„Chapeau Classique“-Reihe eröffnet Flirrendes Saxofon im Klassikkonzert

Münster -

Das Saxofon legt beim Scherzo mit Leichtigkeit ein Tempo vor, das jeden Oboisten staunen lässt. Kein Wunder, denn die hübsche Oboen-Sonate von Francis Poulenc ist für den Saxofonisten Koryun Asatryan spieltechnisch nur ein klangvolles, mit eingängigen Kantilenen gespicktes, Stück zum Aufwärmen.

Von Heike Eickhoff
Koryun Asatryan (l.) und Julia Golkhovaya (r.) eröffneten die Saison der „Chapeau Classique“-Konzerte.
Koryun Asatryan (l.) und Julia Golkhovaya (r.) eröffneten die Saison der „Chapeau Classique“-Konzerte. Foto: Heike Eickhoff

Saxofone sind bautechnisch bedingt immer schneller als Oboen, und Asatryan ist zudem ein besonders flotter, sauberer Techniker und überzeugender Musiker. Vielleicht auch deshalb ist er mit nur 33 Jahren schon Professor für Saxofon an der Hochschule für Musik und Theater München. Asatryan gewann bereits viele Preise (2008 in Münster den Internationalen Holzbläserwettbewerb „hülsta woodwinds“), kann auf internationale Tourneen zurückblicken und spielte mit namhaften Kollegen.

Am Sonntag eröffnete er, gemeinsam mit Pianistin Julia Golkhovaya, die neue Spielzeit der Reihe „Chapeau Classique“ im ausverkauften Erbdrostenhof. Sieben Kammermusikkonzerte mit preisgekrönten jungen Künstlern werden bis April des kommenden Jahres wieder im Erbdrostenhof, in der NRW.Bank und der Provinzial angeboten, ausgerichtet von der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK).

Asatryan zauberte mit Alt- und Sopransaxofon hochvirtuose, sauber intonierte und perfekt artikulierte Musik in den barocken Saal des Erbdrostenhofs – am Klavier kraftvoll und virtuos begleitet.

Neuere französische Musik bildete den Schwerpunkt des Programms: Decruck, Poulenc und Milhaud waren dabei. Fulminant mit Doppeltrillern und Farbtrillern spielend kam Fuminori Tanadas Solowerk „Mysterious Morning III“ (1996) flirrend daher. Die Noten hatte Asatryan auf dem iPad, geblättert wurde en passant mit dem Fuß. Das komplette dynamische Spektrum des Saxofons, allerlei technische Gimmicks wie Flatterzunge und Mitsummen sowie herrlich heftig ausgeführte Akzente formten das unendliche Flirren. „Bei Mozart wollte man immer was Neues, heute will man Neue Musik nicht hören!“, kokettierte Asatryan vor diesem Werk. Der große Beifall der Zuhörer zeigte, dass er zumindest in der Reihe Chapeau Classique damit gewaltig irrt.

Pianistin Julia Golkhovaya durfte gegen Ende mit Debussys „L’Isle Joyeuse“ einmal allein agieren – agil, geläufig und kraftvoll zelebrierte sie ihren kleinen Soloauftritt.

Die hochvirtuosen Czardas Variationen von Pedro Iturralde gab es am Ende, halsbrecherisch schnell und technisch brillant.

Viel Beifall und eine folkloristisch anmutenden Zugabe beendeten das Konzert.

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