Johanniter sehen ambulante Pflege in Gefahr Wo Politik umdenken muss

Münster -

Vor allem in den Außenbereichen drohe in den kommenden Jahren ohne Umdenken ein Engpass, warnen die Johanniter in Münster.

Von Björn Meyer
Petra Bähr, Pflegedienstleitung der Ambulanten Pflege Münster Nord (l.), Annette König, Mitarbeiterin in der Ambulanten Pflege, sowie Udo Schröder-Hörster vom Regionalvorstand, werben für die Stärkung der ambulanten Pflege in weniger dicht besiedelten Bereichen.
Petra Bähr, Pflegedienstleitung der Ambulanten Pflege Münster Nord (l.), Annette König, Mitarbeiterin in der Ambulanten Pflege, sowie Udo Schröder-Hörster vom Regionalvorstand, werben für die Stärkung der ambulanten Pflege in weniger dicht besiedelten Bereichen. Foto: bm

„Ich hatte das Gefühl, er war selber überrascht, dass in seinem seitenlangen Positionspapier zur Pflege nur einmal das Wort ambulant vorkam“, sagt Petra Bähr, wenn sie auf den Besuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zurückblickt. Der hatte Mitte Juli die Johanniter in Münster besucht, wo Bähr als Pflegedienstleitung der Ambulanten Pflege Münster Nord arbeitet.

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Ambulante Pflege ist die tragende Säule im System.

Udo Schröder-Hörster, Regionalvorstand der Johanniter

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Ihr und auch anderen Johannitern zufolge spiegele sich genau darin das Problem wieder. Alles fokussiere sich derzeit auf die stationäre Pflege. Dabei würden 70 Prozent der Menschen mit Pflegeanspruch ambulant gepflegt: „Ambulante Pflege ist die tragende Säule im System“, sagt Udo Schröder-Hörster vom Regionalvorstand der Johanniter.

"Politischer Korrekturbedarf"

Doch diese Säule könnte laut Schröder-Hörster in den kommenden Jahren ins Wanken geraten. Vielleicht nicht überall, zumindest aber in den ländlichen Gebieten und auch in Vororten, so wie Münster sie hat. „Wir glauben, dass es da politischen Korrekturbedarf gibt“, sagt Schröder-Hörster. Zwar sei es richtig gewesen, dass man die ambulante Pflege lange Zeit dem freien Markt überlassen habe, weil dadurch viele Dienste entstanden sind, doch mittlerweile stehe man vor einer Kehrtwende.

"Politik muss nacharbeiten"

Auf einschlägigen Veranstaltungen höre man seit zwei oder drei Jahren immer wieder die Mahnungen externer Berater, sich aus den Außenbereichen zurückzuziehen. Weil es eben nicht so wirtschaftlich sei, einen oder zwei Leistungsbezieher pro Quadratkilometer zu versorgen anstatt mehrere Dutzend. „Politik“, da ist sich Schröder-Hörster sicher, „muss hier nacharbeiten.“

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Wenn wir das dem freien Markt überlassen, wird es schon bald Versorgungsengpässe geben.

Udo Schröder-Hörster, Regionalvorstand der Johanniter

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Denn die Johanniter wollen sich, entgegen manch privatem Anbieter, weder jetzt, noch auf lange Sicht aus den Außenbereichen zurückziehen. Im Gegenteil: „Wir wollen die ambulante Pflege dort weiter stärken“, sagt Schröder-Hörster, ergänzt auf Nachfrage aber, dass das eben nur möglich sei, wenn Politik einen Strukturwandel einleite. „Wenn wir das dem freien Markt überlassen, wird es schon bald Versorgungsengpässe geben“, prophezeit er.

Dabei spiele auch das notwendige Personal eine entscheidende Rolle. Die 8000 beziehungsweise 13 000 neu zu schaffenden Stellen, von denen immer zu lesen sei, würden sich alle auf die stationäre Pflege beziehen.

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