Thomas Perkmann ist neuer Chef der Westfalen AG Zuwachs für die Westfalen-Familie

Münster -

Manchmal treffen auch überstrapazierte Floskeln genau ins Schwarze. Am Donnerstag ging bei der Westfalen AG in Münster zweifelsohne eine Ära zu Ende – die Ära „Wolfgang Fritsch-Albert“.

Von Jürgen Stilling
Wechsel an der Spitze der Westfalen AG (von links): Wolfgang Fritsch-Albert, Torsten Jagdt, Renate Fritsch-Albert, Dr. Thomas Perkmann, Dr. Meike Schäffler und Reiner Ropohl.
Wechsel an der Spitze der Westfalen AG (von links): Wolfgang Fritsch-Albert, Torsten Jagdt, Renate Fritsch-Albert, Dr. Thomas Perkmann, Dr. Meike Schäffler und Reiner Ropohl. Foto: Gunnar A. Pier

Nach über 40 Jahren im Chefsessel des Gas- und Kraftstoff-Konzerns tritt der Eigentümer beim alltäglichen Geschäft in die zweite Reihe. Fritsch-Albert wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats, in dem seine Frau Renate schon länger einen Sitz hat. Das Tagesgeschäft überlässt das Ehepaar ab sofort Dr. Thomas Perkmann. Das hat es in der 95-jährige Geschichte des Unternehmens (1,7 Mrd. €  Umsatz; fast 1700 Mitarbeiter) noch nicht gegeben – ein Externer im Chefsessel des Familienbetriebs. „Der Neue musste zur Familie passen“, führte Fritsch-Albert gestern vor über 600 Mitarbeitern und Gästen in der Halle Münsterland als einen wichtigen Grund für die Wahl Perkmanns an.

Der neue Chef gab sich bescheiden: „Ich bin ab Montag der erste Diener der Westfalen AG“, sagte der 44-jährige gebürtige Südtiroler, der zuvor führende Positionen bei einem börsennotierten Familienunternehmen in Österreich innehatte. Dass Perkmann die Familie wichtig ist, wurde auch daran deutlich, dass er zur Amtsübergabe nicht nur seine Frau, sondern auch seine Mutter mitgebracht hatte.

Die Vorstellung des Neuen, dessen Name bis zum Schluss auch firmenintern unter Verschluss gehalten worden war, hatte die Mitarbeiter von der benachbarten Firmenzentrale in die Halle Münsterland gelockt – aber noch viel mehr der ­Abschied von Wolfgang Fritsch-Albert aus dem operativen Geschäft. Standing Ovations waren nur ein ­Signal dafür, wie stark sich Fritsch-Albert auch immer um die Belange „der Westfalen-Familie“ gekümmert hat.

Doch in den Ruhestand will Fritsch-Albert sich nicht wirklich verabschieden. „Kein Tankstellenpächter sollte sich wundern, wenn ich gelegentlich vorbeikomme und kontrolliere“, drohte der scheidende Firmenchef unter dem Gelächter der zuhörenden Mitarbeiter an.

In ihrer Laudatio lobte die münsterische Bundestags­abgeordnete Sybille Benning Fritsch-Albert als „ein herausragendes Beispiel für einen erfolgreichen mittelständischen Familienunternehmer im Münsterland“. Benning verwies auf die „beeindruckende Entwicklung“, die die Westfalen AG in den vergangenen Jahrzehnten unter der Ägide Fritsch-Alberts genommen habe.

Die Veranstaltung bekam eine melancholische Note, als Renate Fritsch-Albert beschrieb, wie sie und ihr Mann nach dem Tod des ­einzigen Sohnes im vergangenen Jahr eine Lösung für die Zukunft des Unternehmens finden mussten: „Die Liebe zu Alexander hat uns diese Kraft gegeben.“

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