Bischof Genn „Antisemitismus ist gerade in Deutschland unerträglich“

Münster -

„Nulltoleranz“ fordert Münsters Bischof Felix Genn schon bei den „geringsten Anzeichen von Judenhass und Antisemitismus“. Wichtig sei, die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten, in der auch die Kirche „dunkle Seiten hat, die nicht zu übersehen sind“.

Bischof Genn: „Antisemitismus ist gerade in Deutschland unerträglich“
Bischof Felix Genn forderte in seiner Predigt am Grünndonnterstag „Nulltoleranz“ gegenüber Judenhass. Foto: Oliver Werner (Archiv)

„Wenn es in unserem Land auch nur die geringsten Anzeichen von Judenhass und Antisemitismus gibt, dann kann die Antwort, die wir als Christinnen und Christen geben, nur heißen: Nulltoleranz.“ Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, in seiner Predigt am Gründonnerstag betont. Der Bischof äußerte sich vor dem Hintergrund aktueller Nachrichten, die von einem vermehrten Antisemitismus an Berliner Schulen berichten. „Ich will deutlich sagen, dass es in Münster sehr gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinde und ganz persönlich auch zu deren Vorsitzendem Sharon Fehr gibt. Denjenigen, die Judenhass schüren, sagen wir, dass wir ihnen entschieden entgegentreten werden. Antisemitismus ist überall, aber gerade in Deutschland, unerträglich. Wer die Juden beschimpft, der beschimpft auch uns.“

„Dunkle Seiten der Kirche nicht zu übersehen“

Bischof Genn nimmt Bezug auf seine Predigt, die er vor zwei Wochen aus Anlass der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit – diese wird seit 1952 von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit veranstaltet – in Recklinghausen gehalten hatte. In dieser hatte er vor dem Hintergrund von antisemitischen Strömungen in Deutschland zu Wachsamkeit und Sensibilität aufgerufen und die Wichtigkeit der Erinnerung betont. Angesichts der jüngsten Ereignisse erneuert Bischof Genn seinen Appell von Recklinghausen: „Die Erinnerung ist notwendig für die Zukunft, weil sie uns an die Wurzeln unseres Glaubens und unserer Kultur führt, und weil sie uns hilft, allen Kräften zu wehren, die eine so unsagbare Schandtat wie die Schoah möglich machten. Erinnerung führt uns zusammen an die tiefen Wurzeln, aus denen das christliche Abendland entstanden ist, das bisweilen in unseren Tagen in einer Weise beschworen wird, die genau diesem Erbe entgegensteht.“

Zu dieser Erinnerung gehöre vor allem die an „die Schwestern und Brüder, die durch das Feuer des Holocaust gegangen sind.“ Es sei beschämend, was das deutsche Volk und viele andere dem jüdischen Volk im Laufe „der sich christlich nennenden Geschichte“ angetan hätten. Dabei, so unterstreicht der Bischof, sehe er durchaus, dass auch die Kirche im Laufe ihrer Geschichte hier „dunkle Seiten hat, die nicht zu übersehen sind.“

„Erinnerung ist die Brücke, die Ängste abbaut“

Jesus Christus, so unterstreicht der Bischof, sei „der exemplarische Israelit, und ich bin dankbar, dass ich durch ihn verwurzelt bin mit dem jüdischen Volk und allen Schwestern und Brüdern, die aus diesem Volk stammen und aus dieser Gebetstradition gelebt haben und leben.“ Genn betont, dass es wichtig sei, „all denen zu wehren, die mit bewusstem oder unbewusstem oder oberflächlichem Antisemitismus neue Samenkörner legen, die nur in Gewalt und Verachtung enden können.“ Bischof Genn: „Ihnen halten wir entgegen: Erinnerung an den großen Schatz des jüdischen Glaubens hilft uns, die Zukunft aufzubauen, die zum Segen aller werden kann. Erinnerung ist die Brücke, die Ängste abbaut und Neues aufbaut.“

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