Prozessauftakt am Landgericht Marihuana-Handel vom Gefängnis aus

Münster -

Aus dem Gefängnis heraus soll ein 51-jähriger Münsteraner den Kauf von mindestens zehn Kilogramm Marihuana bei einem Dealer aus Stuttgart organisiert haben.

Von Klaus Möllers
 
  Foto: dpa

Die eine Strafe wegen Handels mit Marihuana war noch nicht abgesessen, da wurde eine neue bereits eingefädelt: Aus dem Offenen Vollzug heraus soll ein 51 Jahre alter Münsteraner den Kauf von mindestens zehn Kilogramm Marihuana bei einem Dealer aus Stuttgart organisiert haben. Straßenverkaufswert des Stoffs: über 30 000 Euro.

Zu der Zeit, im April 2017, saß der gebürtige Italiener eine Strafe von zwei Jahren und neun Monaten in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne ab, die ausgerechnet jener Richter verhängt hatte, der jetzt wieder wegen einer größeren Drogen-Sache gegen den Mann aus Kalabrien verhandelt.

Der 51-Jährige soll laut aktueller Anklage Kontakt zu dem Dealer aufgenommen und den Ankauf vereinbart haben. Daraufhin sei ein Mithäftling, ein Gescheraner (28), zum Abholen des „Grases“ nach Stuttgart gefahren – in Begleitung eines Gronauers (29), der wegen seiner stämmigen Figur Eindruck schinden und Begleitschutz darstellen sollte.

Mindestens 30 000 Euro, so verlas es der Staatsanwalt am Mittwoch beim Verhandlungsauftakt aus der Anklage, soll der Gescheraner durch den Verkauf des Stoffes eingenommen haben. An wen er ihn alles veräußerte, wissen die Ermittlungsbehörden nicht. Gegen den Stuttgarter Dealer ermittelt die Justiz separat. Der soll einen „schwungvollen Handel“ mit Drogen „im zweistelligen Kilo-Bereich“ betrieben haben, erklärte der Anklagevertreter. Vor dem Deal mit den Beschuldigten etwa habe er 18 Kilo Marihuana in Italien erworben.

Die drei Angeklagten sind allesamt vorbestraft. Zu seinem Lebenslauf sagte der 51-Jährige, dass er als Jugendlicher nach Münster gekommen sei, „um zu arbeiten“. Sein Onkel habe bereits „in einer Pizzeria“ gearbeitet und er selbst sei „als Tellerwäscher“ angefangen. Doch nach diversen Jobs als Pizzabäcker und in der Gastronomie sei er in den letzten Jahren arbeitslos gewesen.

Der Münsteraner verbüßte zuletzt eine Strafe wegen des Handels mit drei Kilo Marihuana. In seiner Wohnung nahe der Hammer Straße hatte er das „Gras“ an einen Mann verkauft, der es wiederum an jemandem weiterverkaufen wollte. Bei diesem Geschäft am Dortmund-Ems-Kanal dann hatte der Abnehmer den Zwischenhändler getötet und dessen Leiche im Kanal versenkt.

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