Münsters Breitbandkoordinator Christian Tebel Der Mann, der in die Zukunft blickt

Münster -

Die digitale Zukunft Münsters liegt zu einem guten Teil in seinen Händen: Christian Tebel, Breitbandkoordinator der Stadt. Er will den Ausbau des Glasfasernetzes vorantreiben, sagt aber auch klar: „Das geht nicht von heute auf morgen.“

Von Björn Meyer
Christian Tebel will in Münster für eine neue, unterirdische Infrastruktur sorgen. Zum Gespräch brachte er daher mit einem Leerrohr und einem Kabel, über das auch Breitbandverbindungen laufen, Anschauungsmaterial mit.
Christian Tebel will in Münster für eine neue, unterirdische Infrastruktur sorgen. Zum Gespräch brachte er daher mit einem Leerrohr und einem Kabel, über das auch Breitbandverbindungen laufen, Anschauungsmaterial mit. Foto: Björn Meyer

Seine Aufgabe ähnelt der, ein brachliegendes Stück Land in ein ertragreiches Feld zu verwandeln. Er selber spricht davon, „ein Fundament zu legen, um die digitalen Herausforderungen bestehen zu können.“ Der gebürtige Münsteraner Christian Tebel ist aber weder Landwirt noch Bauarbeiter, sondern seit rund drei Monaten der neue Breitbandkoordinator des städtischen IT-Dienstleisters „citeq“. „Ich finde es spannend, hier etwas Gutes für Münsters Zukunft aufzubauen“, sagt der 31-Jährige, der zuvor für einen Energieversorger im Münsterland tätig war.

Die Betonung liegt dabei auf „aufzubauen“, denn noch liegt in Münster kein Breitband, eine Technologie, über die sich Daten besonders schnell und damit in großer Menge übermitteln lassen. Tebel nimmt eine Karte zur Hand und umkringelt ein paar – in der Relation – winzige Gebiete. Der Technologiepark Nienberge, die Hansestraße in Hiltrup, dazu der Nottulner Landweg und Im Derdel in Roxel. Dort liege bereits oder werde in naher Zukunft Breitband liegen – das war‘s. „Wir müssen das Interesse von Unternehmen und Privatleuten für die neue Technik und die Möglichkeiten, die sie bietet, wecken“, sagt Tebel. In Zukunft, das stehe für ihn fest, würden nicht nur Unternehmer, sondern auch Privathaushalte eine solch schnelle Leitung benötigen. Die Infrastruktur müsse dann aber bereits vorhanden sein, denn: „Breitbandausbau, das geht nicht von heute auf morgen“, stellt Tebel klar.

Bis 2020 wolle die Stadt Schulen, Kitas und städtische Dienstgebäude an Glasfaser angeschlossen haben. „Ein erster Schritt in die Digitalisierung der Stadt“, so Tebel. Dabei seien Glasfaserkabel keineswegs neu, die Bundesregierung um Helmut Kohl habe seinerzeit aber auf Kupfer gesetzt. Daher gelte es nun, eine neue Infrastruktur zu schaffen.

Neben der Vernetzung mit verschiedenen Akteuren arbeitet Christian Tebel derzeit unter anderem an einem Breitbandatlas. Mit dessen Hilfe sollen spätestens ab Herbst unter anderem alle Bürger sehen können, welche Internetgeschwindigkeit an ihrem Wohnort zur Verfügung steht. Die Glasfasertechnologie habe dabei im Grunde keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Lediglich die Anbieter würden eine Reglementierung vorgeben.

Dass die neue Bundesregierung das Ziel im Koalitionsvertrag verankert habe, auf Breitband zu setzen und bis 2025 allen Unternehmen und Privathaushalten einen Anschluss mit mindestens 1 GBit/s Geschwindigkeit zugänglich zu machen, sei ein gutes Zeichen. Auch wenn Experten davon ausgehen würden, dass dieses Ziel nur schwer umzusetzen sei. Staatliche Fördergelder sieht er dagegen zwiespältig. „Fördergelder sind gut, aber nur als letztes Mittel. Denn die behindern auch den eigenwirtschaftlichen Ausbau der Anbieter.“ Wichtiger sei es, durch das Vermitteln der Vorteile von Breitband das Interesse zu wecken. Denn durch Nachfrage entstehe Ausbau. Und erst nach einem solchen Ausbau ist eben ein ertragreiches Feld zu bestellen.  

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