Runder Tisch zum Aasee Fischsterben wird „extern“ aufgearbeitet

Münster -

25 Teilnehmer zählte der Runde Tisch, der sich am Mittwoch mit dem Fischsterben beschäftigte. Jetzt werden Gutachten vergeben.

Von Klaus Baumeister
Markus Lewe und Elisabeth Meyer stellten sich der Presse.
Markus Lewe und Elisabeth Meyer stellten sich der Presse. Foto: ah

Um das Fischsterben im Aasee aufzuarbeiten, wird die Stadt Münster „kurzfristig externe Fachgutachten in Auftrag geben“. Das erklärte Oberbürgermeister Markus Lewe, nachdem am Mittwochnachmittag erstmals der von ihm einberufene „Runde Tisch“ mit 25 Teilnehmern im Rathaus getagt hat.

Wie Lewe weiter erklärte, stehe die Stadtverwaltung unter anderem mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin sowie mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg in Kontakt.

Um eine Wiederholung der dramatischen Ereignisse vom 9. August zu verhindern, ist laut Lewe eine Mischung aus kurzfristigen und langfristigen Veränderungen geplant, die im Detail aber noch ausgearbeitet werden müssten. Zu den kurzfristigen Maßnahmen sollen ein intensiviertes Monitoring sowie eine Sauerstoffzufuhr in Krisensituationen gehören.

Auf Nachfrage erklärte Lewe, dass am Aasee sowohl das Umweltamt als auch das Tiefbauamt „involviert“ seien. Den Umstand, dass im Zentrum der öffentlichen Debatte bislang nur der Umweltdezernent Matthias Peck (und nicht der für das Tiefbauamt zuständige Stadtbaurat Robin Denstorff) stand, begründete Lewe damit, dass Peck in seiner Funktion als Leiter des Krisenstabs unmittelbar nach dem Fischsterben die Federführung übernommen habe. In der Verantwortung stehe „die ganze Verwaltung“, so Lewe weiter.

Bei einem Pressegespräch nach der Sitzung äußerte sich auch die Gewässerexpertin Prof. Elisabeth Meyer von der Uni Münster. Auf die Frage, ob es möglich gewesen wäre, das Fischsterben durch vorsorgliche Maßnahmen zu verhindern, reagierte sie zurückhaltend. Der Aasee sei „über Nacht gekippt“, da sei vermutlich keine Zeit geblieben zu reagieren.

Meyer sprach die Hoffnung aus, dass man im Gefolge dieses Fischsterbens nähere Erkenntnisse über die komplizierten ökologischen Vorgänge im Aasee gewinne. Sie könnten wiederum helfen, ähnliche Katastrophen in der Zukunft zu verhindern.

Zu der aktuell diskutierten Sauerstoffzufuhr sagte die Wissenschaftlerin, dass entsprechende Erfahrungswerte eher für tiefere Gewässer vorlägen. Bei einem künstlichen und flachen Gewässer wie dem Aasee müssen man die ökologischen Auswirkungen sicherlich näher prüfen.

Zu dem Runden Tisch waren unter anderem Vertreter der Stadtverwaltung, der Bezirksregierung, der Hochschulen, des Umweltforums sowie der Fischerei geladen.

Kommentar

Aufarbeitung des Fischsterbens: Externe müssen es richten

Ein Anfang ist gemacht. Externe Gutachter, unter anderem aus Berlin und Magdeburg, sollen helfen, die Gründe für das dramatische Fischsterben im Aasee aufzudröseln. Was auch immer bei der Ursachenforschung am Ende auf dem Zettel steht, Oberbürgermeister Markus Lewe ist gut beraten, den Externen freie Hand zu lassen. Das ist er der verunsicherten Bevölkerung schuldig. Ein Runder Tisch, bei dem die Stadt­verwaltung selbst zehn der 25 Teilnehmer stellt, wirkt da eher kontraproduktiv.

Richtig war es indes, dass Markus Lewe am Mittwoch von der Verantwortung der „ganzen Stadtverwaltung“ gesprochen hat. Es war nämlich schon auffällig in den vergangenen Wochen, dass die städtische Umwelt­verwaltung im Brennpunkt der Kontroverse stand, während kaum jemandem in Münster bekannt ist, dass die Verantwortung für das hochsensible Gewässer beim Tiefbauamt liegt. Gerade wenn es um die komplizierten Fragen einer möglichen Umgestaltung des Aasees geht, wird der bislang von öffentlicher Kritik verschont gebliebene Stadtbaurat Robin Denstorff liefern müssen.

Politisch, da darf man sich keiner Illusion hingeben, ist das Fischsterben noch nicht ausgestanden. Es besteht die latente Gefahr parteipolitischer Scharmützel. ­Verhindern kann man diese nur durch Vertrauen – ­Vertrauen in die externen Gutachter.

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