG auf der Hauptbahnhof-Ostseite errichten wird. Rechts befindet sich der Bremer Platz. Im Sommer 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
„Hansator“ heißt der Komplex, den die Landmarken AG auf der Hauptbahnhof-Ostseite errichten wird. Rechts befindet sich der Bremer Platz. Im Sommer 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Foto: Landmarken AG

Mit einer solchen Reaktion haben die Vertreter des Investors Landmarken AG wohl kaum gerechnet. Als sie am Montagabend in der Montessori-Schule ihr Projekt „Hansator“ vorstellen, gibt es nur ein Mal spontanen Beifall – als einer der rund 70 Teilnehmer fordert, dass dort 6000 statt der geplanten rund 2700 Fahrradstellplätze geschaffen werden sollten.

Ansonsten stößt hier die millionenschwere Bebauung der Ostseite des Hauptbahnhofs auf wenig Sympathie, die Landmarken-Vertreter müssen sich einer kritischen Frage nach der nächsten stellen.

Bis Sommer 2021 sollen in Sichtweite des Bremer Platzes ein Hotel mit 195 Betten, 306 kleine Apartments, 2200 Quadratmeter Handel und Gastronomie, eine Radstation sowie eine Tiefgarage für 100 Pkw entstehen.

Ungewisse Verkehrsentwicklung

„100 Pkw-Stellplätze für ein Hotel und 300 Wohnungen, wie passt das zusammen?“, wollen gleich mehrere Teilnehmer wissen – schließlich sei der Parkdruck im Quartier schon jetzt gewaltig. Christian Hehemann und Jan Grzesik von Landmarken zeigen sich überzeugt, dass das Stellplatzangebot ausreichen wird, „in den Apartments werden viele Studenten und Pendler wohnen, von denen ein Großteil mit der Bahn anreist“. Im übrigen habe das Unternehmen damit die Vorgaben erfüllt.

Eine weitere Sorge mehrerer Anlieger: Wie wird sich der Verkehr entwickeln? Hehemann betont, dass das Hansator kein zweites Hafencenter werden soll, niemand hier für Wochenendeinkäufe hinfahren werde. Mit Gelächter wird seine Anmerkung quittiert, dass vor dem Hansator, wie schon jetzt, nur Tempo 30 gefahren werden darf. „Da hält sich heute niemand dran“, ruft ein Teilnehmer. „Dafür können sie doch nicht uns verantwortlich machen“, entgegnet Hehemann.

Angebot von 2700 Fahrradstellplätzen

Mehrere Teilnehmer befürchten, dass sich mit dem Hansator das Fahrradaufkommen auf der Ostseite deutlich erhöhen wird. Hehemann verweist auf 2700 Fahrradstellplätze, die entstehen werden – 2100 in der Radstation, 600 weitere in der Nähe. „Nennen sie mir ein privates Gebäude im Bahnhofsviertel, das so viele Fahrradstellplätze anbietet“, sagt er und ergänzt: „Wir können nicht alle Probleme im Bahnhofsviertel auf unserer Parzelle lösen.“

Das ist der Moment, in dem eine Teilnehmerin für ihren Vorschlag, ein Fahrradparkhaus mit 6000 Stellplätzen zu bauen, Szenenapplaus bekommt.

Weitere Fragen der Anlieger: „Wird der Nordtunnel für Fußgänger geöffnet?“ Eine Lösung sei in Arbeit, sagt Hehemann. – „Bitte die Drogenszene nicht verdrängen.“ Das liege nicht in den Händen des Investors, sondern der Stadt. – „Wie teuer werden die Apartment-Mieten?“ Das stehe noch nicht fest. – Vielleicht einer der schwersten Vorwürfe einer Anliegerin: „Sie schaffen hier etwas, das niemand von uns nutzen wird.“

Kommentar: Kein Vertrauensvorschuss

Es ist erstaunlich, dass das Hansator bei vielen Anliegern auf wenig Gegenliebe stößt – ein Projekt, das eine große Chance für ein Quartier bedeutet, in dem die soziale Kontrolle zuletzt immer mehr verloren ging. Doch daran mögen viele in der Nachbarschaft nicht glauben – im Gegenteil: Sie befürchten, dass sich Probleme, die es schon lange gibt, noch verschärfen werden: Parkdruck, Fahrradchaos, Verkehr, „Szene“. Dass ein Investor, der noch nicht einmal damit begonnen hat, die Baugrube auszuheben, zur Zielscheibe der Kritik wird, zeigt, wie sehr viele Anlieger den Glauben an eine wirkliche Verbesserung der Situation verloren haben.

Die Landmarken AG ist der letzte, der für die aktuelle Situation verantwortlich ist. Doch viele Anlieger scheinen nicht bereit zu sein, dem Investor einen Vertrauensvorschuss zu geben – und nehmen ihn bereits jetzt in Geiselhaft für Versäumnisse der vergangenen Jahre. Das Hansator, so scheint es, wird es nicht leicht haben.

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