Hilferuf von der Windthorststraße „Das kann so nicht weitergehen“

Münster -

Räder, wohin man schaut. Nicht nur dort, wo sie stehen dürfen. Sondern auch im Gehbereich, vor den Schaufenstern und direkt vor den Eingängen der Geschäfte. Und das ist nicht das einzige Problem. Die Ladenbetreiber wenden sich mit einem Hilferuf an Polizei und Ordnungsamt. Mit Erfolg: Jetzt wird aufgeräumt.

Von Martin Kalitschke
Fahrräder, wohin man schaut – das finden die Geschäftsleute, die an der Ecke Windthorststraße/Bahnhofstraße ihre Ladenlokale haben, überhaupt nicht gut (v.l.): Forodi Fard (Tabakladen), CDU-Ratsherr Richard Halberstadt, Björn Effing (Foto Köster) und Ramazan Fidan (Hamburger Point).
Fahrräder, wohin man schaut – das finden die Geschäftsleute, die an der Ecke Windthorststraße/Bahnhofstraße ihre Ladenlokale haben, überhaupt nicht gut (v.l.): Forodi Fard (Tabakladen), CDU-Ratsherr Richard Halberstadt, Björn Effing (Foto Köster) und Ramazan Fidan (Hamburger Point). Foto: kal

„Immer wieder muss ich Räder umstellen“, sagt Forodi Fard, der hier, an der Ecke Windthorststraße / Bahnhofstraße, einen Tabakladen betreibt. „Manchmal kommen unsere Kunden kaum an den Rädern vorbei“, hat Björn Effing von Foto Köster beobachtet. „Das kann so nicht weitergehen“, sagt Richard Halberstadt, CDU-Ratsherr.

Wenn es nur die Räder wären. Neuerdings halten sich hier auch vermehrt Menschen auf, die die Gewerbetreibenden lieber nicht vor ihren Geschäften sehen würden. Es ist 11 Uhr, als auf einer Bank mitten im Fahrradchaos zwei Männer hastig Bierflaschen leeren. Dann steht einer auf, lässt die Hose herunter und uriniert. Vor aller Augen, mitten zwischen die Räder. „Schauen Sie sich das an“, sagt Fard.

Ramazan Fidan arbeitet im „Hamburger Point“, der sich direkt neben dem Tabakladen und Foto Köster befindet. „Seit das Fahrradchaos zugenommen hat, haben wir hier immer mehr Probleme“, sagt Fidan.

Drogenhandel

„Auf den Bänken wird geraucht und gekifft, von morgens bis abends halten sich Araber direkt vor unserer Tür auf und verkaufen Drogen. Ich habe das schon öfter beobachtet.“ Ja, sagt Richard Halberstadt, der Drogenhandel habe in diesem Bereich zugenommen – wieder zugenommen, nachdem sich die Situation zwischendurch nach seinen Beobachtungen beruhigt hatte.

Was Fidan auch ärgert: „Größere Gruppen von Leuten setzen sich auf die Stühle unserer Außengastronomie, doch nur einer verzehrt etwas. Wenn ich etwas sage, werden sie aggressiv.“ Seine Kunden hätten mittlerweile Angst, sich länger vor seinem Geschäft aufzuhalten.

Die drei Geschäftsleute sind sich einig: Erst kommt das Fahrradchaos, und dann kommen Menschen, die man hier eigentlich gar nicht haben will.

„Ich muss schnell zum Bahnhof“

In diesem Moment kommt ein Radler um die Ecke, etwa 25, Student, wie sich im Gespräch herausstellt. Er parkt sein Rad mitten auf dem Bürgersteig vor Foto Köster, schließt es ab. Fußgänger müssen nun einen Bogen um den Drahtesel machen. Warum stellt er das Rad nicht woanders ab? „Ich habe wenig Zeit“, sagt er, „ich muss schnell zum Bahnhof.“ Im Fahrradparkhaus kann er das Rad für 80 Cent abstellen. „Das ist mir zu viel Geld“, sagt er.

Stadt soll eingreifen

Noch vieles mehr stört die Anlieger. „Fahrradleichen werden nicht weggeräumt, zwischen den Rädern sammelt sich Müll“, sagt Halberstadt und zeigt auf eine Pizza, die zwischen den Reifen vor sich hin gammelt. Er fordert, dass die Stadt mehr eingreift, Räder sortiert, sauber macht. „Und die Bänke sollten abgebaut werden, dann verschwinden auch die Sozialprobleme“, hofft er. Außerdem sollten jene Bereiche, in denen Räder stehen dürfen, und die Bereiche vor den Eingängen zu den Geschäften farbig markiert werden. So wie früher – und wie seit Kurzem vor der Sparda-Bank, wo die neuen gelben Markierungen zu wirken scheinen. Björn Effing wünscht sich, dass auch die Polizei mehr durchgreift. „Doch wenn ich die Polizei anrufe, verweist sie auf das Ordnungsamt. Und das Ordnungsamt verweist wiederum auf die Polizei.“

Ordnungsamt kündigt große Reinigungsaktion an

Und was sagen Ordnungsamt und Polizei zu den Vorwürfen der Anlieger?

„Wir sind immer mit einem Team vor Ort und reagieren auf Probleme“, betont Michael Thomas vom Ordnungsamt. „Allerdings wissen wir nicht mehr, wo wir falsch geparkte Räder noch hinstellen können.“ Immerhin: Demnächst soll eine große Reinigungsaktion stattfinden – bei der dann wohl auch das eine oder andere Schrottrad verschwinden wird. Ab Montag (23. Juli) sollen erste Fahrräder entfernt werden.

Neue Bahnhofstreife ab Herbst

Und die Geschichte mit den Leuten, die vor den Geschäften für Ärger sorgen? „Ab Herbst wird die neue Bahnhofstreife unterwegs sein“, sagt Thomas. Sechs zusätzliche Kollegen, sie werden gerade eingearbeitet. „Sie werden sich dann verstärkt auch um solche Probleme kümmern.“

Wäre noch die Sache mit dem Drogenhandel. „Wir haben einen Blick darauf“, versichert Polizei-Sprecher An­dreas Bode. In Uniform, aber auch in Zivil sei die Behörde im Einsatz, man versuche, Strukturen zu erkennen, Laufbewegungen der Szene zu verfolgen. Die Sicherheit im Bahnhofsviertel sei Behördenziel. Dabei seien auch Hinweise von den Anliegern willkommen.

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