Böhmische Sakralmusik in der Servatiikirche Heute klingt’s archaisch

Münster -

Adalbert, Ludmilla und Wenzel – das sind die drei wichtigsten böhmischen Heiligen, die dort schon seit dem Mittelalter verehrt werden. Natürlich entstand auch früh liturgische Musik, die speziell zugeschnitten war auf die feierliche Ausgestaltung jener Gottesdienste, in denen der drei Heiligen gedacht wurde. Einen kleinen Ausschnitt aus diesem Repertoire präsentierte das Ensemble „Cappella Mariana“ am Mittwoch in St. Servatii und lieferte das dritte Vokalkonzert in Folge bei „Musica Sacra“.

Von Chr. Schulte im Walde
Das Ensemble „Cappella Mariana“ stellte in St. Servatii böhmische Sa­kral­musik vor.
Das Ensemble „Cappella Mariana“ stellte in St. Servatii böhmische Sa­kral­musik vor. Foto: Christoph Schulte im Walde

Spannend dabei: Es war nach der sardischen und der jüdischen Musik an den Tagen zuvor wieder eine außergewöhnliche Begegnung mit einer höchst eigenen Klangwelt, in diesem Fall eng mit der Gregorianik verschmolzen. Die einstimmigen und ganz offensichtlich dem monastischen Stundengebet zuzuordnenden Hymnen, Responsorien und Cantiones zu den drei Heiligenfesten folgen tradierten älteren Vorbildern und versetzten das Publikum in der voll besetzten Servatiikirche vom ersten Augenblick an in eine andere Welt. Aber das galt nicht minder für die mehr- statt einstimmig angelegten geistlichen Klänge. Denen von Guillaume de Machaut (gestorben 1377) etwa, die dem Komponisten (Bediensteter des böhmischen Königs Johann von Luxemburg) das Negativ-Etikett eines „Avantgardisten“ eingetragen hatte. Heutigen Ohren kommt dies alles völlig archaisch vor, verströmt dabei einen unmittelbaren Reiz.

Die fünf Mitglieder der „Cappella Mariana“ aus Prag sind allesamt Meister ihres Faches und verfügen über flexible Stimmen, die ausgezeichnet zusammenpassen. Ein schlichter Psalmvers wirkt da genauso berührend wie die Leichtigkeit, mit der die rhythmisch vertrackt gebauten Motetten in Schwingungen versetzt werden. Barbora Kabátková ist als chorisch eingesetzte Sopranistin in hoher Lage neben den vier Männerstimmen eine zusätzliche helle Farbe – und solistisch ein Glanzpunkt des Ensembles. Und sie zupft zudem noch die gotische Harfe. Alles zusammen ergibt ein rundes, homogenes Ganzes, vom flüsternden Piano bis hin zum kraftvollen Forte – eine anregende musikalische Reise ins Mittelalter.

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