Prozess wegen Urkundenfälschung Angeklagter Professor zahlt 50.000 Euro an die Uni

Münster -

Über 100.000 Euro hatte sich der ehemalige, geständige Professor erschlichen. Vor der Urteilsverkündung will er den Rest seines verursachten Schadens begleichen.

Von Björn Meyer
Prozess wegen Urkundenfälschung: Angeklagter Professor zahlt 50.000 Euro an die Uni
Foto: dpa (Symbolfoto)

Im Prozess gegen einen wegen 200-facher Urkundenfälschung angeklagten Mediziner ist am Dienstagmorgen die Beweisaufnahme vor dem Landgericht nahezu geschlossen worden. Nahezu, weil das Gericht noch auf einen Zahlungseingang der Universität über rund 50.000 Euro warten will. Mit dem Geld will der Mediziner, ein ehemaliger Professor aus Münster, der heute in Frankfurt lebt und arbeitet, den noch ausstehenden Schaden aus seinen Taten begleichen. Durch gefälschte Fahrkostenbelege hatte sich der heute 63-Jährige zwischen Mitte der 2000er-Jahre rund 102.000 Euro aus Drittmitteln erschlichen. 52.000 Euro hatte er bereits nach einer damaligen Vereinbarung mit der Uni zurückgezahlt.

So will der Angeklagte den Rest des Schadens begleichen:

Der Vorsitzende Richter hatte dem in allen Punkten geständigen Angeklagten bereits beim ersten Verhandlungstag klargemacht, dass sich Verbrechen nicht lohnen dürfe. Dessen Anwälte wiederum hatten eingewendet, dass dem Angeklagten die noch ausstehende Summe aktuell nicht zur Verfügung stehe. Nun die Kehrtwende: Er habe sich das Geld als Lohnvorauszahlung von einem Mediziner besorgt, für dessen Praxis er im Angestelltenverhältnis bestimmte Aufgaben erledige, äußerte sich der Angeklagte. Es sei ungefähr das Gehalt eines Jahres. „Wovon leben Sie dann?“, wollte der Richter an den Mediziner gewandt wissen. Er habe noch Einnahmen aus seiner Praxis, aber: „Ich werde das schon merken“, entgegnete der Angeklagte, der sein Jahreseinkommen in der vergangenen Sitzung auf rund 80.000 Euro taxiert hatte.

Offene Fragen

Einen Seitenhieb Richtung Universität konnte sich einer der beiden Anwälte des Angeklagten derweil nicht verkneifen. Die noch ausstehende Summe zeige letztlich, wie lax die Universität mit Drittmitteln umgehe. Tatsächlich war vor Gericht bislang offen geblieben, warum die WWU nicht schon früher das entwendete Geld aus Drittmitteln zurückgefordert hatte. Dass allerdings weder Anwälte noch der Angeklagte in den vergangenen neun Jahren offenbar auf die Idee gekommen waren, den noch ausstehenden Schaden zu begleichen, verschwieg der Anwalt dabei.

Beim nächsten Termin, am 10. April ab 11 Uhr, werden Plädoyers sowie das Urteil erwartet.

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