Wohnserie
Zurück in der Großstadt

25 Jahre lang lebten Artur Dellai und seine Familie in Senden - dann zog es sie zurück in die Innenstadt von Münster. „Es ist alles eine Frage der Lebensphase“, sagt Dellai. Und die Zeit für Gartenarbeit auf dem Land war irgendwann um. 

Montag, 06.08.2018, 20:38 Uhr aktualisiert: 07.08.2018, 09:01 Uhr
Zeitung lesen auf dem Mini-Balkon: Artur Dellai zog zusammen mit seiner Frau aus Senden zurück in Münsters City. Ihr Ausblick: Ludgeristraße, Münster-Arkaden, Stadthausturm. Foto: Gunnar A. Pier

Um kurz nach zehn schlendern die ersten Shopping-Teens durch die Fußgängerzone. Sie schauen auf ihre Handy-Displays, deshalb sehen sie Artur Dellai nicht. Der sitzt mit einer Tasse Kaffee und der Zeitung hoch oben über der münsterischen Ludgeristraße auf seinem Balkon, der so klein ist, dass er ihn liebevoll „Fensterbank“ nennt.

Das ist schon ein Unterschied zum 2500-Quadratmeter-Park hinter seinem einstigen Haus in Senden. Aber zusammen mit seiner Frau ist er bewusst hierher gezogen. Nach 25 Jahren auf dem Land sind die Dellais zurück in der Großstadt.

Eine Frage der Lebensphase

„Es ist alles eine Frage der Lebensphase“, sagt Artur Dellai. Er stammt, wie seine Frau, aus Münsters City. Alles in Fußweite – aber mit Kindern wird es schnell unpraktisch. Ein paar Jahre wohnten sie ein paar Schritte außerhalb in einem großen Haus am Stadtrand. Doch als seine kleine Firma größer wurde und Platz hermusste für Fahrzeuge und eine Halle, verließ Familie Dellai die Stadt. „Das ist ja hier unbezahlbar.“

Aus Platzmangel aufs Land gezogen

Was sie suchten, fanden sie in Senden. „Ein Paradies“, erinnert sich Dellai ganz offensichtlich ohne Wehmut. Er holt ein iPad auf den Fensterbank-großen Balkon und zeigt Bilder. 2500 Qua­dratmeter Grundstück, strahlend grüne Pflanzen, es blüht zwischen Pool und Sauna im Außenbereich. Eine parkähnliche Landschaft, die manchen Botanischen Garten wirken lässt wie ein Maisfeld im vertrockneten August 2018.

Das Leben spielte sich vornehmlich auf dem eigenen Grundstück ab. Hier spielten die drei Kinder, hier feierten sie Partys mit vielen Gästen. „Und samstags haben wir uns aufs Fahrrad gesetzt und sind nach Münster zum Markt gefahren.“ Der Kontakt zu alten Bekannten in Münster wurde schwächer, dafür tauchten die Ex-Großstädter immer weiter ein ins Leben der Kleinstadt. „Das war supercool für alle.“

Man wird doch im Alter schnell Geisel der eigenen Wünsche“, sagt Artur Dellai. „Wir haben uns gefragt: Wollen wir wirklich nur noch im Garten rumhäckseln?

Artur Dellai

Irgendwann war die Zeit um

Doch irgendwann war die Zeit eben um. Und anders als viele andere, die auch dann noch am großen Eigenheim festhalten, wenn ihnen längst die Kraft zum Rasenmähen ausgeht, stellte sich das Ehepaar Dellai rechtzeitig die Frage: Machen Haus und Garten mehr Arbeit oder mehr Freude? „Man wird doch im Alter schnell Geisel der eigenen Wünsche“, sagt Artur Dellai. „Wir haben uns gefragt: Wollen wir wirklich nur noch im Garten rumhäckseln?“ Wenn Radtouren ausfallen, weil die Hausarbeit ruft, läuten bei dem Medienunternehmer die Alarmglocken. „Ich kam mir manchmal vor wie ein Hausmeister.“

Pragmatische Gründe

Und so entschlossen sich die Wahl-Kleinstädter vor gut zwei Jahren, zurück in die Großstadt zu ziehen. „Es waren ganz pragmatische Gründe“, erklärt Artur Dellai. Ein paar Monate lang suchte das Ehepaar nach einer zen­tralen Wohnung. Vieles erschien den beiden heute 61-Jährigen zu teuer, dann fanden sie die 110 Quadrat­meter an der Ludgeristraße, dritter Stock, Aufzug, Mini-Balkon, bezahlbar. „Wir haben uns von vielen Dingen verabschiedet“, gesteht Dellai. Was er am meisten vermisst? Da muss er über­legen, sagt dann: „Den Blick ins Grüne.“

Die Last des eigenen Anwesens

Aber es ist etwas hinzugekommen, was er „neu gewonnene Freiheit“ nennt. Die Last des eigenen An­wesens ist weg. „Wenn wir Grün haben wollen, gehen wir an die Promenade. Und wir fahren in eine Sauna – da ist dann schon alles fertig. Abends sitzen wir gerne vor dem Clemens und trinken einen Aperol.“

Alles mit dem Fahrrad? „Nee: alles zu Fuß“, sagt ­Artur Dellai und gießt sich auf der „Fensterbank“ noch einen Kaffee ein.

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