Erich Franz aus Münster bereitet Schau in Übersee maßgeblich mit vor August Macke erobert New York

Münster/New York -

Erich Franz, der langjährige stellvertretende Direktor des Westfälischen Landesmuseums in Münster und Experte für die Klassische Moderne, hat in den vergangenen Monaten an einem höchst spannenden Projekt gearbeitet. Erstmals – von einer kleinen Galerie abgesehen – stellt nun ein wichtiges Museum in den USA den aus Westfalen stammenden Maler August Macke in einer repräsentativen Ausstellung vor. Das Landesmuseum gibt dafür auch einige Leihgaben nach New York.

Von unserem Redaktionsmitglied Johannes Loy
Prof. Dr. Erich Franz, 20 Jahre lang stellvertretender Leiter des Westfälischen Landesmuseums in Münster, hat sich in seinem langen Berufsleben intensiv mit August Macke (kl. Bild, Selbstporträt im Landesmuseum) befasst.
Prof. Dr. Erich Franz, 20 Jahre lang stellvertretender Leiter des Westfälischen Landesmuseums in Münster, hat sich in seinem langen Berufsleben intensiv mit August Macke (kl. Bild, Selbstporträt im Landesmuseum) befasst. Foto: Jürgen Christ

Frauen mit Hüten vor Schaufenstern, malerische Landschaften und helle Häuser im Lichte des Mittelmeeres: Das sind die üblichen Vorstellungen, wenn der Kulturfreund den Namen August Macke hört und dabei sogleich an die „Tunisreise“ denkt. Doch Macke ist mehr. Er malte zugleich auch abstrakte Bilder und „befasste sich mit Wahrnehmungstheorien und Gestaltpsychologie“. Das weiß Dr. Erich Franz (74), der sich in seinem langen Berufsleben intensiv mit dem westfälischen Maler August Macke (1887-1914) beschäftigt, ja dessen Werk gedanklich und kunsthistorisch durchdrungen hat. Der langjährige stellvertretende Direktor des Westfälischen Landesmuseums in Münster und Experte für die Klassische Moderne hat in den vergangenen Monaten an einem höchst spannenden Projekt gearbeitet. Erstmals – von einer kleinen Galerie abgesehen – stellt nun ein wichtiges Museum in den USA den aus Westfalen stammenden Maler August Macke in einer repräsentativen Ausstellung vor und rückt ihn an die Seite seines bayerischen Zeit- und Leidensgenossen Franz Marc (1880-1916), der zwei Jahre nach Macke ebenfalls an der Westfront des Ersten Weltkrieges sein junges Leben lassen musste.

Die fünf ungemein produktiven Schaffensjahre von 1909 bis 1914 nimmt die „Neue Galerie“ an der Fifth Avenue in New York vom 3. Oktober bis zum 21. Januar 2019 in den Blick. Ein Haus, das seit Jahren Maler der deutschen und österreichischen Moderne von Gustav Klimt bis Otto Dix im Programm hat und auch über ein feines Café verfügt, „in dem es Sachertorte gibt“, schmunzelt Franz.

Vivian Barnett, die die Schau in New York kuratiert, fand in Dr. Erich Franz den kundigen Partner nicht nur für die Auswahl der Macke-Werke, sondern auch für einen profunden Katalogbeitrag, in dem Franz sein gesamtes Wissen über den westfälischen Maler einordnend zur Geltung bringen konnte.

30 Macke-Exponate wandern nun über den großen Teich nach New York, darunter Ölgemälde, Aquarelle und Skizzenblätter. Aus dem Westfälischen Landesmuseum sind dabei das Aquarell „Terrasse des Landhauses in St. Germain“ 1914, ferner das Bild „Farbige Formen II“ 1913-14 sowie das „Skizzenbuch 39“ des Malers, der aus Meschede im Sauerland stammte.

Warum „entdeckt“ Amerika Macke erst 100 Jahre nach seinem Tod? Das habe möglicherweise damit zu tun, meint Franz, dass man Macke ebenso wie Marc gerade in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg „nicht recht ernst“ genommen, sie gar als „Postkartenkünstler“ gering geschätzt habe. „Das Abstrakte galt als das Seriöse, vielleicht waren die bunten Werke der Künstler den US-Amerikanern einfach „zu gefällig“.

„In 20 Jahren am Landesmuseum wird man automatisch zum Macke-Spezialisten“, so blickt Franz nachdenklich auf seine Zeit am Haus am Domplatz zurück. Da sei ihm mit den Jahren immer mehr aufgegangen, dass „Macke auch in formaler Hinsicht ein moderner und experimenteller Maler war“. Franz deutet auf Katalogbilder und Skizzen, die zeigen, wie Macke mit geometrischen Formen experimentierte, mit Linien und optischen Elementen; wie er auch in den vermeintlich „gefälligen“ Bildern abstrakte Formen und Linien verwendete, die das Auge des Betrachters ganz unterschiedlich zu leiten und zu halten vermochten. „Ich habe schlüssig nachweisen können, dass Macke mit seinen abstrakten Experimenten seinen Schweizer Malerkollegen Paul Klee (dessen Schachbrettmuster von Macke als ,Plätzlimalerei‘ bezeichnet wurden) beeinflusst hat und nicht umgekehrt“, unterstreicht Erich Franz.

Der in Münster-Roxel lebende Kunsthistoriker ist ein vielbeschäftigter Mann. Vor wenigen Tagen noch wurde die Eröffnung des Böckstiegel-Museums in Werther gefeiert, wo Franz in der Stiftung verantwortlich mitwirkt. Und auch im Modersohn-Museum Tecklenburg ist er ein gern gesehener Experte und Kunsterklärer. Zur Ausstellung in New York wird er nicht fliegen, das sei zu aufwendig, sagt er. Aber die Schau kommt im Frühjahr 2019 (6. März bis 17. Juni) nach Paris ins dortige Musée de l’Orangerie. Dorthin will er natürlich reisen.

„Hätten die beiden jungen Künstler weitergelebt, dann hätte sich die Kunstgeschichte möglicherweise ganz anders entwickelt. Dann hätte es die forcierte Gegensätzlichkeit von ,abstrakt‘ und ,gegenständlich‘ vermutlich so nicht gegeben“, meint Erich Franz nachdenklich. 

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