Gespräch mit Olaf Niepagenkemper vom Fischereiverband Der Aasee hat ganz viele Probleme

Münster -

In einem Punkt ist sich Dr. Olaf Niepagenkemper vom Landes-Fischereiverband Westfalen-Lippe ziemlich sicher: „Ein solches Fischsterben im Aasee werden wir nicht noch einmal erleben.“

Von Klaus Baumeister
Dr. Olaf Niepagenkemper 
Dr. Olaf Niepagenkemper  Foto: Matthias Ahlke

Nun – das geht (zumindest vorerst) auch nicht, weil die meisten Fische tot sind.

Niepagenkemper geht davon aus, dass es lange dauern wird, bis sich die Bestände wieder erholt haben. Doch ganz abgesehen davon ist sich der Fischerei-Experte auch sicher, dass die Stadt Münster künftig bei den ersten Anzeichen für eine Krise das Gewässer notfallmäßig mit Sauerstoff begasen werde.

Damit ist klar, dass dergleichen möglich ist – „am Möhnesee wird das seit Jahren gemacht“ –, zugleich schränkt Dr. Niepagenkemper aber auch ein, dass man damit die Symptome und nicht die Ursachen bekämpfe.

Klimawandel als große Ursache

Dass sich die Situation im Aasee in den vergangenen Wochen so dramatisch zuspitzen konnte, hat eine ganz große Ursache namens Klimawandel und viele kleine Ursachen, angefangen damit, dass der See an vielen Stellen nur 1,60 Meter tief ist.

„Es wird Strategien geben, aber sie werden Geld kosten“, sagt Niepagenkemper im Hinblick auf den Aasee und benennt zugleich die Hürde, vor der jede Form der Sanierung steht. Bei einer flächendeckenden Beseitigung der 30 bis 80 Zentimeter dicken Schlammschicht am Boden des Aasees etwa sei sicherlich ein „zweistelliger Millionenbetrag“ erforderlich. Der Schlamm dokumentiert den hohen Nährstoffeintrag in den See, hervorgerufen durch Laub, durch illegale Abwässereinleitungen, aber auch durch Gülle aus der Landwirtschaft, die über den Oberlauf der Aa in den Aasee gelangen.

Pflanzenwachstum im Aasee befürchtet

Trotz der seit Jahrzehnten bekannten ökologischen Probleme des Aasees galt er bei Anglern immer als ein sehr fischreiches Gewässer. Niepagenkempers Kollege Till Seume tritt einem Kritikpunkt entgegen, der im Zusammenhang mit der hektischen Ursachensuche für das Fischsterben auch schon genannt wurde, nämlich dass es zu viele Fische im Aasee gewesen sein sollen.

„Fische fressen Plankton“, erwidert Seume, ohne Fische könnte es zu einem unkontrollierten Pflanzenwachstum im See kommen.

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