OB Lewe tauscht sich mit Künstler Gerhard Richter aus
Hochaltar bleibt hinter dem Pendel

Münster -

Der Ansturm auf der Foucaultsche Pendel ist riesig. Nach Ansicht von Künstler Gerhard Richter muss der Hochalter in der Dominikanerkirche nicht weichen. Einen Änderungsvorschlag hat Richter aber OB Lewe genannt.

Donnerstag, 28.06.2018, 07:00 Uhr
Hinter der Gittertür und dem weißen Vorhang steht der barocke Hochaltar. Nach Ansicht von Gerhard Richter muss der Altar nicht dem Foucaultschen Pendel weichen, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe. Die Gittertür soll indes durch eine temporär zu schließende Holztür ersetzt werden. Foto: Matthias Ahlke

Ein weißer Vorhang verdeckt zurzeit den barocken Hochaltar hinter der zweigeteilten Gittertür in der Dominikanerkirche. Die ganze Konzentration in dem profanierten Kirchenraum gilt zurzeit dem Foucaultschen Pendel, das seit Mitte Juni bereits über 20 .000 Besucher sehen wollten, wie Kulturdezernentin Cornelia Wilkens mitteilt.

Vertrauliches Gespräch zwischen Lewe und Richter

Oberbürgermeister Markus Lewe stellt nun klar, dass der Hochaltar in der Dominikanerkirche, der 1699 für die Paderborner Gaukirche erstellt und 1903 nach Münster gekommen war, nicht dem Richter-Kunstwerk „Zwei Graue Spiegel für ein Pendel“ weichen muss. „Gerhard Richters Wunsch ist es, den Altar und auch den Kreuzweg in der Dominikanerkirche zu erhalten. Wir sollten dem Wunsch des bedeutenden Künstlers folgen“, schlägt Lewe der Politik vor.

Gerhard Richter überreicht der Stadt Münster sein Pendel-Kunstwerk

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    Ein Pendel für Münster: 48 Kilogramm wiegt das Foucaultsche Pendel aus Messing, das die Stadt von Künstler Gerhard Richter geschenkt bekommen hat.

    Foto: Oliver Werner
  • Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) freute sich am Samstag (16.6.) über das Geschenk und darüber, dass der weltbekannte Künstler Gerhard Richter persönlich zur Übergabe nach Münster kam. 

    Foto: Oliver Werner
  • Der Künstler Gerhard Richter erklärt Münsters Bürgermeister Markus Lewe (r.) sein Pendel.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Foto mit dem Kunst-Star: Gerhard Richter (Mitte) nahm sich viel Zeit für Gespräche und Fotos. 

    Foto: Oliver Werner
  • Gerhard Richter hat in der Kirche eine dunkle Bodenplatte verlegen lassen. Darüber wird das eigentliche Kunstwerk des Kölners schwingen: Ein 48 Kilogramm schweres Foucaultsches Pendel aus Messing, das an einem 29 Meter langen Seil hängt. Es zeigt mit seiner Bewegung die Erdrotation an. Vier sechs Meter hohe Glastafeln, die paarweise vor den Wänden angebracht sind, reflektieren die Bewegung des Pendels im Kirchenraum.

    Foto: Oliver Werner
  • Ab Sonntag (17.6., 11.30 Uhr) ist die Installation mit dem Titel „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“ in der Dominikanerkirche in der Stadtmitte allgemein zugänglich. Der Eintritt ist frei.

    Foto: Oliver Werner
  • Gute Laune: Einer der berühmtesten Künstler der Welt sorgte für einen veritablen Medienrummel in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner

Wie jetzt bekannt wurde, hatte sich Münsters OB mit Richter am Abend vor der Eröffnung über die Dominikanerkirche ausgetauscht. „Ein klareres Signal gibt es doch gar nicht“, fasst Lewe das vertrauensvolle Gespräch zusammen.

Zwischenwand vom Tisch

Damit scheint nun auch die Überlegung vom Tisch zu sein, die Zwischenwand zwischen dem Kirch- und Altarraum herauszunehmen. Einzig die Gittertür direkt vor dem Altar soll gegen eine Holztür ausgetauscht werden, weil in der Dominikanerkirche mehrere Holztüren sind und diese temporär geschlossen werden kann.

Mit Vehemenz für den Erhalt des Altars

Für Protest hatte der Antrag von CDU und Grünen und das einstimmige Votum im Kulturausschuss gesorgt, dass der seit Jahren renovierungsbedürftige Altar abgebaut und eingelagert werden solle. Gleich mehrere Leserbriefschreiber, unter ihnen der ehemalige Direktor des Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte, Prof. Dr. Klaus Bußmann, hatten sich vehement für den Erhalt ausgesprochen. Der Altar sei der größte und vielleicht wichtigste des Hochbarocks in Westfalen, so Bußmann.

Uns ist damals suggeriert worden, dass dafür die Dominikanerkirche leergeräumt werden müsse.

Dr. Dietmar Erber (CDU)

Der Vorsitzende des städtischen Kulturausschusses, Dr. Dietmar Erber (CDU), stellt klar, dass das Richter-Kunstwerk für sich wirken müsse. „Uns ist damals suggeriert worden, dass dafür die Dominikanerkirche leergeräumt werden müsse“, erläutert Erber die Beweggründe für den Antrag im Kulturausschuss. Offenbar also alles nur ein Missverständnis?

Rat wird wohl zustimmen

Mit dem Kompromiss, Altar und auch Zwischenwand zu belassen sowie die Gitter- durch eine Holztür zu ersetzen, könne der Kulturausschuss gut leben. „Uns geht es darum, dass das Kunstwerk für sich bleibt. Der Erhalt der Zwischenwand ist die richtige Lösung“, sagt Erber. Voraussichtlich wird der Rat dem zustimmen.

Für die Restaurierung des Altars ist mit Kosten von 135 000 Euro zu rechnen. Von 250 000 Euro Gesamtkosten ist die Rede, weil die bleiverglasten Fenster im Chorraum überarbeitet werden müssen, Putz- und Anstricharbeiten erforderlich sind. Eine Zwischeneinlagerung hätte rund 120  000 Euro plus jährliche Mietkosten von geschätzten 6000 Euro verursacht.

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