Mietervereine beleben alte Diskussion Neuer Stadtteil für Münster?

Münster -

Braucht Münster einen neuen Stadtteil? Über diese Frage wird im Rathaus seit 30 Jahren diskutiert. Jetzt steht die Frage erneut auf der Tagesordnung.

Von Klaus Baumeister
Ganz oben auf der Liste denkbarer neuer Wohnquartiere steht für CDU und Grüne das Areal entlang der Steinfurter Straße (oben im Bild). Zur besseren Orientierung: Rechts ist die Austermannstraße zu sehen.
Ganz oben auf der Liste denkbarer neuer Wohnquartiere steht für CDU und Grüne das Areal entlang der Steinfurter Straße (oben im Bild). Zur besseren Orientierung: Rechts ist die Austermannstraße zu sehen. Foto: Matthias Ahlke

Braucht Münster einen neuen Stadtteil? Über diese Frage wird im Rathaus seit 30 Jahren diskutiert. Einst sollte es die Bauerschaft Häger im Norden der Stadt treffen, jetzt ist von einem riesigen Neubauquartier an der Steinfurter Straße die Rede. Aus Häger ist nie etwas geworden, die Steinfurter Straße ist bislang nicht über den Status einer Option für die Zeit ab Mitte des kommenden Jahrzehnts hinausgekommen.

Jetzt aber machen die Mietervereine Druck. Unter Hinweis auf die katastrophale Wohnungssituation in Münster haben sie eine neue Diskussionsrunde eröffnet: Sie fordern einen neuen Stadtteil, weil sich ohne ihn der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum nicht decken lasse.

Ruf nach neuem Stadtteil

Bei dem SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung stoßen sie damit auf offene Ohren. Die bisherigen Konzepte der Stadt, „die vor allem auf Nachverdichtung und Konversion“ setze, reichen nicht, so Jungs Analyse. Das Baulandprogramm sei „vage und unsicher“, die Nachverdichtungsprojekte seien überwiegend auf „hochpreisige Wohnungen“ ausgerichtet.

Der Linke Rüdiger Sagel fordert sogar ausdrücklich „einen neuen Stadtteil“. Besonders beim Bau von Sozialwohnungen hinke die Stadt hinterher. Nur wenn die Vorgabe für die Neubautätigkeit auf 3000 Wohnungen im Jahr hochgeschraubt werde, gebe es eine Chance auf Entspannung.

Bestehende Infrastruktur nutzen

Der FDP-Ratsherr Jürgen Reuter plädiert alternativ für „großflächige Erweiterungen bestehender Stadtteile“. Dabei könne man die bestehende Infrastruktur nutzen und gewaltige Investitionen der Stadt vermeiden.

Deutlich zurückhaltender äußert sich der CDU-Fraktionschef Stefan Weber. Münster brauche keinen „Dichtestress und zubetonierte Landschaften“. Er verweist auf die beiden Kasernenprojekte in Gievenbeck und Gremmendorf, wo insgesamt 3000 Wohnungen entstehen sollen. „Zudem gibt es unsere Initiative, ein weiteres neues Wohngebiet für 2500 Menschen möglicherweise an der Steinfurter Straße zu errichten.“ In der Tat gibt eine grundsätzliche Verständigung beider Bündnispartner in dieser Frage, was auch der grüne Fraktionschefgeschäftsführer Thomas Marczinkowski bestätigt.

„Faktisches Scheitern“

Zugleich weisen die Grünen aber auch auf den Bündnisvertrag mit der CDU hin, in dem festgelegt sei, dass man „durch städtebauliche Dichte und kompakte Strukturen“ den Flächenverbrauch minimieren und „eine zu große Inanspruchnahme des Freiraums“ vermeiden könne.

SPD-Fraktionschef Jung glaubt nicht daran, dass CDU und Grüne das Areal an der Steinfurter Straße entwickeln wollen. Jung spricht von einem „faktischen Scheitern“. Er erinnert an den Vorschlag der SPD, nach einem Umzug des SC Preußen das alte Stadiongelände an der Hammer Straße zum Wohnquartier zu machen.

Reaktionen auf Facebook zum neuen Stadtteil

Braucht Münster einen neuen Stadtteil? Darüber gehen die Meinungen auf der Facebook-Seite unserer Zeitung auseinander. „Noch mehr zubetonieren?“ fragt Isolde Metzroth. Auch Kevin Krips ist skeptisch: „Was geschieht mit dem Verkehrsaufkommen, wenn ein neuer Stadtteil hinzukäme?“ Bernd van Straelen merkt an: „Wer wird davon profitieren, solange der ganze Spaß in Händen von Investoren läge, die sowas nur mit Dividenden im Kopf realisieren würden?“ Nutzer Norb Bert meint: „Die Wohn- und Stadtbau könnte so etwas realisieren.“ Martin Schmedding kann sich durchaus einen neuen Stadtteil vorstellen: „Das ist eigentlich zu spät – aber dennoch unumgänglich“, meint der Facebook-Nutzer. 

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