Strafprozess vor dem Landgericht Serien-Einbrecher finanzierte mit Beute-Erlösen seine Drogensucht

Münster -

17 Straftaten wirft die Staatsanwaltschaft dem Kanadier Christopher W. vor. Zwischen November 2017 und Januar 2018 soll er Schmuck, Bargeld und Elektrogeräte im Wert von rund 80.000 Euro gestohlen haben. Am Mittwoch begann der Prozess vor dem Landgericht Münster.

Von Melina Liethmann
Strafprozess vor dem Landgericht: Serien-Einbrecher finanzierte mit Beute-Erlösen seine Drogensucht
Der Angeklagte Christopher W. (l.) mit seinem Verteidiger. Foto: Melina Liethmann

Am Mittwochmorgen herrscht Verwirrung im Saal 11 des Landgerichts Münster. 15 Zeugen stehen im Raum und wollen aussagen. „Hat man Sie denn alle für 9 Uhr eingeladen?“, fragt der Richter. Es folgt einstimmiges bejahendes Gemurmel. „Da muss ein Fehler passiert sein, einige von Ihnen müssen erst in zwei Stunden aussagen.“ Der Raum leert sich wieder. Und sofort wird aus halb belustigter Verwirrung bitterer Ernst. 

Auf der Anklagebank sitzt Christopher W.. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 32-jährigen Kanadier vor, zwischen November 2017 und Januar 2018 zwölf vollendete und fünf versuchte Wohnungseinbruchsdiebstähle in Münster begangen zu haben. 

Dann beginnen die Anhörungen: Der erste Zeuge, Collin A., berichtet, wie im November 2017 Gegenstände im Wert von über 20.000 € aus seinem Haus gestohlen wurden. Und wie die Familie noch immer unter den psychischen Folgen des Einbruchs leide. Als er erzählt, wie sein Vater zwei Tage nach der Tat einen Herzinfarkt erlitt, versagt ihm die Stimme.

Beute im Gesamtwert von 80.000 Euro

Der Angeklagte W. kam im Oktober 2017 nach Münster, um seine damalige Freundin zu besuchen. Die beiden lernten sich kennen, als sie 2016 in Kanada arbeiteten. Insgesamt soll der Angeklagte Waren im Wert von rund 80.000 € erbeutet haben - meist Schmuck, Bargeld und Elektrogeräte, so der Richter. Nach den Einbrüchen soll der Angeklagte sofort zum Bremer Platz gegangen sein, um die Beute gegen Heroin zu tauschen.

Seit er zwölf Jahre alt war, kam der Angeklagte immer wieder mit Drogen in Kontakt. Seine Großeltern waren alkoholsüchtig, seine Mutter heroinabhängig. Wie er selbst. Schon in Kanada beging er mehrere Einbrüche und verbrachte insgesamt zwei Jahre im Gefängnis.

Seine Freundin wusste nach eigener Aussage weder von der Drogensucht noch von den vorgeworfenen Einbrüchen. Während der Taten war sie in der Uni oder arbeitete. Bevor er nach Deutschland kam, war der Angeklagte zwei Jahre drogenfrei. Bei allem, was der Richter über seine Vergangenheit sagt, nickt er.

"Ich brauche eine Therapie"

Der Angeklagte hofft nun, in einer Erziehungsanstalt unterzukommen. „Ich brauche eine Therapie“, sagt er am Ende der Auftaktverhandlung. In Kanada sei eine Therapie nie Gegenstand der Verhandlungen gewesen.

Ein Gutachter muss nun darüber entscheiden, ob die Drogensucht des Angeklagten sich schuldmildernd auswirken kann. Dass W. laut eigener Aussage gestohlen haben soll, um seine Sucht zu finanzieren, spreche dafür, erklärt der anwesende Gutachter.

Betroffene investieren in mehr Sicherheit

Die meisten Zeugen haben nach den Einbrüchen in bessere Sicherheitstechnik investiert. Susanne B. erklärt, einen Metallzaun um ihr Grundstück gebaut haben zu lassen, um den Zugang zu erschweren. Sabine S. und ihr Mann tauschten ihre Fenster gegen neue mit besserer Schließtechnik.

Ein Dreivierteljahr nach den Straftaten leiden die meisten Zeugen kaum noch unter den psychischen Folgen der Einbrüche. „Ich kontrolliere jetzt immer, ob alle Fenster zu sind. Aber ich habe kein grundsätzliches Unsicherheits- oder Angstgefühl“, sagt Sabine S..

Urteilsspruch am Freitag?

Am Freitag sollen die letzten Zeugen vernommen, die Plädoyers gehalten und eventuell ein Urteil gesprochen werden. Wohnungseinbruchsdiebstahl  wird laut Strafgesetzbuch mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft.

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