Deal ist unterschrieben Münster kauft die britischen Kasernen

Münster -

Die Stadt Münster hat nach sechs Jahren ­zäher Verhandlungen die beiden ehemaligen britischen Kasernen in den Stadtteilen Gievenbeck und Gremmendorf gekauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, er soll aber unter 40 Millionen Euro liegen.

Von Ralf Repöhler
Die Kaserne in Gremmendorf ist der Knackpunkt. Dort entsteht im Sommer eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für Asylbewerber.
Die Details über den Kauf der früheren Oxford-Kaserne in Gievenbeck waren schon länger in trockenen Tüchern. Hier sollen 1200 Wohnungen entstehen. Foto: Matthias Ahlke

Nach der sechsstündigen Marathonsitzung bei einem Notar in Hiltrup fiel Oberbürgermeister Markus Lewe ein Stein vom Herzen. „Ich bin so froh“, sagte er am Mittwochabend, als er den Durchbruch bei den jahrelangen Kasernen-Verhandlungen bestätigen konnte .

Die Kaufverträge für das Gelände der ehemaligen York-Kaserne in Gremmendorf und der ehemaligen Oxford-Kaserne in Gievenbeck sind unterschrieben. Über den Kaufpreis wird geschwiegen. Er soll unter 40 Millionen Euro liegen. Noch vor der Sommerpause sollen der Bundesrat und Bundestag sowie der Rat der Stadt Münster (16. Mai) das Kaufpaket beschließen.

Schrittweise Entwicklung neuer Wohnquartiere

Bis in die vorletzte Nacht hinein und noch am Vormittag hatten die Vertreter der Stadt Münster, des Landes NRW und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) an den Details der Kaufverträge gefeilt. Selbst Ministerpräsident Armin Laschet war eingebunden.

Lewe sprach nach der Beurkundung von einem „bedeutenden Tag für Münster“. Der Stadt stünden nun rund 75 Hektar für die schrittweise Entwicklung der neuen Wohnquartiere in Gremmendorf und Gievenbeck zur Verfügung. Insgesamt entsteht an beiden Standorten Wohnraum für 10. 000 Menschen. Der NRW-Verkaufsleiter der Bima, Dr. Gerald Brummund, freute sich, dass die Bundesanstalt einen großen Beitrag zur Verbesserung der Wohnraumversorgung in Münster leiste.

Lewe hat mit Laschet gesprochen

Knackpunkt des langen Verhandlungsmarathons war bis zum letzten Moment die Gremmendorfer York-Kaserne und die neue Zentrale Unterbringungseinrichtung für bis zu 500 Asylbewerber, die das Land NRW dort zum 1. Juli einrichten wird. Dafür wird die dortige Erstaufnahmeeinrichtung zum 30. Juni aufgelöst.

Das Land erklärt sich schließlich dazu bereit, den Standort zu verlegen und damit mittelfristig die Kaserne in Gremmendorf frei zu räumen. Lewe hatte zuletzt mit Laschet darüber gesprochen. Die Einigung war Voraussetzung für die Freigabeerklärung des Landes gegenüber der Bima, die eine Fläche nur dann verkaufen darf, wenn keine anderen Nutzungen entgegenstehen.

Stadt und Bezirksregierung haben ein städtisches Grundstück am Alten Pulverschuppen als alternativen Standort für die Asylbewerber-Einrichtung vorgeschlagen – das Land hat zugestimmt. „Die neue Landeseinrichtung wird zwar vorerst in der Gremmendorfer Kaserne verbleiben, aber nur so lange, bis ein Alternativstandort hergerichtet ist“, sagte Lewe.

Details des Deals

Auf dem Gelände der ehemaligen York-Kaserne (50 Hektar) sollen nach Angaben der Stadt rund 1800 Wohnungen für circa 6000 Menschen gebaut werden. Weitere etwa 1200 Wohnungen sind auf dem Gelände der einstigen Oxford-Kaserne (26 Hektar) in Gievenbeck geplant. Damit würde Wohnraum für rund 10. 000 Menschen geschaffen. Das entspricht der Einwohnerzahl eines kleinen Stadtteils.

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und Stadt haben sich bei der York-Kaserne darauf geeinigt, dass die Bima für Zwecke des sozialen Wohnungsbaus pro öffentlich geförderter Wohnung einen Kaufpreisabschlag von 25. 000 Euro gibt. Geklärt wurde, dass sie die Kosten für die soziale Infrastruktur – eine vierzügige Grundschule mit Turnhalle und Kindergärten mit 23 Gruppen – übernimmt. 

Vom Tisch ist nach Informationen unserer Zeitung offenbar, dass die Stadt die bis zu 20 Millionen Euro hohen Kosten für den Alternativstandort und das Herrichten der Infrastruktur dort allein tragen muss. Hier gibt es Signale, dass sich das Land NRW mit bis zu zehn Millionen Euro beteiligen will.

Aussprache gegen Zentrale Ausländerbehörde

Ursprünglich wollte das Land die Kaserne in Gremmendorf komplett im Sommer räumen, damit allein dort die so dringend benötigten 1800 Wohnungen entstehen können. Doch die Absprachen platzten, nachdem sich eine linke Ratsmehrheit, unter anderem aus SPD, Grünen und Linken, gegen die vom Land gewünschte Ansiedlung einer Zentralen Ausländerbehörde in Münster ausgesprochen hatte. Das wiederum hatte Schwierigkeiten bei der rechtzeitigen Freigabe des Landes zum Verkauf der Fläche verursacht. Die Behörde entsteht nun in Coesfeld.

Die Stadt hat die Planungen für Straßen, Entwässerung und Freiraum-Planungen für die beiden Kasernenflächen vorbereitet. Mit Erschließung und Vermarktung der Flächen soll möglichst noch in diesem Jahr begonnen werden.

Kommentar

Am Ende wird es teuer

Endlich der Durchbruch, endlich die Unterschriften. Aber natürlich hat die Stadt die Kasernen-Flächen in Gievenbeck und in Gremmendorf viel zu spät gekauft. In den sechs Jahren der Verhandlungen sind die Grundstückspreise explodiert, das Millionengeschäft ist noch teurer geworden. Der überhitzte Wohnungsmarkt in Münster platzt aus allen Nähten. Die vorgesehenen 3000 Wohnungen fehlen seit Jahren.

Als wäre der Verhandlungspoker nicht bereits zäh genug, stellte sich die Politik am Ende selbst ein Bein. Eine linke Ratsmehrheit ließ einen eingefädelten Deal mit dem Land platzen und stimmte gegen eine Ausländerbehörde in Münster. Ursprünglich wollte das Land im Gegenzug die Gremmendorfer Kaserne räumen – nun siedelt es dort eine Unterbringungseinrichtung an.

So musste es am Ende vor allem darum gehen, diese neue Landeseinrichtung für überwiegend Asylbewerber mit schlechter Bleibeperspektive an einem anderen Standort unterzubringen, um die Wohnraum-Entwicklung in Gremmendorf nicht über zig weitere Jahre zu blockieren. Dass das Land die Hälfte der zusätzlichen Kosten trägt und die von der Infrastruktur so gut geeignete York-Kaserne freigibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Trotzdem: Die Stadt muss bei dem alternativlosen Millionendeal am Ende ganz schön draufzahlen. 

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