Ein neuer Platz am alten Ort
Neubau an der Salzstraße

Münster -

In unmittelbarer Nachbarschaft von Dominikanerkirche und Giebel entsteht im kommenden Jahr ein Neubau. Von einer Aufwertung an der Salzstraße spricht die Nachbarschaft.

Samstag, 06.10.2018, 11:00 Uhr aktualisiert: 06.10.2018, 11:32 Uhr
So soll es an der Salzstraße 9 im Jahr 2020 aussehen: Historische Formensprache in moderner Umsetzung verspricht der Entwurf. Foto: Architekten Pfeiffer,Ellermann,Preckel

Die Salzstraße verändert an markanter Stelle ihr Gesicht: Das Gebäude gegenüber dem Portal der Dominikanerkirche, das heute das Schuhgeschäft „Marcus“ beherbergt, weicht einem Neubau. Dieser orientiert sich in Material und Proportionen am benachbarten Dominikanergiebel.

Der Neubau soll dazu beitragen, die Platzsituation an dieser Stelle stärker hervorzuheben. Zugleich soll damit an die Vorkriegssituation angeknüpft werden. Geplant sind hier im Erdgeschoss Handel oder Restauration sowie Büros in den Obergeschossen. Baubeginn soll im April 2019 sein.

Bauherren sind keine Unbekannten

Als Bauherr tritt die in Münster keineswegs unbekannte Familie Lohmann auf, die in ihrer Heimatstadt bereits mit dem Neubau am Alten Fischmarkt und dem Umbau des früheren Dresdner-Bank-Gebäudes an der Königsstraße Leuchtturm-Projekte in Sachen hochwertige Baukunst realisiert hat.

Anfang des Jahres erwarben Lohmanns nach einem Bieterverfahren das Gebäude an der Salzstraße 9, wie es in einer Mitteilung des Architekturbüros Pfeiffer – Ellermann – Preckel heißt. In Zusammenarbeit mit diesem hat die Familie schon in der Vergangenheit ihre Neu- und Umbauten in der Altstadt umgesetzt.

Gerhard Richter überreicht der Stadt Münster sein Pendel-Kunstwerk

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    Ein Pendel für Münster: 48 Kilogramm wiegt das Foucaultsche Pendel aus Messing, das die Stadt von Künstler Gerhard Richter geschenkt bekommen hat.

    Foto: Oliver Werner
  • Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) freute sich am Samstag (16.6.) über das Geschenk und darüber, dass der weltbekannte Künstler Gerhard Richter persönlich zur Übergabe nach Münster kam. 

    Foto: Oliver Werner
  • Der Künstler Gerhard Richter erklärt Münsters Bürgermeister Markus Lewe (r.) sein Pendel.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Foto mit dem Kunst-Star: Gerhard Richter (Mitte) nahm sich viel Zeit für Gespräche und Fotos. 

    Foto: Oliver Werner
  • Gerhard Richter hat in der Kirche eine dunkle Bodenplatte verlegen lassen. Darüber wird das eigentliche Kunstwerk des Kölners schwingen: Ein 48 Kilogramm schweres Foucaultsches Pendel aus Messing, das an einem 29 Meter langen Seil hängt. Es zeigt mit seiner Bewegung die Erdrotation an. Vier sechs Meter hohe Glastafeln, die paarweise vor den Wänden angebracht sind, reflektieren die Bewegung des Pendels im Kirchenraum.

    Foto: Oliver Werner
  • Ab Sonntag (17.6., 11.30 Uhr) ist die Installation mit dem Titel „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“ in der Dominikanerkirche in der Stadtmitte allgemein zugänglich. Der Eintritt ist frei.

    Foto: Oliver Werner
  • Gute Laune: Einer der berühmtesten Künstler der Welt sorgte für einen veritablen Medienrummel in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner

Der städtische Planungsausschuss – wie zuvor schon der Gestaltungsbeirat – hat in dieser Woche den Plänen seine Zustimmung gegeben. Mit bis zu 14 Monaten Bauzeit rechnet Architekt Jörg Preckel. Wie er versichert, bleibt während dieser Zeit auch der Giebel-Durchgang frei passierbar.

Anschluss an Vorkriegszustand

Vor dem Krieg bildete das Gebäude an der Salzstraße 9, wo ab 1954 zunächst das Schuhhaus Düttmann ansässig war, zusammen mit dem Torhaus der Dominikaner und dem Giebel der Dominikanerkirche einen schlüssigen Vorplatz, heißt es. Durch die Zerstörungen blieben nach Preckels Angaben einzig der Giebeltorso und Restlücken des Klosters zurück, auf deren Parzelle heute die Julius-Voos-Gasse verläuft.

Mit Blick auf die nach Entwürfen des Architekten Lambert Friedrich Corfey erbaute Dominikanerkirche und das neuerdings dort in­stallierte Kunstwerk von Gerhard Richter sei es beim anstehenden Neubau nicht um einen architektonisch spektakulären Aufschlag gegangen. Vielmehr hieß der Leitsatz für Lohmanns und Planer: „Der Ort verpflichtet!“

"Gewinn für das Ortsbild"

Begeisterung herrscht bei der Kaufmannschaft der Salzstraße, die kürzlich für die neue Beleuchtung der Dominikanerkirche gesorgt hat. Die jetzigen Pläne bezeichnet Matthias Lückertz als „weitere Aufwertung“ des Viertels. „Wir freuen uns und unterstützen das sehr.“

Ähnliches Lob kommt aus der Politik: „Der Neubau wird ein Gewinn für das Ortsbild“, sagt etwa Frank Baumann, stellvertretender Vorsitzender des Planungsausschusses.  

Kommentar: Weniger kann mehr sein

Bodentiefe Fenster, gerahmt mit Naturstein wie er farblich stimmig mit dem Portal der Dominikanerkirche harmoniert; roter Ziegelstein wie er sich im benachbarten Giebel wiederfindet: Der Entwurf für das Eckgebäude Salzstraße 9 wirkt überzeugend. Und betont erkennbar den Platzcharakter der Durchgangsverbindung, welcher der frühere Planungsdezernent Hartwig Schultheiß zum Durchbruch verholfen hat.

Dass die Pläne für den Neubau an exponierter Stelle der Salzstraße quasi unbegleitet von Nebengeräuschen das Licht der Öffentlichkeit erreichen, spricht für sich. Dass die Bauherren bereits an anderer Stelle der Stadt markante Architektur realisiert haben, ebenfalls.

Der vorgelegte Entwurf in seiner Visualisierung macht jedenfalls deutlich, dass weniger auch mehr bedeuten kann. Im Verzicht darauf, sich gegenüber dem Portal der Dominikanerkirche hervorheben zu wollen, schaffen die Pläne vielmehr ein gelungenes Ensemble. Schließlich ist das bedeutende Richter-Kunstwerk in der Kirche eine neue und viel frequentierte Anlaufstelle. Und die bekommt nun einen klarer definierten Vorplatz.

- Dirk Anger

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