Lesung im Skaters Palace Der Pfarrer als Drogenkurier

Münster -

Abgestürzt und wieder aufgestanden: Im Skaters Palace erzählte der Ex-Junkie „$ick“ die bewegende Geschichte seines Lebens zwischen Sucht und Kriminalität. Und davon, wie man Drogen am besten ins Gefängnis bekommt.

Von Maximilian Konrad
Der Ex-Junkie $ick erzählte im Skaters Palace seine spannende Lebensgeschichte.
Der Ex-Junkie $ick erzählte im Skaters Palace seine spannende Lebensgeschichte. Foto: Maximilian Konrad

Der Sessel wurde immer größer. Die Filmsequenz, die eigentlich nur wenige Sekunden dauert, kommt ihm ewig vor, und sprechen geht gar nicht mehr: Mit diesen Worten beschrieb $ick, so der Künstlername des Ex-Junkies und Buchautoren, seine erste Einnahme von LSD. Mit viel Mimik und Gestik performte der ehemalige Drogenabhängige am Dienstagabend auf der Bühne des Skaters Palace, berichtete schonungslos aus seinem Leben als krimineller Heroin-Abhängiger und präsentierte dabei Storys aus seinem Buch „Shore, Stein, Papier“.

„Shore“ ist der Szene-Name für Heroin, „Stein“ ist Koks und „Papier“ meint Geld. Das meist junge Publikum war begeistert von den Ausführungen – der 45-Jährige kam mit seiner authentischen Art gut an.

Der Abend begann eindrucksvoll: Sehr detailliert wurde ein Drogenrausch aus dem Jahr 1995 als akustischer Einspieler beschrieben, die Bühne war verdunkelt und im Hintergrund lief ein düsteres Video. Die Sequenz endete mit der Festnahme durch die Polizei und den Worten „Die Verhaftung rettete mir das Leben.“ Von dort an präsentierte $ick Teile aus seinem Buch. Und das sehr anschaulich.

Per YouTube zur Berühmtheit

Dabei las er nur zwei Mal Passagen vor, die restliche Zeit inszenierte der YouTube-Star sich selbst. Durch seine Aufnahmen im Videoportal gelangte der 45-Jährige zur Berühmtheit – insgesamt drehte er 380 kleine Filme, die millionenfach geklickt wurden. Insgesamt wurde sein YouTube-Kanal 71,5 Millionen Mal aufgerufen. Für diese Arbeit erhielt er 2015 den Publikumspreis des Grimme-Online-Award.

Aber zurück auf die Bühne: Biografisch vorgehend schilderte der Ex-Häftling seine verschiedenen Stationen im Drogenmilieu. Mit positiver Ausstrahlung berichtete er unter anderem davon, wie er mit dem Kiffen anfing, über seine kriminellen Machenschaften und wie er seinem Spitznamen „Hebelmaestro“ bekam. Und auch darüber, wie im Gefängnis ein Pfarrer unfreiwillig zum Drogenkurier wurde.

Drogen im Kaffee versteckt

Der Pastor erhielt regelmäßig Sachspenden. $ick besorgte sich die private Adresse des Geistlichen. Der bekam große Päckchen nach Hause geliefert, die dann zum großen Teil mit Gaben, aber auch mit Drogen – versteckt im Kaffee – gefüllt waren. „Der Knast ist gar nicht so schlimm, wenn du was zum Kiffen hast“, fasste $ick diese Passage seines Lebens zusammen.

Im Jahr 2012 gelang dem Ex-Drogenabhängigen nach mehreren Therapien dann der Ausstieg. Gleichzeitig brachte ihm die Geburt seines Kindes eine neue Sichtweise auf das Leben. Sein Auftritt war unterhaltsam – und gleichzeitig eine eindrucksvolle Warnung.

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