Stadt plant Umbau Vorfahrt für Promenaden-Radler

Münster -

Radfahrer sollen auf Münsters Promenade an vier Kreuzungsstellen Vorrang bekommen. Im weiteren Verlauf ist sogar an neue Unterführungen oder Brücken für den Radverkehr gedacht.

Von Dirk Anger
Stadt plant Umbau: Vorfahrt für Promenaden-Radler
An vier Querungsstellen auf der Promenade sollen Radfahrer im Jahr 2019 Vorrang bekommen. Foto: Matthias Ahlke

Schon jetzt gilt die Promenade als Münsters Fahrradautobahn – allerdings hakt es dort an zehn Unterbrechungen. Ab 2019 dürften Radler auf dem Grüngürtel indes schneller vorwärtskommen. Die Stadt will Leezenrittern an vier Querungen Vorfahrt einräumen, damit der Verkehr zügiger fließt. An den Straßen Am Kreuztor, Kanalstraße, Hörstertor und Salzstraße sollen Promenaden-Fahrer künftig Vorrang haben. Das sieht der Entwurf von Stadtbaurat Robin Denstorff vor, der in den nächsten Wochen die Politik beschäftigen wird. Zustimmung gibt es bereits von der Fahrradfahrer-Lobby: „Das ist der richtige Schritt“, erklärt Peter Wolter, Vorstandsmitglied im Interessenverband ADFC.

Vorrang für Radfahrer an den besagten vier Stellen auf der Promenade werde aber ohne bauliche Maßnahmen nicht funktionieren, betont der Planungsdezernent – „eine schlichte Umkehr der Vorfahrtsregelung reicht nicht aus“. Deshalb sollen „zeitnah“ entsprechende Entwürfe erstellt werden: Dann können laut Denstorff die Knotenpunkte ab 2019 so umgebaut werden, dass die Radfahrer klar sichtbar bevorrechtigt sind.

Brücken oder Unterführungen

Parallel dazu soll nach Angaben der Stadt ein Konzept erarbeitet werden, dass für die verbliebenen sechs Querungsstellen wie zum Beispiel Aegidiistraße und Gerichtsstraße Lösungen darstellt. Dabei sind insbesondere an den vielbefahrenen Stellen wie Neutor und Stadtgraben durchaus auch Brücken oder Unterführungen denkbar; am Mauritztor ist dies bekanntlich schon seit vielen Jahren Realität.

„Wir lassen keine Variante außer Acht“, sagt der Planungsdezernent. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Situation an der Ludgeristraße, die nach Einschätzung der städtischen Planer „nicht losgelöst vom benachbarten Ludgeriplatz bearbeitet werden kann“.

23 000 Radfahrer pro Tag

Die Promenade als autofreier, rund 4,5 Kilometer langer Verteilerring um die Innenstadt hat für den Radverkehr in Münster größte Bedeutung. Schon jetzt werden an Spitzentagen in Höhe Mauritztor mehr als 23 000 Radfahrer gezählt, wie gesagt pro Tag. Diese Zahl dürfte sich im Zuge des Ausbaus der 13 Velorouten, die in den kommenden Jahren als Verbindung der Innenstadt mit dem Umland entstehen, noch einmal steigern.

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Autofahrer sollten sich über jeden Radfahrer freuen.

Planungsdezernent Robin Denstorff

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Denn die Promenade dient in allen Fällen je nach Sicht als Ausgangs- bzw. Endpunkt. „Wir wollen Fahrradhauptstadt bleiben“, weist Denstorff den Weg in die Zukunft.

Planungskosten in Höhe von 300 000 Euro sowie weitere 600 000 Euro für die vier Baumaßnahmen sieht der vorliegende Verwaltungsvorschlag in einem ersten Schritt vor. „Endlich darf Fahrradverkehr in Münster auch was kosten“, freut sich deshalb ADFC-Vertreter Wolter umso mehr. Nach seiner Meinung haben Innovationen im münsterischen Radverkehr in den vergangenen zehn Jahren keine Rolle mehr gespielt.

Das Querungsstellenkonzept, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, ist ein Bestandteil des groß angelegten Masterplans „Mobilität 2035+“.  

Kommentar: Es geht voran!

Wenn es der Stadt Münster erfolgreich gelingen will, den Anteil der Radfahrer am Straßen­verkehr von 40 auf 50 Prozent zu steigern, dann geht das nicht ohne einschneidende Veränderungen. Insofern ist die angestrebte Vorfahrtsregelung für Radler an vier Stellen auf der Promenade ein erster ­Vorgeschmack, wie sich der Verkehrsraum künftig verändern wird – und vor allem muss. Denn der wachsenden Stadt Münster mit mehr Verkehr steht eine räumlich begrenze Altstadt gegenüber, die an verschiedenen Stellen schon kurz vor dem Verkehrsinfarkt steht.Insofern liegt Planungsdezernent Denstorff durchaus richtig, wenn er behauptet, dass sich Autofahrer über jeden zusätzlichen Radfahrer freuen sollten. Ansonsten steigt nämlich die Staugefahr weiter an. Die Zeiten eines Gegeneinanders der Verkehrsmittel scheinen ohnehin am Ende. Vernetzte Mobilität nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Dabei darf indes die grundsätz­liche Erreichbarkeit der Innenstadt nicht auf dem Spiel stehen. Und auch Fußgänger müssen im Blick bleiben.Gleichwohl wird es ohne gravierende Veränderungen nicht gehen können. Der von CDU und Grünen auf den Weg gebrachte, ambitionierte Masterplan Verkehr jedenfalls gebiert erste konkrete Maßnahmen. Auch wenn das nicht jedem gefallen wird – endlich geht es voran! - Dirk Anger

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