Andrea Ottenjann und Eva Schmidtke in der Orangerie Ein Verlust findet Ausdruck in Wort und Bild

Münster -

Alles fließt. Das sagt sich leicht. Wenn aber das Vorüber mitten durchs Herz geht, schmerzt der Verlust das Leben. Und wird zur Quelle von Erinnerungen. Von ihr haben sich zwei Kreative inspirieren lassen, die eine literarisch, die andere malerisch. „Gestern – Heute“ heißt der Dialog der Autorin Eva Schmidtke und der Malerin Andrea Ottenjann.

Von Gerhard H. Kock
Eva Schmidtke und Andrea Ottenjann (v.l.) zeigen in der Orangerie des Botanischen Gartens Gemälde und literarische Briefe über Verlust, Schmerz und Erinnerung.
Eva Schmidtke und Andrea Ottenjann (v.l.) zeigen in der Orangerie des Botanischen Gartens Gemälde und literarische Briefe über Verlust, Schmerz und Erinnerung. Foto: Gerhard H. Kock

Es war ein persönlicher Verlust, der Schmidtke zu einer 30-teiligen Briefserie „an einen, der gegangen ist“ angeregt hat. In ihr werden Alltagsmomente geschildert, in denen sich der scheinbar Vergangene vergegenwärtigt, in denen sein Charakter aufscheint, am Ende vielleicht gar er selbst in den Mitmenschen, die einem begegnen. Die Briefe beginnen stets mit „Hi M.“ und reden das letztlich physisch nicht mehr greifbare Gegenüber an.

13 dieser Texte haben in Andrea Ottenjann Resonanzen ausgelöst, sie zu Gemälden inspiriert. Allerdings sind die Arbeiten weder begleitende Illustrationen noch autonome Werke. Vielmehr scheint die Malerei zu diesen Seelenbriefen aus einer Seelenverwandtschaft heraus um jedermannsmenschliche Empfindungen zu kreisen. Ottenjann greift einzelne Wortbilder auf und transferiert sie. Die Spannung zwischen „Es ist alles vorbei“ und „Das Leben geht weiter“ spiegelt so das Bild „Frühling verpasst“ wider. Eiskristalle senken sich groß, kantig und kühl wie Blei auf eine Stadt. Am leeren grünen Sessel mit dem Titel „Dein Glück“ steigen feuer- und glutlos Rauchkreise hoch. Die Zeichen des Glücks sind noch da. Das Warten auch. Schwer erträglich. Aber es gibt auch die Kirsche. Jene eine, die sich im jungen Kirschbaum findet, der gegen die Skepsis des Gestorbenen bleiben durfte und nun Früchte trägt, Früchte des Trostes.

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Die Vernissage ist am Mittwoch /11. Juli) um 17 Uhr in der Orangerie des Botanischen Gartens. Der Schauspieler Florian Schmidtke führt in die Ausstellung ein; es musizieren Matthias Haselier-Bartlett und Alfons Overmann. Die Ausstellung endet am 22. Juli.

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