Mitbegründer der Skulptur-Projekte
Kasper König erhält das „Silberne Rathaus“

Münster -

Oberbürgermeister Markus Lewe hat am Donnerstag Prof. Kasper König mit dem „Silbernen Rathaus“ ausgezeichnet. Der Mitbegründer und künstlerische Leiter der Skulptur-Projekte habe sich um die Stadt und die Region verdient gemacht, so Lewe.

Donnerstag, 05.07.2018, 18:42 Uhr aktualisiert: 05.07.2018, 19:00 Uhr
Aus den Händen von Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) erhielt Prof. Kasper König, Mitbegründer der Skulptur-Projekte, am Donnerstagnachmittag das „Silberne Rathaus“. Die Anstecknadel befindet sich an Königs Revers. Foto: Matthias Ahlke

Prof. Kasper König ist nicht der Typ, der sich für Ehrungen überschwänglich bedankt. Auch am Donnerstagnachmittag gibt sich der Mitbegründer der Skulptur-Projekte eher nachdenklich, nachdem ihm Oberbürgermeister Markus Lewe im Beisein der Kulturausschüsse von Stadt und Landschaftsverband das „Silberne Rathaus“ verliehen hat.

„Wie geht es weiter mit den Skulptur-Projekten?“, fragt König – und gibt selbst die Antwort: „Das müssen Sie in fünf Jahren entscheiden. Doch werden die Skulptur-Projekte auch weiterhin notwendig und dringend sein – oder nur noch die Sahne auf dem Kuchen Münster?“

König empfiehlt den Blick über den Tellerrand, verweist auf den Satelliten Marl bei den Skulptur-Projekten 2017 – und rät den Kulturpolitikern, die seine Ehrung beklatschen, erst einmal den „Ball flachzuhalten“, was die Skulptur-Projekte 2027 betrifft.

Skulptur-Projekte: Alle Künstler - alle Werke

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  • Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Bei den fünften Skulptur-Projekten im Jahr 2017 sind 35 Werke zu sehen. Hier alle beteiligten Künstler und sämtliche Projekte im Kurzporträt:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ei Arakawa:

    Ein Mini-Museum mit sieben Gemälden plus Musik auf grüner Wiese vor Haus Kump – vor allem abends schön.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nairy Baghramian:

    pseudounfertige Skulpturen auf Schraubenschlüsseln finden sich am Erbdrostenhof.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Aram Bartholl:

    Lagerfeuer-Feeling in gedachter Endzeit gibt es an drei Standorten: H1-Tunnel, Pumpenhaus und Fernsehturm.

    Foto: Henning Rogge
  • Cosima von Bonin/Tom Burr

    Die schwere Moore-Plastik am Landesmuseum wird scheinbar vom Tieflader abgeholt. Auf der Kiste steht „Fragile“ für „Zerbrechlich“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Andreas Bunte:

    hängt am H1-Vorplatz, Stadthaus-1-Innenhof und bei der VHS Plakate mit Fotos einer Installation auf. Via QR-Code gibt es Töne und Bilder.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gerard Byrne

    Gerard Byrne setzt im Klaviersaal der Stadtbücherei das Verhältnis von Musik, Sprache und Bild in Szene.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Camp:

    (Shaina Anand und Ashok Sukumaran) spannt an der Theaterruine ein Netzwerk, das Informationen über das Theater und die Umgebung vermittelt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Michael Dean

    Michael Dean verhängt den Lichthof des Landesmuseums mit transparenter Folie und zeigt darin Schriftzeichen-Skulpturen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jeremy Deller:

    hat Kleingärtner zehn Jahre lang Tagebuch schreiben lassen. Respektable 33 Bücher werden ausgestellt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nicole Eisenman:

    hat einen Brunnen für die Kreuzschanze schaffen, der aus unbekleideten Frauen besteht.

    Foto: Oliver Werner
  • Ayşe Erkmen:

    lässt Menschen im Hafen über eine Brücke unter Wasser gehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Lara Favaretto:

    stellt am Ludgeriplatz gegenüber ein Denkmal für Kolonialkriegsopfer einen Spardosen-Monolithen für Flüchtlinge auf.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hreinn Friðfinnsson:

    platziert auf einer Wiese im Sternbuschpark sein Edelstahl-Hausskelett.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Ludger Gerdes:

    hat 1989 über dem Ordnungsamt Marl das Leuchtschild „Angst“ anbringen lassen; bis zum 1. Oktober hängt es am Aegidiimarkt.

    Foto: Gerhard Kock
  • Pierre Huyghe:

    stellt die ehemalige Eissporthalle auf den Kopf für ein Habitat.

    Foto: Oliver Werner
  • John Knight:

    vermisst das neue Landesmuseum mit einer überdimensionierten Wasserwaage.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Justin Matherly:

    stellt den Nietzsche-Felsen in der Nähe des Hauptbahnhofs auf Gehhilfen und thematisiert dessen Erweckungserlebnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Christian Odzuck:

    stellt eine dem Gebäude der Oberfinanzdirektion nachempfundene Architektur aus recyceltem Material der abgerissenen OfD auf die Brache.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Peles Empire:

    (Barbara Wolff, Katharina Stöver) machen den Archetyp des Prinzipalmarkt-Giebels gegenüber dem Aegidiimarkt begehbar.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Alexandra Pirici:

    lässt Tänzer im Friedenssaal Bewegungen zum Thema Frieden und Staaten aufführen.

    Foto: Oliver Werner
  • Mika Rottenberg:

    eröffnet gegenüber dem Gefängnis in einem ehemaligen Asia-Laden einen Asia-Laden mit Videos.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Xavier Le Roy mit Scarlet Yu:

    lassen Münsteraner in der Innenstadt pantomimisch Skulpturen darstellen, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Sany:

    (oder besser: Samuel Nyholm) zeigt seine fallenden Figuren als Brennmalerei auf Holz an mehreren Stellen in der City.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gregor Schneider:

    hat im Landesmuseum die Wohnung von N. Schmidt eingerichtet.

    Foto: Henning Rogge
  • Thomas Schütte:

    zeigt auf dem ehemaligen Zoo-Gelände die Reinform des Tempels in Rostrot.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Nora Schultz:

    will mit Installation und Videos die Wucht der Architektur des neuen Landesmuseums brechen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Emeka Ogboh macht die Weltmusik des in Münster begrabenen Komponisten Moondog im Hamburger Tunnel hörbar und ließ in Belgien Bier unter dem Einfluss von Musik aus Lagos brauen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Michael Smith:

    lädt über 65-Jährige ein, sich kostengünstig Tattoos von Arbeiten internationaler Künstler stechen zu lassen.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Hito Steyerl:

    stellt „Hell-YeahWeFuckDie“ als Leuchten in die LBS – Wörter, die in Popsongs der Gegenwart häufig sind – und thematisiert zudem, wie Menschen mit Robotern umgehen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Koki Tanaka:

    zeigt in der Johannisstraße 18/20 Videos von Workshops mit Münsteranern, die darüber nachgedacht haben, wie Menschen zusammenleben und Unbekanntes teilen.

    Foto: Henning Rogge
  •  Oscar Tuazon:

    bereichert eine Industriebrache am Stadthafen mit einer Art öffentlichem Betonkamin.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bárbara Wagner und Benjamin de Burca:

    singen in der Uralt-Disco „Elephant Lounge“ Schmalz-Schlager mit kritischen Texten: „Bye Bye Deutschland! Eine Lebensmelodie.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Cerith Wyn Evans kühlt eine Glocke von St. Stephanus auf Winter-Temperatur. Zu den üblichen Gottesdienstzeiten (samstags um 17 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr) können die Menschen hören, ob dies einen Unterschied macht - und wenn welchen.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hervé Youmbi:

    hängt zwischen die Bäume des alten Überwasserfriedhofs über die Bronzefiguren Masken, die Motive aus Afrika mit dem Horrorgesicht aus den „Scream“-Filmen kombiniert – ein Maskenball der besondern Art.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Gintersdorfer/Klaßen starten im Pumpenhaus ihre öffentlichen Performance-Proben „Erniedrigung ist nicht das Ende der Welt“. (Symbolfoto)

    Foto: pd

Die Frage, ob er in zehn Jahren noch einmal die künstlerische Leitung der weltweit beachteten Skulpturenschau übernehmen wird, hat zuvor bereits der Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, Dieter Gebhard, beantwortet. „Ich denke, dass es 2027 eine neue künstlerische Leitung geben wird, die in die sehr großen Fußstapfen von Herrn König treten wird“, so Gebhard. Schließlich wäre König dann bereits 84.

Rolle bei Realisierung des Richter-Kunstwerks

Nicht nur für seine Verdienste um die Skulpturenausstellung, auch für seine Rolle bei der Realisierung des Gerhard-Richter-Kunstwerkes „Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel“ darf König nun das „Silberne Rathaus“ an sein Revers stecken.

Richter-Pendel der Öffentlichkeit übergeben

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  • OHW_8386 Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
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Die Auszeichnung ist nicht der einzige Grund für das Zusammentreffen der Kulturausschüsse. Lewe will sich mit dem Empfang im Friedenssaal für die Unterstützung der beiden Gremien bei den vergangenen Skulptur-Projekten, aber auch bei anderen kulturellen Großprojekten bedanken, darunter der Neubau des Landesmuseums für Kunst und Kultur. Kulturell „laufen die Dinge hervorragend“ in Münster und Westfalen-Lippe, so Lewe.

Kunst fern von Markt und Kommerz

Gebhard bekräftigt derweil, dass der Landschaftsverband auch die nächsten Skulptur-Projekte finanziell unterstützten werde. Im Gegensatz zu König scheint für ihn außer Frage, dass es 2027 eine Neuauflage geben wird. Festredner ist der Direktor des Marta-Museums in Herford, Roland Nachtigäller. Er erinnert sich an seine ersten Begegnungen mit den Skulptur-Projekten, mit 16 im Jahr 1977. An die Kulturpolitiker richtete er den Wunsch, weitere Projekte erwartungsfrei anzugehen, damit sich die Kunst fern von Markt und Kommerz entfalten kann.

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