Gärtner starten in den Frühling Sehnsucht nach hellen Farben im Garten

Münster -

Der Frühling hat zwar kalendarisch begonnen, lässt sich bislang aber nur selten blicken. Im Interview spricht Kreisgärtnermeister Martin Dahlmann über das schwierige Frühjahr, die Trends der nächsten Saison und Themen, die die Gärtner neben dem Saisongeschäft beschäftigen.

Von Gabriele Hillmoth
Kreisgärtnermeister Martin Dahlmann setzt jetzt auf Sonne, denn dann rechnet er mit einem Ansturm auf Frühlingsblüher.
Kreisgärtnermeister Martin Dahlmann setzt jetzt auf Sonne, denn dann rechnet er mit einem Ansturm auf Frühlingsblüher. Foto: Matthias Ahlke

Die Gärtnereien in Münster haben momentan ein großes Angebot an Frühlingsblühern wie Primeln, Bellis und Vergissmeinnicht. Die Betriebe stehen in den Startlöchern. Redakteurin Gabriele Hillmoth sprach mit Kreisgärtnermeister Martin Dahlmann (56) darüber, was der bisher teilweise noch sehr kalte Frühling für die Gärtner bedeutet. Während Martin Dahlmann die Gärtnerei am Osttor in Hiltrup betreibt, ist Ehefrau Anke Dahlmann für das Floristikfachgeschäft zuständig.

Ostern ist in diesem Jahr sehr früh. Die letzte Frostperiode ist noch nicht lange her. Werden trotzdem schon Frühlingsblumen gepflanzt?

Dahlmann: Der Oster-Termin liegt tatsächlich in diesem Jahr sehr früh. Wenn dann das Wetter nicht mitspielt, ist der Verkauf der Frühlingsblüher eher schwierig. Die Verbraucher reagieren momentan noch sehr verhalten. Sobald aber die Sonne scheint, werden die Kunden aktiv, dann wollen sie Farbe in den Garten holen.

Sind Sie auf einen solchen Ansturm vorbereitet?

Dahlmann: Aber sicher. Wir erleben dieses Saisongeschäft alle Jahre wieder im Frühjahr und im Sommer. Die Ware für das Frühjahr ist produziert. Narzissen wurden passend in Kühlhäusern angetrieben, das gilt auch für Tulpen. Wir haben beispielsweise eine Produktionsfläche von 5000 Quadratmetern unter Glas, auf der es blüht.

Was sind die Favoriten in Ihren Gewächshäusern?

Dahlmann: Primeln, Bellis, Vergissmeinnicht und Schachbrettblumen in ausgefallenen Farben. Rosatöne gehen gut. Die Kunden sehnen sich einfach nach hellen Farben.

Ist dieses Frühjahr für die Gärtner besonders schwierig?

Dahlmann: Wir hatten gerade noch zwei strenge Frostperioden, aber vor allem der kalte Wind treibt in diesem Frühjahr die Energiekosten in die Höhe.

Sollte das Geschäft mit den Frühlingsblühern später einsetzen, hat das Folgen für die Gärtnereien?

Dahlmann: Momentan nicht, die Betriebe sind gut aufgestellt. Der Januar und Februar sind ohnehin immer ruhig. Natürlich warten wir jetzt alle darauf, dass die Gewächshäuser freigeräumt werden und wir Platz schaffen. Trotzdem werden Frühjahrsblüher immer noch bis Mitte April verkauft. Wir Gärtner hoffen natürlich, dass das Geschäft nach Ostern weiterläuft. Wir rechnen aber vor allem im April immer noch mit wechselhaftem Wetter. Darum appellieren wir an die Vernunft der Verbraucher und erinnern an die Eisheiligen, die noch Frost bringen können – wie im vergangenen Jahr. Sollten aber nach Ostern schon 20 bis 25 Grad sein, dann haben unsere Kunden meistens auch sehr schnell Sommergefühle.

Sind die Sommerblumen schon im Vormarsch?

Dahlmann: Die Sommerblumen müssen bald auf die Fläche gerückt werden, um sich weiterentwickeln zu können. Die Jungpflanzen sind getopft. Es wird Zeit, dass die Pflanzen Platz bekommen.

Welche Farben spielen in diesem Jahr in Blumenkästen und Kübeln eine Rolle?

Dahlmann: Wir orientieren uns an der Modewelt. Ich rechne damit, dass beispielsweise kräftige Farbtöne aus dem Rot- und Blaubereich auftauchen. Aber auch Lila wird eine Rolle spielen.

Und welche Pflanzen führen die Nachfrage vermutlich an?

Dahlmann: Die Geranie ist und bleibt ein Klassiker und ist auch bei jungen Leuten aufgrund der leichten Pflege beliebt. Stark ausgebreitet haben sich aber schon im vergangenen Jahr die Dipladenia, die Mandevilla.

Können Hobbygärtner jetzt schon etwas tun?

Dahlmann: Wenn die Forsythien blühen, dann können die Rosen zurückgeschnitten werden. Außerdem verlangt der Rasen nach Dünger.

Gibt es weitere Themen, die die Gärtner neben dem Saisongeschäft beschäftigen?

Dahlmann: Natürlich diskutieren wir auch in Münster über eine starke Nachverdichtung, bei der viel Natur verloren geht. Der Aspekt der Begrünung spielt bei Bebauungen oft keine Rolle mehr. Die Verödung von Vorgärten fällt uns auf. Das wird noch einmal ein Riesenthema werden. Die Baumschutzsatzung beschäftigt uns. In diesem Zusammenhang appellieren wir an die Vernunft der Bürger. Es freut uns, dass auch junge Leute sensibel mit dem Thema umgehen. Insgesamt würden wir uns von den Bauherren einen stärkeren grünen Daumen wünschen.

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