75 Aussteller bei Ausbildungsmesse Vocatium Flüchtlinge als Pfleger – eine Frage großer Geduld

Münster -

Rund 2500 junge Leute haben sich bei der Vocatium, der Fachmesse für Ausbildung und Studium, einen Beratungstermin in der Halle Münsterland gesichert. In einer Diskussionsrunde warnten Experten zudem davor, den Fachkräftemangel in der Pflege vor allem durch Flüchtlinge zu beheben.

Von Karin Höller
Diskutierten über Bedarf an Pflegekräften und die Flüchtlingsproblematik (v.l.): Patricia Roes (Anne-Frank-Berufskolleg), Bürgermeisterin Karin Reismann, Tina Schäfermeyer (Institut für Talententwicklung IfT), Eva Prange (Hildegardisschule), Leyla Korkmaz (IfT), Sebastian Koppers (Caritasverband), Thomas van den Hooven (Pflegedirektor Uniklinikum) und Ursula Tenambergen (Anne-Frank-Berufskolleg).    Fotos: hö
Diskutierten über Bedarf an Pflegekräften und die Flüchtlingsproblematik (v.l.): Patricia Roes (Anne-Frank-Berufskolleg), Bürgermeisterin Karin Reismann, Tina Schäfermeyer (Institut für Talententwicklung IfT), Eva Prange (Hildegardisschule), Leyla Korkmaz (IfT), Sebastian Koppers (Caritasverband), Thomas van den Hooven (Pflegedirektor Uniklinikum) und Ursula Tenambergen (Anne-Frank-Berufskolleg).    Fotos: hö

Mit Flüchtlingen den großen Mangel an Pflegekräften in Deutschland zu beheben – diese aktuell heiß diskutierte Option sehen Experten mit Sorge, wie bei einer Diskussionsrunde zum Auftakt der Ausbildungsmesse Vocatium am Donnerstag in der Halle Münsterland deutlich wurde. Vor einer „Verwässerung von Berufsbildern warnten der Pflegedirektor des Universitätsklinikums, Thomas van den Hooven, und die Abteilungsleiterin der internationalen Förderklassen am Anne-Frank-Berufskolleg, Ursula Tenambergen.

Voraussetzung für eine Ausbildung zum Altenpfleger oder zum Gesundheits- und Krankenpfleger sei die Fachoberschulreife. Viele Flüchtlinge indes schafften vor allem aufgrund sprachlicher Probleme zunächst keinen qualifizierten Hauptschulabschluss, bedauert Ten­ambergen. Viele Schüler benötigten mehr Zeit und Ausbilder Geduld. Selbst jene Pflegekräfte, die das Uniklinikum über eine gezielte Auslandsakquise in Kolumbien, Brasilien und Vietnam gefunden habe, um rund 200 vakante Vollzeitstellen zu besetzen, so van den Hooven, „haben alle den Bachelor in der Pflege, benötigen aber trotzdem noch eineinhalb bis zwei Jahre, um sprachlich fit zu sein“.

Zudem seien viele Muslime aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds nicht in der Lage, bestimmte Pflegearbeiten zu übernehmen, stellt Patricia Roes als Fachlehrerin für Gesundheits- und Pflegewissenschaften am Anne-Frank-Berufskolleg fest. Das Problem: „Körperkontakt zwischen Männern und Frauen – Pflegern und Patientinnen“.

Pflegeberufe sind allerdings nur ein Teilaspekt, den die 78 Aussteller bei der Fachmesse rund um Ausbildung und Studium auch am heutigen Freitag bieten. Rund 2500 junge Leute haben im Vorfeld die Chance genutzt und individuelle Beratungsgespräche abgemacht. „Wir betreuen allein rund 50 Schulen im Münsterland“, erklärt Projektleiterin Leyla Korkmaz vom Messeveranstalter, dem Institut für Talententwicklung. Der Anteil der Abiturienten unter den Messebesuchern liege bei immerhin 57 Prozent.

Die Top vier der begehrtesten Ausbildungsberufe: Zollbeamter im Mittleren Dienst, Industriekaufmann/-frau, Polizist sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger. Als beliebteste Studiengänge nennt Korkmaz Psychologie, Lehramtsstudiengänge der Sekundarstufe II und duale Studiengänge bei Polizei und Zoll.

Danach scheint Neele Mahmens am Donnerstag eine typische Kandidatin am Messestand der Polizei zu sein. „Soziale Berufe interessieren mich“, sagt die 16-Jährige, die im kommenden Jahr ihr Abitur machen will. Bei der Ausbildungsmesse fährt sie mehrgleisig und hat Beratungsgespräche auch für eine Ausbildung beim Zoll und das Studium der Rechtswissenschaften abgemacht. „Ich erhoffe mir Informationen zum Bewerbungsverfahren und zu Aufstiegschancen“, sagt sie.

„Einige Schüler kommen direkt mit Bewerbungsmappen“, berichtet die Geschäftsführerin des Instituts für Talententwicklung, Tina Schäfermeyer. Aber auch für Schüler ohne feste Beratungstermine, lohne sich der Messebesuch, betont Korkmaz. „Die Chancen für alle Besucher sind gleich; und so kann sich aus einem guten Gespräch ein Ausbildungs- Praktikums- oder Studienplatz entwickeln.“

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