Als der niederländische Gesandte 1643 in Münster einzog Idealbild einer Friedensstadt

Münster -

400 Jahre nach Ausbruch des Dreißig-jährigen Krieges (1618), 370 Jahre nach Abschluss des Westfälischen Friedens (1648) und 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs (1918), beschäftigt sich die Ausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute“ (bis 2. September) mit der Frage, warum Menschen zu allen Zeiten den Frieden wünschen, seine Bewahrung auf Dauer aber nie gelang. Frieden ist mehr als der Verzicht auf Gewalt – mit ihm verbindet sich die Hoffnung auf Harmonie, Freundschaft, Liebe, Glück, Wohlstand und Gerechtigkeit. In Münster, der Stadt des Westfälischen Friedens, zeigen das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, das Archäologische Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität, das Bistum Münster und das Stadtmuseum Münster in einer Kooperation von fünf Institutionen diese Ausstellung, die in interdisziplinärer Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität erarbeitet worden ist. In einer Serie stellen wir nun ausgewählte Werke aus den fünf Ausstellungen vor.

Einzug des niederländischen Gesandten Adriaan Pauw, der 1643 zu den Friedensverhandlungen nach Münster berufen wurde.
Einzug des niederländischen Gesandten Adriaan Pauw, der 1643 zu den Friedensverhandlungen nach Münster berufen wurde. Foto: Stadtmuseum

Das Exponat des Stadtmuseums Münster, das hier zum Auftakt unserer Sommerserie präsentiert wird, ist wohl eines der bekanntesten Gemälde, das im Zusammenhang mit den Friedensverhandlungen in Münster entstanden ist. Es zeigt den Einzug des niederländischen Gesandten Adriaan Pauw, der 1643 zu den Friedensverhandlungen nach Münster berufen wurde. Er reiste zusammen mit seiner Familie an.

Gemalt wurde es von dem niederländischen Künstler Gerard ter Borch, der im Gefolge des Gesandten nach Münster gekommen war. Die prachtvolle Kutsche vor den Toren der Stadt befindet sich ungefähr dort, wo heute die Weseler Straße verläuft, die hügelige Landschaftsdarstellung sowie die Entfernung der Kirchen entsprechen jedoch nicht den realen Gegebenheiten. Es ist ein Bild, das ein Ereignis, einen Akt der Kommunikation festhält und zugleich die Stadt Münster als Friedensstadt in den Mittelpunkt rückt. Der Einzug des Gesandten ist keinesfalls nur als eine Begleiterscheinung des Friedenskongresses aufzufassen: Das Bild dokumentiert, wie Pauw in sechsspänniger Kutsche von Vertretern der anderen Verhandlungsländer vor der Stadt eingeholt wird. Dies entspricht den diplomatischen Regeln, nach denen man seit dem 17. Jahrhundert Gesandten von souveränen Mächten schon bei ihrer Anreise weit entgegenkam. Höfliche Besuche und Gegenbesuche nach festgelegten Regeln standen auf der Tagesordnung.

Einen völkerrechtlich souveränen Status besaß die Republik der Niederlande bis zu dieser Zeit noch nicht. Gleichwohl wurden die niederländischen Gesandten am 11. Januar 1646 von den französischen, portugiesischen und hessen-kasselschen Vertretern in die Stadt geleitet. In Münster waren zu diesem Zeitpunkt so viele Mächte gleichzeitig an einem Ort versammelt wie nie zuvor in der europäischen Geschichte.

Hier erlangten die Niederländer durch das ihnen zugestandene Einzugszeremoniell eine Gleichbehandlung mit den europäischen Souveränen und sogar mit dem Kaiser und dem Papst. Auch das große Selbstbewusstsein der Niederlande gegenüber dem ehemaligen Landesherrn, der Weltmacht Spanien, wird hier verdeutlicht.

Auffällig ist die Darstellung der sechsspännigen Pferdekutsche, denn nach damaligem Protokoll war das ausschließlich Botschaftern selbstständiger Staaten vorbehalten. Die Niederlande wurden jedoch erst mit dem Spanisch-Niederländischen Separatfrieden am 15. Mai 1648 souverän und die erste Republik in Mitteleuropa. Das Bild zeigt somit die Zielsetzung der Niederlande bei der Teilnahme am Friedenskongress in Münster bereits zu Beginn des Kongresses: Das Ergebnis wird in diesem Gemälde vorweggenommen, was es zu einem überaus politischen Bild macht. Erwähnenswert ist auch, dass Gerhard ter Borch nur die Figuren und die Kutsche malte. Zentral im Bild in der Kutsche sitzend und auf den Betrachter blickend, hat sich der Künstler selbst verewigt. Landschaft und Stadtansicht stammen hingegen vom Monogrammisten G.V.H. (wahrscheinlich war damit Gerryt van der Horst gemeint).  

 

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