Tiersterben im Aasee
Runder Tisch tagt noch im Sommer

Münster -

Etwa 50 tote Enten und Wasservögel sind bis Mittwochmittag am Aasee gefunden worden. Das Veterinäruntersuchungsamt fand Hinweise, dass die Tiere an Botulismus oder einer von Blaualgen verursachten Vergiftung gestorben sind. Der Runde Tisch zu den Ursachen soll noch im Sommer tagen.

Mittwoch, 15.08.2018, 21:00 Uhr aktualisiert: 16.08.2018, 08:25 Uhr
Der Aasee stabilisiert sich, sagt die Stadt. Am Dienstagabend hatte das Wasser einen deutlichen Sauerstoffüberschluss. Foto: Oliver Werner

Oberbürgermeister Markus Lewe plant nach dem Fischsterben im Aasee, einen Runden Tisch auch mit externen Experten aus dem Hochschulbereich direkt nach den Sommerferien einzuberufen. Das teilte er aus seinem Urlaub in den Alpen mit. Lewe möchte vor allem zwei bohrende Fragen klären lassen: Hätte die Öko-Katastrophe verhindert werden können, und was muss geschehen, damit sich ein solches Tiersterben nicht wiederholt?

Weitere tote Vögel und Fische gefunden

Das Ökosystem des Aasees stabilisiert sich langsam, teilt die Stadt mit. „Die Grünalgen im See sind teilweise zurück und produzieren tagsüber wieder Sauerstoff“, sagt Umweltdezernent Matthias Peck. Bei seiner täglichen Kontrollfahrt über den See fand das städtische Tiefbauamt am Mittwochmorgen weitere drei tote Wasservögel und noch 15 verendete Fische. Vier tote Vögel entdeckten Aktive des Vereins Tierretter. Insgesamt sind bis Mittwochmittag etwa 50 Enten und andere Wasservögel gefunden worden. Über 20 Tonnen tote Fische waren bereits geborgen worden.

Vergiftung durch Botulismus oder Blaualgen

Das Gesundheits- und Veterinäramt hat mehrere tote Vögel beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) untersuchen lassen. Dort fand man Hinweise, dass sie an Botulismus oder einer von Blaualgen verursachten Vergiftung gestorben seien. Das CVUA-MEL geht noch der Frage nach, ob eine Infektion als Ursache in Frage kommt.

Grüne und FDP im Clinsch

Derweil liegen sich FDP und Grüne in Sachen Aasee in den Haaren. Der grüne Vorstandssprecher Stephan Orth wirft den Liberalen vor, die Katastrophe politisch zu instrumentalisieren. Und das sei im höchsten Maße unanständig. „Dass sich ausgerechnet die FDP mit völlig unzureichenden Vorschlägen als Ökopartei profilieren will, grenzt mit der genannten Summe von 30.000 Euro ans Lächerliche“, so Orth. Bereits seit fast 20 Jahren, konkret seit 1999, gebe es Vorschläge, den Aasee aufzuwerten, was aus Kostengründen von allen politisch Verantwortlichen, insbesondere aber von der damals regierenden FDP mit der CDU, zurückgewiesen worden sei.

Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen

FDP-Parteichef Manuel Lascasas hatte vor dem Hintergrund, dass Münster erst vor wenigen Tagen mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden war, angeregt, dass Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro für Sofortmaßnahmen für den Aasee zu verwenden. Den grünen Umweltdezernenten Matthias Peck sieht Lascasas in der Pflicht, die Analysen und konkreten Handlungsansätze des städtischen Umweltamtes der letzten Wochen vor dem Umkippen des Aasees offenzulegen.

Reaktionen zum Aasee: Hafengeruch und Unverständnis

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  • Monika Hellers Arbeitsweg führt sie täglich am Aasee vorbei. Nachdem sie am Freitag die unzähligen toten Fische gesehen hat, ist sie nun verwundert: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht schon eher etwas passiert ist.“ In anderen Seen der Gegend seien Fische gerettet worden, doch „hier passierte nichts“, so Frau Hellers Einschätzung.

    Monika Hellers Arbeitsweg führt sie täglich am Aasee vorbei. Nachdem sie am Freitag die unzähligen toten Fische gesehen hat, ist sie nun verwundert: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht schon eher etwas passiert ist.“ In anderen Seen der Gegend seien Fische gerettet worden, doch „hier passierte nichts“, so Frau Hellers Einschätzung.

    Foto: Hannah Würsching
  • Birgitta Beerhorst geht regelmäßig mit ihrem Hund Gandhi am Aasee spazieren. Wie schlecht es um Münsters Stadtsee bestellt ist, macht sie traurig: „Mir tut der Aasee leid.“ Doch in die Trauer mischt sich auch Wut: „Die Stadtoberen lassen sich nichts einfallen zum See.“ Für die Hundehalterin ist der See ein Stück Natur, der gut behandelt werden müsse: „Wir sind alle aufgerufen, uns darum zu kümmern.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Student Kamill Wiczok besitzt einen Fischereischein. Er finde es bedrückend, zu wissen, dass ein Großteil der Fische aus dem Aasee jetzt tot sei. Zwar werde aktuell bei der Beseitigung der toten Tiere von der Feuerwehr gute Arbeit geleistet, aber ein früheres Einschreiten hätte das Szenario vielleicht verhindern können. „Das ist eine kleine Naturkatastrophe für Münster“, sagt er.

    Foto: Hannah Würsching
  • Robin Borkenhagen aus Münster war in den letzten Tagen häufiger am Ufer des Aasees unterwegs. Die toten Fische am Wochenende waren auch für ihn weder zu übersehen noch zu „überriechen“. „Das war ein penetranter Verwesungsgeruch und ein regelrechter Strand aus toten Fischen“, erzählt er. Er sei zwar kein Experte, aber er frage sich schon, warum vonseiten der Behörden nicht früher etwas unternommen wurde. „Man kann doch Wahrscheinlichkeiten heranziehen, wann so ein See kippt.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Für Margarete Schweter riecht der Aasee momentan nach Hafen: „fischig und modrig“. Der Gestank sei für sie jedoch das kleinere Übel. Dass mit dem heißen Sommer noch weitere Probleme wie das Fischsterben einhergingen, sei für sie absehbar gewesen. Man hätte früher etwas unternehmen müssen, sagt sie. „Die Politik zieht sich hier aus der Verantwortung.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Denise Rüller geht fast täglich um den Aasee herum spazieren. Für sie stinke es am See momentan „wie nach schlechten Muscheln“. Zuvor seien ihr schon zwei Entenretter einer Tierschutzorganisation entgegengekommen. „Mindestens einen toten Vogel haben die beiden in ihrer Plastiktüte dabeigehabt“, erzählt sie.

    Foto: Hannah Würsching
  • Auch Markus Haverkamp, der bereits seit 1986 im Münsterland angelt, empfindet das Fischsterben als „Katastrophe“ und „Trauerspiel“. Zwar lobt er den Einsatz der Feuerwehr, doch kämen die Maßnahmen „mindestens drei Wochen zu spät: Die Politik hat gepennt.“

    Foto: Matthias Ahlke
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