Bundesweite Studie
Münster ist die lebenswerteste Stadt in NRW

Münster -

Münster ist die lebenswerteste Stadt in NRW. Das geht aus einer bundesweiten Studie hervor, die das ZDF in Auftrag gegeben hat. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Freitag, 18.05.2018, 18:32 Uhr aktualisiert: 18.05.2018, 19:58 Uhr
In Münster gibt es viele Bibliotheken-Nutzer und eine gute Pflegeversorgung, jedoch auch zu viel Feinstaub und zu wenig Waldflächen, geht aus der Studie hervor. Foto: dpa/gap

Die höchste Lebensqualität in Nordrhein-Westfalen gibt es in Münster. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom ZDF in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie, für die 401 deutsche Städte und Regionen unter die Lupe genommen wurden. Im bundesweiten Vergleich landet Münster auf Platz 33, lebenswerteste Stadt der Republik ist München vor Heidelberg und Starnberg.

Für die Erhebung zu den Lebensverhältnissen in Deutschland hatte das Prognos-Institut amtliche Statistiken sowie Daten zu Gesundheit, Wohnen, Arbeit, Sicherheit und Freizeit ausgewertet. Auf den vier letzten Plätzen landen Duisburg, Herne und Gelsenkirchen. Zwischen der Nordsee und dem Rheinland ist Münster neben Oldenburg die einzige Stadt bzw. Region, die bei der Studie auf einem der vorderen Plätze landet.

Gut: Freizeitangebote und Gesundheitsversorgung

Im Bereich „Freizeit und Natur“ liegt Münster auf Platz 56. Gut schneidet die Stadt unter anderem bei der Anzahl klassischer Kulturveranstaltungen pro 10 000 Einwohner, der Zahl der Vereine pro 1000 Einwohner und den Entleihungen in Bibliotheken pro 1000 Einwohner ab. Eher mittelmäßig ist in Münster im bundesweiten Vergleich der Anteil von Wasserflächen an der Gesamtfläche. Die nächsten Mittel- und Oberzentren werden verkehrlich nur mäßig gut erreicht, so die Studie. Erwartungsgemäß hoch: die Studierendendichte.

Auf Platz 74 landet Münster im Bereich „Gesundheit und Soziales“. Bundesweit auf Platz 14 schafft es die Stadt bei der Lebenserwartung weiblicher Neugeborener. Auch Arztdichte und Qualität der Pflege schaffen es in die Top 25. Beim Anteil der Bevölkerung mit Grundsicherung im Alter liegt Münster allerdings bundesweit nur auf dem 349. Rang. Schlecht schneidet die Stadt auch bei Gewaltverbrechen und Wohnungseinbrüchen pro 10 000 Einwohner aus.

Hohe Mieten

Im Bereich „Arbeit und Wohnen“ schafft es Münster nur auf den 108. Platz. Zwar liegt die Stadt bundesweit bei der Bevölkerungsdynamik – Veränderung der Einwohnerzahl zwischen 2010 und 2015 – auf Platz 1. Die große Nachfrage bleibt allerdings nicht ohne preisliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. Bei der Mietpreis-Einkommens-Relation landet Münster bundesweit auf Platz 375, bei der Relation zwischen Einkommen und Immobilienpreis gar auf Platz 380 von 401 untersuchten Regionen.

Kommentar: Nicht alles Gold, was glänzt

Genau 14 Jahre ist es her, dass Münster zur „lebenswertesten Stadt der Welt“ gekürt wurde. Seitdem hat sich die Stadt daran gewöhnt, bei Studien und Rankings auf einem der vorderen Plätze zu landen. So schnitt sie am Freitag bei einer bundesweiten Lebensqualität-Studie so gut ab wie keine andere Stadt in NRW.

Das ist zunächst eine gute Nachricht – doch schaut man sich die Einzelergebnisse, die Münster im Vergleich mit 400 anderen Regionen und Kommunen einen 33. Platz eingebracht haben, genauer an, ist nicht alles Gold, was glänzt – ganz im Gegenteil. Bei etlichen Einzelaspekten landet Münster nur im Mittelfeld, bei einigen sogar ziemlich weit unten.

Einige Beispiele aus der Studie: Immobilien sind teuer, Mieten hoch. Der Anteil sozialversicherungspflichtig beschäftigter Frauen ist gering, viele Menschen leben in Bedarfsgemeinschaften, Kinder- und Altersarmut sind hoch. Münster hat zu wenig Wald, zu wenig Wasserflächen, leidet unter Stickstoff und Ozon. Das Risiko, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, ist hoch.

Dies zeigt: Münster mag zwar die lebenswerteste Stadt in NRW sein – zugleich gibt es keinen Grund, sich auf solchen Lorbeeren auszuruhen. In vielen Bereichen besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die Stadt auch in Zukunft bei Rankings und Studien auf einem vorderen Platz landen will. Martin Kalitschke

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