Steigende Mieten Baunebenkosten als Preistreiber fürs Wohnen

Düsseldorf -

Es klingt etwas flapsig: Der Wohnungsmarkt für gut betuchte Mieter und Käufer regele sich von alleine. „Wir müssen in die Mitte gucken“, fasst der Präsident des Deutschen Städtetages, Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, die Herausforderung der kommenden Jahre zusammen. 

Von Hilmar Riemenschneider
Der Schlüssel für das eigene Heim: Jedes neu bezogene Eigenheim setzt eine Kette weiterer Umzüge bei Mietwohnungen nach sich. Diesen „Sickereffekt“ belegt eine Studie der LBS.
Der Schlüssel für das eigene Heim: Jedes neu bezogene Eigenheim setzt eine Kette weiterer Umzüge bei Mietwohnungen nach sich. Diesen „Sickereffekt“ belegt eine Studie der LBS. Foto: Colourbox.de

Und zwar ergänzend zu der Aufgabe, weiter besonders günstigen geförderten Wohnraum zu schaffen. Über die besten Maßnahmen, wie insbesondere in den Ballungsräumen eine Entspannung des Wohnungsmarktes zu erreichen wäre, debattierte Lewe mit weiteren Experten am Montagabend in Düsseldorf bei einer Podiumsdiskussion der LBS West unter dem Titel „Aufbruch für bezahlbares Wohnen in Nordrhein-Westfalen“. Münsters OB schilderte, dass die Stadt inzwischen Investoren mit günstigen Mieten bevorzuge.

Dass es dabei nicht nur um Mietwohnungen geht, betonte der LBS-Vorstandsvorsitzende Jörg Münning: Eine von der Landesbausparkasse beauftragte Studie zeige, dass jedes neu bezogene Eigenheim eine Kette weiterer Umzüge bei Mietwohnungen nach sich ziehe. Dieser „Sicker-Effekt“ erfasse in der Folge durchschnittlich drei Mietwohnungen mit neuen Bewohnern. Er lenkte deshalb den Blick auf die steigenden Baukosten – in Münster seien die binnen zwei Jahren um 15 Prozent gestiegen. Besonderer Treiber seien die Baunebenkosten: „Wenn wir in NRW mehr Eigentum wollen, dann sind Baunebenkosten von 33 Prozent einfach zu viel.“

Im Landtagswahlkampf hatten CDU und FDP angekündigt, die von Rot-Grün auf 6,5 Prozent angehobene Grunderwerbssteuer wieder zu senken. Inzwischen liegt beim Bundesrat ein Vorstoß aus NRW, nach dem die Länder eigenständig Freibeträge einführen können sollen. Schwarz-Gelb möchte hier bis zu 250.000 €  einräumen und wartet auf die Entscheidung aus Berlin, wie Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) berichtete. Vor allem wolle das Land schnell mehr Bauland verfügbar machen.

Dazu sollen Brachflächen reaktiviert werden. „Wenn wir den Grundsatz Innen- vor Außenverdichtung umsetzen wollen, müssen wir die Brachflächen entwickeln.“ Die Landesregierung nehme zudem die Städte im Umfeld der Metropolen in den Blick, um neue Baugebiete zu entwickeln. Motto: Nur mehr Wohnraum senke die Mieten. Für den baupolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Sven Wolf, greift das zu kurz: Die Landesregierung schaffe die Mietpreisbremse ab, obwohl sie von Experten als wirksam bestätigt werde. Sie müsse verschärft werden und Mietern mehr Rechte einräumen.

Münning gab den Politikern auf den Weg: „Bitte planen sie nicht an den Wünschen der Menschen vorbei.“

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