Meta Boldt (Jenny Koban) beobachtet jeden im Haus. Hier horcht sie gerade Hauswirt Tramsen (Frank Ruhkamp) aus. Foto: wam Nervensäge mit Blockwartmentalität

Münster -

„Nein, was gibt es doch für Menschen!“, entrüstet sich Meta Boldt über ihre Nachbarn. Doch die sich so blasiert gebende Dame hat es selbst faustdick hinter den Ohren. Die wiederum sind ständig auf Empfang geschaltet, um jede sich in der Mietskaserne abspielende Kleinigkeit aufzuschnappen – als Material für einen intriganten „Tratsch im Treppenhaus“.

Von Wolfgang A. Müller
 Meta Boldt (Jenny Koban) beobachtet jeden im Haus. Hier horcht sie gerade Hauswirt Tramsen (Frank Ruhkamp) aus. Foto: wam: Nervensäge mit Blockwar...
Meta Boldt (Jenny Koban) beobachtet jeden im Haus. Hier horcht sie gerade Hauswirt Tramsen (Frank Ruhkamp) aus. Foto: wam

„Wissen Sie, was ich neulich gehört habe?“, gehört zu den Standards, mit denen sie Unterstellungen und Verdrehungen einleitet und die Nachbarn gegeneinander ausspielt. Bei der gutherzigen Frau Knoop (Christiane Schrand) lässt sie sich über den „Miesepeter“ Herrn Brummer (Michael Eickelpasch) aus. Dem wiederum steckt sie angebliche Verfehlungen der eben Gesprochenen. Dass aber zum Beispiel Frau Knoop ein Zimmer an eine junge Frau untervermietet hat, stört den pensionierten Beamten nur so lange, bis sein Neffe erscheint und um Unterkunft bittet. Die Koalitionen im Haus werden neu gemischt.

Im doppelten Wortsinn wurde bei der Premiere der 1960 uraufgeführten und durch das Ohnsorg-Theater populär gewordenen Komödie in der Amateurbühne Münster-Ost viel und eifrig geklatscht. Und das aus gutem Grund: Einerseits hinterließ Autor Jens Exler ein Stück, dessen viele Pointen und geschickter Rhythmus die Zeit gut überdauert haben. Andererseits trat das Ensemble der Amateurbühne unter der Regie von Beate Ruhkamp selbstbewusst aus dem langen Schatten der legendären Ohnsorg-Stars um Heidi Kabel als Meta Boldt. An die Stelle schnodderig-lässiger norddeutscher Lesart traten hier eine eigene Kontur und Melodie.

Vor allem Jenny Kobans temperamentvolle Interpretation des Hausdrachens riss das Publikum ekstatisch mit. Mal dominant und schnippisch, mal einschmeichelnd, dann wieder wie ein Wasserfall das Gegenüber unter einem Schwall von Gerüchten und Bosheiten begrabend, gab sie eine furiose Nervensäge mit Blockwartmentalität und fast schon krimineller Energie. Frank Ruhkamp gestaltete den Hauswirt Tramsen als hilflosen Choleriker und brachte dadurch zusätzliche Dynamik auf die Bühne, die Stück und Mitspieler mächtig in Schwung brachten.

Manches im Stück bleibt zeitverhaftet, etwa wenn ein Fünfmarkschein geschwenkt wird. Oder wenn sich Brummers Neffe Dieter (Philip Sasse) und Frau Knoops Untermieterin Heike Seefeldt (Christine John) beim Kennenlernen steif und formell siezen. Andererseits blickt man dadurch auch auf Themen der frühen Sechziger Jahre wie die langsame Emanzipation junger Erwachsener. Die Typen, legte diese Inszenierung mit großem Unterhaltungswert nahe, sind indes geblieben. Und die Frage, wer seiner Kehrwoche nicht nachgekommen ist, auch.

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Weitere Vorstellungen im Pfarrer-Eltrop-Heim an der Wolbecker Straße 121a sind am 7. April um 20 Uhr, 15. April um 17 Uhr, 21. April um 20 Uhr, 29. April um 17 Uhr und 5. Mai um 20 Uhr. Karten: ' 6090970 oder online.    | amateurbuehne.de

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