Investor informiert über Hansator
Vorzeigeprojekt erntet wenig Sympathie

Münster -

Der Investor Landmarken AG hat im Rahmen einer Informationsveranstaltung sein Projekt Hansator vorgestellt. Der Komplex, der auf der Ostseite des Hauptbahnhofs entstehen soll, erntete jedoch nur wenig Sympathie.

Mittwoch, 31.10.2018, 06:55 Uhr aktualisiert: 31.10.2018, 15:16 Uhr
„Hansator“ heißt der Komplex, den die Landmarken AG auf der Hauptbahnhof-Ostseite errichten wird. Rechts befindet sich der Bremer Platz. Im Sommer 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Foto: Landmarken AG

Mit einer solchen Reaktion haben die Vertreter des Investors Landmarken AG wohl kaum gerechnet. Als sie am Montagabend in der Montessori-Schule ihr Projekt „Hansator“ vorstellen, gibt es nur ein Mal spontanen Beifall – als einer der rund 70 Teilnehmer fordert, dass dort 6000 statt der geplanten rund 2700 Fahrradstellplätze geschaffen werden sollten.

Ansonsten stößt hier die millionenschwere Bebauung der Ostseite des Hauptbahnhofs auf wenig Sympathie, die Landmarken-Vertreter müssen sich einer kritischen Frage nach der nächsten stellen.

Bis Sommer 2021 sollen in Sichtweite des Bremer Platzes ein Hotel mit 195 Betten, 306 kleine Apartments, 2200 Quadratmeter Handel und Gastronomie, eine Radstation sowie eine Tiefgarage für 100 Pkw entstehen.

Ungewisse Verkehrsentwicklung

„100 Pkw-Stellplätze für ein Hotel und 300 Wohnungen, wie passt das zusammen?“, wollen gleich mehrere Teilnehmer wissen – schließlich sei der Parkdruck im Quartier schon jetzt gewaltig. Christian Hehemann und Jan Grzesik von Landmarken zeigen sich überzeugt, dass das Stellplatzangebot ausreichen wird, „in den Apartments werden viele Studenten und Pendler wohnen, von denen ein Großteil mit der Bahn anreist“. Im übrigen habe das Unternehmen damit die Vorgaben erfüllt.

Eine weitere Sorge mehrerer Anlieger: Wie wird sich der Verkehr entwickeln? Hehemann betont, dass das Hansator kein zweites Hafencenter werden soll, niemand hier für Wochenendeinkäufe hinfahren werde. Mit Gelächter wird seine Anmerkung quittiert, dass vor dem Hansator, wie schon jetzt, nur Tempo 30 gefahren werden darf. „Da hält sich heute niemand dran“, ruft ein Teilnehmer. „Dafür können sie doch nicht uns verantwortlich machen“, entgegnet Hehemann.

Abriss und Neubau: Arbeitsphasen am Hauptbahnhof

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    Die Zeit für das alte Bahnhofsgebäude war abgelaufen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Blick auf die Außenfassade des alten Empfangsgebäudes.

    Foto: Matthias Ahlke
  • In der Eingangshalle standen Verkaufsstände...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...das triste Gebäude hatte ausgedient.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Bereits 2013 wurde mit den ersten Abrissarbeiten auf der Rückseite des Hauptbahnhofes begonnen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Ausgang war somit fortan gesperrt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 2014 waren die Geschäfte im Bahnhofsinneren leer.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Diese Aufnahme aus dem Januar 2015 zeigt das noch stehende alte Empfangsgebäude sowie die Abrissarbeiten auf der Vorderseite des Hauptbahnhofes.

    Foto: Oliver Werner
  • Dieses Bild zeigt den ehemaligen Seiteneingang auf der Bahnhofsvorderseite - kurz vor dem Abriss.

    Foto: Oliver Werner
  • Anfang März erinnerte nur noch die alte Glasfassade in Blickrichtung der Gleise an das alte Empfangsgebäude.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Derweil gingen 2015 die Abrissarbeiten an der Bahnhofsstraße weiter. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Anfang vom Ende des alten Empfangsgebäudes: Abrissbeginn im Januar 2015.

    Foto: Oliver Werner
  • Es folgen Impressionen der Abriss- und Neubauphasen: hier aus dem März 2015.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Mai 2015 konnte man nur erahnen, wie der neue Bahnhof aussehen würde.

    Foto: Oliver Werner
  • Das Luftbild aus dem September 2015 zeigt die großen Kräne, die für die Bauarbeiten auf dem Gelände standen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein weiteres Luftbild aus dem September 2015.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Während im September 2015 gebaut wurde, mussten die Bahnreisenden durch den Hamburger Tunnel zu den Gleisen gelangen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Arbeiten an der Bodenplatte im Oktober 2015.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im November 2015 schaut sich ein Bauarbeiter die Baustelle aus erhöhter Position an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Fußgängerampel sorgte im November 2015 dafür, dass die Fußgänger geradewegs zum Hamburger Tunnel kommen konnten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Dezember 2015 waren erste Teile des neuen Bahnhofs bereits als solche erkennbar.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das schlechte Wetter im Dezember 2015 hielt die Bauarbeiter nicht davon ab, täglich voranzukommen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Rohbau nahm im Februar 2016 bereits deutlich Gestalt an.

    Foto: Oliver Werner
  • Hunderte Stützen sorgten im März 2016 für die nötige Stabilität.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Während am Bahnhofsgebäude weiter gebaut wurde, nahm das Leben auf der Bahnhofsstraße seinen gewohnten Gang.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine Gesamtübersicht über die Baustelle im März 2016.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch von den Gleisen hinter dem neuen Gebäude hatten Kunden der Deutschen Bahn im März 2016 bereits einen guten Blick auf die Bauarbeiten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Richtfest wurde im Juli 2016 gefeiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein großer Kranz wurde traditionsgemäß auf das Dach des Gebäudes gehievt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der bretterzaun an der Rückeseite verdeckt im September 2016 längst nicht mehr den Blick auf die Baustelle.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im September 2016 ist vor der Baustelle wieder genug Platz für Fußgänger, um den Neubau zu passieren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im September 2016 war bereits die Höhe des künftiges Bahnhofgebäudes ersichtlich.

    Foto: Oliver Werner
  • Wo normalerweise reger Durchgangsverkehr herrscht, ist im Oktober 2016 noch immer der Durchgang versperrt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auf der Frontseite zeigt ein Plakat im Oktober 2016 bereits, wie der Bahnhof bei seiner Fertigstellung aussieht.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Baustützen dominieren auch im November 2016 den Blick ins Innere des Neubaus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Januar 2017 geht es von den Gleisen nur in eine Richtung - nämlich zum Bremer Platz.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Januar 2017 ist die Fassade zu den Gleisen bereits fertig.

    Foto: Oliver Werner
  • Klare Linien und die Glaselemente sorgen für einen Vorgeschmack auf die Frontseite.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Inneren sind im März 2017 die Baustützen weitesgehend verschwunden. Die Geländer im ersten Stock sind bereits montiert.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Innenausbau schreitet schnell voran. Der Eröffnungstermin Ende Juni gerät fest in den Blick.

    Foto: Oliver Werner
  • In den oberen Etagen des Bahnhofs sind Büroflächen untergebracht.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Glasfront des neuen Bahnhofs ist im Mai 2017 erstmals in voller Pracht zu bewundern.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Supermarkt und mehrere Fastfood-Restaurants sind in das neue Bahnhofsgebäude eingezogen.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Luftbild aus dem Mai 2017.

    Foto: Oliver Werner
  • Und obwohl der Bau von außen betrachtet bereits fertig erscheint, müssen die Bahn-Kunden noch immer durch den Hamburger Tunnel zu den Gleisen gelangen.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Juni 2017 ist die Vorfreude besonders bei Pendlern groß, endlich wieder den Bahnhof durch den Haupteingang verlassen zu können.

    Foto: Oliver Werner
  • Kurz vor der Eröffnung wird am 22. Juni in der neuen Empfangshalle noch fleißig gearbeitet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Fahrkartenautomaten werden eingerichtet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am 24. Juni 2017 ist es so weit: Das neue Empfangsgebäude des Hauptbahnhofs Münster öffnet seine Tore.

    Foto: Oliver Werner
  • Fahrgäste kommen jetzt wieder zu Fuß von der Innenstadt zu den Gleisen, ohne den Umweg über den Hamburger Tunnel nehmen zu müssen.

    Foto: Oliver Werner
  • Blick vom Obergeschoss in die neue Ladenzeile im Hauptbahnhof.

    Foto: Oliver Werner
  • Die neue Empfangshalle ist lichtdurchflutet. Links die Anzeigetafel für die Züge, rechts sind Infotafeln zu den Bus-Abfahrten angebracht.

    Foto: Oliver Werner

Angebot von 2700 Fahrradstellplätzen

Mehrere Teilnehmer befürchten, dass sich mit dem Hansator das Fahrradaufkommen auf der Ostseite deutlich erhöhen wird. Hehemann verweist auf 2700 Fahrradstellplätze, die entstehen werden – 2100 in der Radstation, 600 weitere in der Nähe. „Nennen sie mir ein privates Gebäude im Bahnhofsviertel, das so viele Fahrradstellplätze anbietet“, sagt er und ergänzt: „Wir können nicht alle Probleme im Bahnhofsviertel auf unserer Parzelle lösen.“

Das ist der Moment, in dem eine Teilnehmerin für ihren Vorschlag, ein Fahrradparkhaus mit 6000 Stellplätzen zu bauen, Szenenapplaus bekommt.

Weitere Fragen der Anlieger: „Wird der Nordtunnel für Fußgänger geöffnet?“ Eine Lösung sei in Arbeit, sagt Hehemann. – „Bitte die Drogenszene nicht verdrängen.“ Das liege nicht in den Händen des Investors, sondern der Stadt. – „Wie teuer werden die Apartment-Mieten?“ Das stehe noch nicht fest. – Vielleicht einer der schwersten Vorwürfe einer Anliegerin: „Sie schaffen hier etwas, das niemand von uns nutzen wird.“

Kommentar: Kein Vertrauensvorschuss

Es ist erstaunlich, dass das Hansator bei vielen Anliegern auf wenig Gegenliebe stößt – ein Projekt, das eine große Chance für ein Quartier bedeutet, in dem die soziale Kontrolle zuletzt immer mehr verloren ging. Doch daran mögen viele in der Nachbarschaft nicht glauben – im Gegenteil: Sie befürchten, dass sich Probleme, die es schon lange gibt, noch verschärfen werden: Parkdruck, Fahrradchaos, Verkehr, „Szene“. Dass ein Investor, der noch nicht einmal damit begonnen hat, die Baugrube auszuheben, zur Zielscheibe der Kritik wird, zeigt, wie sehr viele Anlieger den Glauben an eine wirkliche Verbesserung der Situation verloren haben.

Die Landmarken AG ist der letzte, der für die aktuelle Situation verantwortlich ist. Doch viele Anlieger scheinen nicht bereit zu sein, dem Investor einen Vertrauensvorschuss zu geben – und nehmen ihn bereits jetzt in Geiselhaft für Versäumnisse der vergangenen Jahre. Das Hansator, so scheint es, wird es nicht leicht haben.

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