Moderationskonzert im Landesmuseum über „Frieden“ Meisterstück der Vernunft?

Münster -

Noch vor der Jahrtausendwende schien Frieden eine realisierbare Option; unvorstellbar, dass die Menschheit einen Salto mortale rückwärts in (fast) überwundene Ideologien absolvieren könnte – doch gegenwärtig scheint die Welt aus den Fugen. Das Konzert „Friede – ein Meisterstück der Vernunft?“ im Rahmen der „Frieden“-Ausstellungen feierte den Traum eines Weltfriedens für jedermann.

Von Günter Moseler
Nadja Kossinskaja mit Heiner Wehking gaben im Landesmuseum ein Konzert zum Thema „Frieden“.
Nadja Kossinskaja mit Heiner Wehking gaben im Landesmuseum ein Konzert zum Thema „Frieden“. Foto: Günter Moseler

Im Foyer des Landesmuseums bot Gitarristin und Sängerin Nadja Kossinskaja mit Posaunist Heiner Wehking Musik jenseits subversiver Dramatik. Seine Hymne „Frieden und Harmonie“ für Posaune solo spielte Wehking mit zögerlichen Zartheit, die wie ein Weckruf aus großer Ferne klang, als könnte sie ebenso erhört, gehört wie überhört werden. In diesem lyrischen Stück schienen Akzente wie Störmanöver, von harmoniesüchtiger Umgebung schier überwältigt. Den lutherischen Choral „Verleih‘ uns Frieden gnädiglich“ flüsterte Kossinskajas geheimnisvoller Mezzo beinahe.

Zwischen den Musiknummern zitierte Wehking aus dem Nachlass von Hermann Hesse. Hesses Wahrheiten sind wahr, aber wahrscheinlich auch zu schön, um wahr zu sein: „Die Gewalt ist das Böse“, Verdammungen von „jeder Art der Gewalt und Geringschätzung des Lebens“ inklusive Politikerschelte hinterließen einen eher wohlfeilen Eindruck. Der zum Konzertende zitierte Korintherbrief 13/13 hätte genügt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Zynische Fantasie könnte den Frieden als Narkotikum vorstellen, das tatsächliche Lebensimpulse der Menschheit lahmlegt – jeder Kriegsschauplatz beweist das Gegenteil. Die intime Atmosphäre des Konzerts bildete vielleicht exemplarisch die Stille des Friedens ab, die Abwehr des Fortissimo-Trubels der Welt durch beharrliche Pianissimo-Töne. Sowohl die Sarabande aus der Cellosuite Nr.1 von Bach, von der Posaune solo wie ein Gebet vorgetragen, wie die weltenthobene Trance der „Air“ aus Bachs Orchestersuite Nr.3 blieben erfüllt von pazifistischer Dynamik. Selbst die krächzenden Riffs der Gitarre in Wehkinds Eigenkomposition „Aggression und Harmonie“ hatten wüsten Dissonanzen abgeschworen. Dann fragte Wehkind die Gitarristin nach dem Titel des nächsten Liedes: „Sehnsucht“, hauchte Kossinskaja. Das wird auch „der Frieden“ wohl bleiben: eine unerfüllte Sehnsucht.

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