Erfolgsproduktion "Der Sturm" Wolfgang Borchert Theater hat nach Rekord-Spielzeit Großes vor

Münster -

„Bei Bertolt Brecht haben wir uns das Motto für die Spielzeit ausgeliehen“, erzählt Intendant Meinhard Zanger zur kommenden Saison des Wolfgang-Borchert-Theaters: „Brecht auf!“ Denn die politische Linie seines Hauses will er mit drei Klassikern und vier neuen Stücken weiter verfolgen, darunter die berühmte „Mutter Courage“. 

Von Harald Suerland
Theater-Trio auf der Shakespeare-Bühne: Intendant Meinhard Zanger mit den Dramaturginnen Silvia Drobny (l.) und Tanja Weidner vor dem Zuschauerpodest, das für den „Sturm“ vor dem Borchert-Theater installiert wurde.
Theater-Trio auf der Shakespeare-Bühne: Intendant Meinhard Zanger mit den Dramaturginnen Silvia Drobny (l.) und Tanja Weidner vor dem Zuschauerpodest, das für den „Sturm“ vor dem Borchert-Theater installiert wurde. Foto: Peter Werth

Doch bis dahin hat erst noch ein anderer Klassiker das Sagen: William Shakespeare mit seinem „Sturm“ im Hafenbecken . Die Erfolgsgeschichte dieser Produktion endet mit ihrem ersten Teil am nächsten Sonntag, die zweite Staffel ab 21. August gehört schon zur Spielzeit 2018/19. „Mehr als 22.200 Zuschauer werden das Stück am Ende gesehen haben“, bilanziert Zanger zufrieden – es ist mittlerweile komplett ausverkauft, Interessenten können sich nur noch nach Rücklaufkarten an der Theaterkasse erkundigen.

„Anfangs hatte ich Sorge, ob wir uns mit drei großen Produktionen nicht überheben“, sagte der Intendant gestern bei der Vorstellung des neuen Spielplans – dazu gehörten die zweisprachige Inszenierung „Die Schroffenstein“ als Koproduktion der Theater in Münster und Rjasan und Jo­shua Sobols „Ghetto“, mit dem das Haus zudem die Privattheatertage in Hamburg eröffnete.

Klassik-Kern mit Brecht, Horvath und Kleist

Doch nicht nur künstlerisch, sondern auch beim Publikumszuspruch ging die Rechnung auf: Mit 43.640 Zuschauern und einer Auslastung von 88,7 Prozent verzeichnet Zanger „die erfolgreichste Spielzeit in der 62-jährigen Geschichte“ des Borchert-Theaters. Auf die ja jetzt auch in dem Buch „Alles verspielt“ zurückgeblickt wird.

Brechts „Mutter Courage“ als Drama einer Kriegsgewinnlerin, Horvaths „Jugend ohne Gott“ als Geschichte politischer Verführung und eine Theaterversion von Kleists „Marquise von O.“, die punktgenau zur aktuellen MeToo-Debatte passt, bilden den Klassiker-Kern des neuen Spielplans.

Und bei den neuen Stücken, seien sie auch als „Komödie“ oder „Idiotie“ gekennzeichnet, spielen Politik und Zeitkritik immer mit. So geht es in „Willkommen“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, deren „Frau Müller“ nach sechs erfolgreichen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand ging, um ein WG-Zimmer, das einem Flüchtling zur Verfügung gestellt werden soll.

Schräge Liebesgeschichte von Simon Stephen

Und in „Die Mitwisser“ von Philipp Löhle wird laut Zanger „die Digitalisierung der Welt in eine menschliche Figur übertragen“: Dieser Kerl namens Kwant dient seinem Herrn mit Rat und Tat, weiß alles, kriegt aber auch alles mit und stellt seinen Herrn bald vor die Frage, ob der Diener seinen Chef nicht überflüssig macht.

Zum Thema

Infos und Karten:  0251/ 400 19 | wolfgang-borchert-theater.de

Meinhard Zanger sieht in einer Zeit, in der man sich „auf nichts mehr verlassen kann“ und Handelskriege reale Kriege nach sich ziehen könnten, die Notwendigkeit einer neuen Aufklärung gekommen. Ohne pessimistisch zu agieren: „Ich halte es mit dem Dramatiker Dario Fo: Die Erkenntnis funktioniert auch über das Lachen.“

Vielleicht funktioniert das auch in Simon Stephens’ Schauspiel „Heisenberg“: Als eine 42-Jährige einen fremden, deutlich älteren Mann am Bahnhof spontan in den Nacken küsst, bricht sie wie eine Naturgewalt in sein Leben. Eine „schräge Liebesgeschichte“ sei das und eine menschliche Versuchsanordnung, sagt Meinhard Zanger. Er wird es wissen, denn in diesem Stück steht er selbst als der ältere Mann auf der Bühne.

Die Premieren der Saison 2018/2019

► 22. September: Lutz Hübner / Sarah Nemitz: Willkommen

► 11. Oktober: Simon Stephens: Heisenberg

►29. November: Ödön von Horvath / Kathrin Sievers: Jugend ohne Gott

►24. Januar 2019: Bertolt Brecht / Paul Dessau: Mutter Courage und ihre Kinder

►28. Februar 2019: Heinrich von Kleist: Die Marquise von O.

►11. April 2019: Philipp Löhle: Die Mitwisser

►23. Mai 2019: Konstantin Küspert: Europa verteidigen

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