Segel-Abenteuer Familien-Urlaub in der Antarktis

Münster -

Ausflug in die Antarktis: Eine Familie aus Münster wagte sich mit dem Segelboot zwischen Eisberge, Wale und Pinguine. Am Ende stehen sechs unvergessliche Wochen.

Von Gabriele Hillmoth
Die „Polarwind“ vor der antarktischen Küste
Die „Polarwind“ vor der antarktischen Küste Foto: Rütter

Die deutsch-chilenische Familie mit Osvaldo E. Escobar Torres, Jutta Walter und den Kindern Theo (9) und Antonia (5) ist wieder unterwegs. Vor Jahren schon erfüllte sich das Paar einen Lebenstraum: auf eigenem Kiel von Europa nach Feuerland am Südzipfel Südamerikas. Zwischendurch kehrte die Familie mit Sohn Theo und Tochter Antonia, die auf der letzten Reise in Argentinien geboren wurde, nach Münster zurück. Doch das Fernweh hielt an. Jetzt gingen die Weltenbummler wieder gemeinsam an Bord ihrer Segeljacht Polarwind. Aktuell ist die Familie von einem mehrwöchigen Törn in die Antarktis nach Puerto Williams zurückgekehrt.

Großer Traum ging in Erfüllung

Erst kurz vor Reisebeginn bekam die Familie im vergangenen Jahr die Genehmigung für den Segeltörn durch die Antarktis. Damit ging für sie ein großer Traum in Erfüllung. Auch für Andreas Rütter vom Segel-Club Münster. Der Vorsitzende des Clubs kennt Osvaldo Escobar seit rund 20 Jahren. Die beiden Segler trafen sich damals am Kap Hoorn, später in Jutta Walters Heimstadtstadt Münster, aus der auch Andreas Rütter stammt.

Seitdem sitzen die Familien immer wieder in einem Boot. Wenn Andreas Rütter am Ruder seines Segelbootes steht, dann fährt Osvaldo Escobar gerne mit. Umgekehrt freute sich der Chilene über die Verstärkung aus Münster bei der Antarktis-Reise.

„Da kommt man nicht so einfach hin“

Andreas Rütter ist ein erfahrener Segler. Der 54-jährige Maschinenbauingenieur segelt seit seinem vierten Lebensjahr und kennt sich in vielen Revieren aus. Während seiner beruflichen Stationen in Italien, in England, in den Niederlanden und unter anderem in Amerika ließ ihn der Segelsport nicht los. Die Reise in die Antarktis war für den Münsteraner ein großer Traum. „Da kommt man nicht so einfach hin“, erzählt Rütter.

Wer die Antarktis ansteuert, dem rät der Münsteraner, ohne Zeitdruck zu planen. Es sei oft das Wetter, das einen Strich durch alle Termine macht. Wichtig sei aber vor allem ein Skipper mit Erfahrung im Eis: Osvaldo Escobar war schon häufiger in der Antarktis, dazu besitzt er mit der Polarwind und ihrem Stahlrumpf ein eistaugliches Schiff.

Knapp sechs Wochen waren die Segler unterwegs

Auch jetzt dauerte der Törn sehr viel länger als ursprünglich geplant. Knapp sechs Wochen waren die Segler unterwegs. Zur Crew gehörten neben Osvaldo Escobar, Jutta Walter und Andreas Rütter auch Clint und Reiner aus den USA, die seit 15 Jahren auf ihrer Jacht „SY Karma“ leben und seit mehr als einem Jahr in Feuerland unterwegs sind. Dort lernten sie Osvaldo Escobar kennen, der dort immer wieder mit Chartergästen an Bord segelt.

Gemeinsam bereitete sich die Crew auf ihre Antarktis-Reise vor. Ausgangspunkt war die chilenische Stadt Puerto Williams. Fünf Tage durchquerte die Polarwind die Drake-Passage, bis sie die antarktische Halbinsel erreichte. Andreas Rütter schwärmt: „Wenn Pinguine und Wale auftauchen und der erste Eisberg zum Greifen nah ist, das ist schon ein tolles Gefühl.“ Vergessen sind dann die anstrengenden Tage, um das Segelschiff flott zu machen, um Wasser und Diesel zu tanken, Hunderte Meter an Leinen zu schleppen sowie genügend Vorräte einzukaufen. Auch für medizinische Notfälle aller Art ist die Crew gewappnet.

"Den Hin- und Rückweg muss man sich hart erkämpfen"

„Alles muss tipptopp sein“, sagt Rütter, der mit seinem Freund Osvaldo schon Kap Hoorn umrundet hat und auch damals bei dem Skipper „kein mulmiges Gefühl“ hatte. Trotzdem gibt es jedes Mal viel zu bedenken.

Rund 550 Seemeilen liegen zwischen Kap Hoorn und der Antarktis. „Wir hatten eine gehörige Portion Respekt vor der Passage der Drake-Passage, vor allem vor den enormen Wellen.“ So toll es in der Antarktis ist, den Hin- und Rückweg müsse man sich hart erkämpfen, schreibt Jutta Walter in ihrem Blog der „ SY Polarwind “. Mit dem Eis freundet man sich irgendwann an, so Rütter.

Die Crew findet endlich zwischen den vielen Tiefdruckgebieten ein optimales Wetterfenster. Abwechselnd stehen die Segler am Ruder. „Schlafen, Essen, Wache, das ist unser Rhythmus“, zählt Rütter auf. Internet gibt es nicht an Bord, nur das Wetter wird regelmäßig per Satelliten-Telefon aktualisiert.

Die Polarwind stößt in den Lemaire-Kanal vor, einer der schönsten Meerengen der antarktischen Halbinseln. Diese Meerenge ist nur 720 Meter breit. Der Kanal ist stark vereist, durch Strömung und Wind verändern sich die Eisverhältnisse fast täglich, berichtet Jutta Walter. Es stellte sich die Frage: „Sollen wir es wagen dort hindurchzufahren?“

„Haben wir bisher skurril geformte Eisberge und gigantische Eismassen bewundert, erleben wir nun eine uns neue Seite der Antarktis. Von beiden Seiten durch bis zu 1000 Meter hohen Berge begrenzt, suchen wir uns einen Weg durch Eisberge und blau-glitzernde Schollen. In der Ferne sehen wir den Blas eines Wales. Ein Gletscher kalbt, Eisschollen von der Größe von Einfamilienhäusern treiben aus einer Bucht in den Kanal.

Einmal wird es brenzlig

Zu siebt stehen die Segler im Cockpit und halten angesichts dieses Naturwunders den Atem an. Einmal wird es brenzlig, als zwei garagen-große Eisberge quer auf die Polarwind zutreiben und der Spalt vor der Felswand, durch den das Schiff hindurch muss, immer enger wird. Aber Osvaldo Escobar steuert die Polarwind sicher hindurch, bevor die Eisberge ihn blockieren.

Neugierige Pinguine

Andreas Rütter wundert sich über die skurrilen Typen, die sie auf Segelbooten in der Antarktis treffen. Aber auch das gibt es: Wenn die Polarwind-Crew ihre langen Leinen an Land festmachen will, dann kommen Pinguine neugierig heran und scheren sich nicht um die fünf Meter Sicherheitsabstand, den die Menschen einzuhalten versuchen.

Die Polarwind steuert „Port Lockroy“ an, eine ehemalige englische Forschungsstation, die heute als Museum dient. Im Slalom umrundet die Segeljacht jede Menge Eisschollen. „Jede kleinste Eisberührung lässt den Rumpf zittern und erzeugt schaurige Geräusche unter Deck.“ Nur 30 Minuten darf die Crew an Land, weil dort später die regelmäßige Pinguin-Zählung geplant ist und dabei Besucher nur stören würden.

Die nächsten Fahrten sind in Planung

Theo und Antonia finden es spaßig, schreiben eine Karte an Oma und Opa und freuen sich auf die Spielrunden an Bord. Während Antonias Patenonkel Andreas Rütter längst nach Münster zurückgekehrt ist, bereitet die Familie den nächsten Schlag durch die chilenischen Kanäle nach Puerto Montt vor. Drei Monate wird die Familie unterwegs sein. Von dort aus soll es dann in den Pazifik gehen.

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