Musica Sacra in der Synagoge Interkulturelle Mehrstimmigkeit

Münster -

Er war der erste jüdische Komponist, dessen Werke in gedruckter Form greifbar waren: Salomone Rossi, um 1570 geboren und im Wesentlichen in Mantua und Venedig wirkend. Für die meisten Zuhörer am Dienstag beim „Musica Sacra“-Konzert in der Synagoge dürfte die Begegnung mit Rossis Vokalmusik völliges Neuland gewesen sein.

Von Chr. Schulte im Walde
Das Ensemble „Profeti della Quinta“ bestritt das „Musica Sacra“-Konzert in der Synagoge.
Das Ensemble „Profeti della Quinta“ bestritt das „Musica Sacra“-Konzert in der Synagoge. Foto: Christoph Schulte im Walde

Psalm-Vertonungen, Kapitel aus dem Hohelied und liturgische Gesänge zeugten von der hohen Qualität dieser Musik, vor allem aber auch von der des ausführenden Ensembles „Profeti della Quinta“. Schon nach den ersten Tönen war klar: Hier steht und singt ein exquisites Profi-Quintett plus Laute, mit allen Wassern frühbarocker Musizierpraxis gewaschen. Stimmen, die fast schwerelos durch bisweilen dicht und komplex gewobene Klänge schwebten. Klar und ebenmäßig, silbrig hell und ohne jede Schärfe bis hinauf in die höchsten Höhen des (männlichen) Soprans. So könnte es einst am Hof zu Mantua geklungen haben, sicher auch wie hier von Cembalo und Laute begleitet.

Was wirklich völlig neu war und zu Lebzeiten Rossis große Diskussionen ausgelöst hat: dass mehrstimmige Vokalmusik in der Synagoge ertönte. Eigentlich eine Art Sakrileg und vor Rossi undenkbar – aber vielleicht ein erster Schritt auf dem Weg zu einem interkulturellen Dialog zwischen Juden- und Christentum im frühen 17. Jahrhundert. Zumal sich Rossi klar an dem vorherrschenden Madrigalstil seiner Zeit orientiert, etwa an Claudio Monteverdi. Und als er das jüdische Kaddisch mit dem italienischen Balletto synthetisierte, war das schon ein starkes Stück!

Hebräisch verstanden an diesem Konzertabend wohl die Wenigsten in der Synagoge (akustisch übrigens perfekt für derartige Musik). Aber es gab die deutsche Übertragung der Texte. Und eben Sänger, die höchst plastisch von dem zu erzählen verstanden, worum es in den hebräischen Versen geht. Mal fünfstimmig, mal im zweistimmigen Dialog, mal streng wie in einem Choral, mal geschmückt mit kunstvoll und virtuos angelegten Melismen – dabei immer sehr emotional.

Den Stil der Spätrenaissance und des Frühbarock haben sich auch die Ensemblemitglieder (und Komponisten) Elam Rotem und Ori Harmelin ganz zu eigen gemacht. Rotems Hohelied-Vertonung bewies, dass er die kompositorischen Kniffe wie die Alten beherrscht, Lautenist Harmelin ebenso mit seinen eigenen „La Monica“-Variationen. Ein denkwürdiger Abend. Und kein anderer Platz als die Synagoge wäre passender gewesen.

Zum Thema

Die nächsten Konzerte: Donnerstag in der Observantenkirche: „Wir glauben all an einen Gott“, Karfreitag in der Überwasserkirche „Dona nobis Pacem“, Karsamstag in der Erlöserkirche „Quartett auf das Ende der Zeit“ (alle 19.30 Uhr)

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