Aasee Münster Hitze sorgt für massives Fischsterben

Münster -

Die Situation ist dramatisch: Wegen der Hitzewelle in diesem Sommer sterben in Nordrhein-Westfalen vermehrt Fische in kleineren Gewässern wie Teichen, Tümpeln oder Auffangbecken. In der Nacht zu Donnerstag erwischte es auch den Aasee in Münster. Mehrere Zentner tote Fische trieben am Morgen auf der Wasseroberfläche.

Von Peter Werth
Mitarbeiter des Tiefbauamtes und Mitglieder des Angelvereins holten tote Tiere aus dem Wasser.
Mitarbeiter des Tiefbauamtes und Mitglieder des Angelvereins holten tote Tiere aus dem Wasser. Foto: Matthias Ahlke

„Der hat es nicht geschafft“, kommentiert Jo Wisse sein Handy-Foto eines etwa einen Meter großen Hechtes, der in der Nacht zu Donnerstag im Aasee verendet ist. Der Anwohner hat ihn am Ufer gefunden – wie viele andere tote Fische auch.

Gleichsam über Nacht hat es den Aasee erwischt. Fische verschiedener Arten sind dem Sauerstoffmangel zum Opfer gefallen, sammeln sich vornehmlich im Uferbereich. „Meist sind es die kleineren Weißfische, die betroffen sind“, erklärt Lutz Hirschmann, aber auch große Artgenossen wie Zander, Waller oder Hecht sind betroffen, wenn auch in geringerem Umfang.

Hirschmann, Gewässerökologe bei der Umweltbehörde der Stadt Münster, hat sich am Donnerstagvormittag vor Ort einen Überblick über das Ausmaß des Fischsterbens verschafft. Gemeinsam mit Horst Kröber, dem Vorsitzenden des Fischereiverbandes Westfalen und Lippe ist er in einem Boot über den Aasee geschippert, um sich ein Bild vom Ausmaß des Dramas zu machen.

Kommentar: Klimawandel vor Ort

Zu wenig Sauerstoff

Ursächlich für dieses massive Fischsterben sei die geringe Sauerstoffkonzentration im Wasser. Das, da sind sich der Verwaltungsmitarbeiter und der Vertreter des Fischereiverbandes einig, sei der Hitze geschuldet, die auch das Wasser des Aasees kontinuierlich erwärmt habe. Derzeit liege die Temperatur bei etwa 26 Grad, lautet eine Information aus dem Umweltamt der Stadt. Schließlich sei noch der Regen am Mittwoch hinzugekommen, der zusätzlich für weitere Erwärmung des Sees gesorgt habe, sagt Hirschmann. Das wiederum hatte negative Auswirkungen auf den Sauerstoffgehalt des Wassers. Der kritische Wert von drei Milligramm Sauerstoff pro Liter sei für die Fische unterschritten worden.

Feuerwehr saugt ab und pumpt rein

Viele Fische, die an der Wasseroberfläche nach Luft schnappten, versuchte die münsterische Feuerwehr zu retten. Sie rückte am Vormittag an, um in Höhe der Aasee-Mensa aus dem Aasee gepumptes Wasser gleich wieder weiträumig – und mit Sauerstoff angereichert – in den See zu spritzen. So sollte der Sauerstoffgehalt erhöht werden. Gegen Donnerstagmittag waren in gleicher Sache auch Mitarbeiter des städtischen Tiefbauamtes in Höhe der Aasee-Terrassen tätig. „Es lohnt sich für jeden Fisch, der gerettet wird“, kommentierte Hirschmann diesen Einsatz.

„Der Aasee ist unser Hausgewässer“, sagte Martin Eschner. Der Jugendwart des „Vereins für Fischerei und Gewässerschutz (VFG) Früh­auf 1922 Münster“ erklärte, dass am Mittwochabend noch keine toten Fische zu sehen gewesen seien. „Das konnte man nicht absehen. Es ist dem Wetter geschuldet, der Hitze und dem nie­drige Wasserstand.“ Glücklicherweise sei der Hauptbestand an Fischen nicht betroffen.

Zuletzt vor 15 Jahren

Gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern holte er noch am Vormittag mit Keschern tote Fische aus dem Wasser. „Die werden später vom Tiefbauamt entsorgt“, berichtete er. Jetzt brauche es dringend Regen, der das Seewasser abkühle und natürlich insgesamt ein Ende der Hitzeperiode, lautete seine Einschätzung.

Über das Fischsterben informierten Anwohner und Jogger das Umweltamt der Stadt schon am frühen Donnerstagmorgen, bestätigte Gewässerökologe Hirschmann. An ein ähnliches Fischsterben in jüngerer Zeit kann er sich nicht erinnern. Das letzte Vorkommnis liege sicher gut 15 Jahre zurück.

Zwei Fragen an Lutz Hirschmann

Lutz Hirschmann ist Gewässerökologe bei der Umweltbehörde der Stadt Münster.

Was ist die Ursache des Fischsterbens?

Hirschmann: Der Sauerstoffmangel. Über Nacht hat es einen Sauerstoffabzug aus dem Wasser gegeben. Die Konzentration lag nur noch bei drei Milligramm pro Liter. Zum Überleben brauchen die Fische allerdings etwa sieben Milligramm.

Gibt es Möglichkeiten, solchen Vorfällen vorzubeugen?

Hirschmann: Die gibt es nicht. Das ist auch nicht vorhersehbar. Was wir bräuchten, wäre dringend Frischwasser, der das Seewasser abkühlt.       

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